Ärzteschaft

Montgomery warnt vor ärztlich assistiertem Suizid

Freitag, 19. September 2014

Berlin – Der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK) hat seine ablehnende Haltung zum ärztlich assistierten Suizid erneuert. „Der Weg zum Arzt, um sich die Pille für den Exit zu holen, ist in meinen Augen der falsche Weg. Wir wollen den Menschen Alternativen bieten, und die gibt es in den meisten Fällen“, erklärte Frank Ulrich Montgomery am Donnerstag in der ARD-Sendung Beckmann.

Ende August hatten Palliativmediziner, Ethiker und Juristen einen Gesetzesentwurf zur Regelung des assistierten Selbstmordes vorgelegt. Dieser soll Medizinern und Angehö­rigen in bestimmten Fällen erlauben, Menschen beim Suizid zu unterstützen. Dagegen hatte sich Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) wiederholt sich für ein Verbot jeglicher Form von organisierter Sterbehilfe ausgesprochen. Auch der Arzt habe die Aufgabe, Leben zu schützen, betonte Gröhe. „Daran möchte ich unbedingt fest­halten.“

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Montgomery warnte in der ARD ebenfalls vor den negativen Auswirkungen einer technisierten und ärztlich administrierten Sterbehilfe für das Patienten-Arzt-Verhältnis. „Wir Ärzte haben eine Garantenstellung für das Leben und die Gesundheit der Menschen.“ In diesem Zusammenhang verwies er auf den Nutzen moderne Behand­lungsmöglichkeiten wie Schmerztherapie, Palliativmedizin und Hospize.

Ein strafrechtliches Verbot des ärztlich assistierten Suizids lehnte der BÄK-Chef trotzdem ab. Diese Frage sei durch das Berufsrecht ausreichend und gut geregelt. Eine optimale palliativmedizinische Versorgung würde den Ärzten schwerfallen, wenn der Staatsanwalt immer im Hintergrund stünde.

Die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention (DGS) wartne unterdessen vor der Suizidbeihilfe. Befürworter einer liberalen Regelung übersähen möglicherweise, dass hinter einem Suizidwunsch oft tiefergehende Wünsche nach Hilfe und emotionaler Unterstützung stecken, erklärte die DGS am Freitag in Köln bei ihrer Herbsttagung. Eine Prüfung, ob ein Mensch mit Wunsch nach Suizidbeihilfe entscheidungsfähig sei, reiche nicht aus. © hil/aerzteblatt.de

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Staphylococcus rex
am Dienstag, 4. November 2014, 17:21

Klarheit des Wortes und der Gedanken

das Thema Sterbehilfe ist emotional hoch aufgeladen, wobei dies weniger an der Zahl der betroffenen Personen liegt (selbst wenn man die Zahlen aus Ländern wo dies sehr liberal geregelt ist, auf Deutschland hochrechnet) sondern vielmehr weil hier moralische Grundwerte betroffen sind. Um so mehr reden hier die Beteiligten mit dem größten Vergnügen aneinander vorbei.

1. Suizid ist lediglich in den christlichen Moralvorstellungen verboten, nicht aber in unseren Gesetzen und in unserer Verfassung. Eine Diskussion zum Verbot des Suizids gehört in einen Hirtenbrief aber nicht in einen Gesetzentwurf. Auch sollten unsere christlichen Fundamentalisten anerkennen dass es eine Ethik außerhalb der christlichen Moralvorstellungen gibt.

2. Bereits jetzt gibt es eine rote Linie, Mord ist strafbar, genauso Tötung auf Verlangen. Ein Großteil der Diskussion hier bezieht sich auf die "Tötung auf Verlangen", dabei besteht hier eine klare Rechtslage und somit keinen Handlungsbedarf.

3. Bereits jetzt kann kein Arzt zur Beihilfe zum Suizid gezwungen werden. Es gibt keine Abrechnungsnummern dafür im EBM oder der GOÄ, somit ist die Beihilfe zum Suizid keine ärztliche Leistung sondern ein "letzter Freundschaftsdienst".

4. Beihilfe zum Suizid bedeutet, daß die entscheidende Handlung nicht durch den Arzt begangen wird (dann wäre es ja Tötung auf Verlangen) sondern der Sterbewillige muss selbst die entscheidende Handlung vollziehen, und da sind die Selbsterhaltungsinstinkte stark genug, um einen Missbrauch äußerst unwahrscheinlich zu machen.

5. Das eigentliche Problem beginnt nach dem Suizid. Angenommen ein Schwerkranker stirbt an einer tödlichen Medikamentendosis, und er war vorher nicht in der Lage heimlich diese Dosis zu bunkern, was hat dies für Konsequenzen? Auf dem Totenschein ist dies ein nichtnatürlicher Tod, ein "normaler" Suizid ist ausgeschlossen, und der Staatsanwalt muß ermitteln, ob es sich um Beihilfe zum Suizid handelt, um Tötung auf Verlangen oder um Mord. Auch ein assistierter Suizid ist aus meiner Sicht eine ernste Angelegenheit, und es wäre aus meiner Sicht hilfreich, wenn der Sterbewillige vorher seine Absicht notariell bekunden könnte, denn nachher kann man ihn nicht mehr fragen. Und in den Fällen, wo Beihilfe notwendig ist, wird es immer sehr schwer sein, anhand der Spuren am "Tatort" Beihilfe zum Suizid von einer Tötung auf Verlangen zu unterscheiden.

Ich persönlich halte Suizid für keine gute Lösung eines Problems, aber nach meiner Überzeugung müssen dies die Beteiligten unter sich ausmachen. Und unsere Verfassung verlangt bisher eine Trennung von Staat und Religion, und christliche religiöse Dogmen haben in Gesetzestexten nichts zu suchen, genauso wenig wie die Scharia.

Zusammenfassend will ich sagen, die vorhandenen Gesetze sind gut und ausreichend und es gibt keinen wirklichen Handlungsbedarf.
EEBO
am Freitag, 10. Oktober 2014, 21:00

Es wird langsam schwer,

sich auf die Seite derer zu stellen, die die Tötung eines Menschen auf Verlangen oder die Suizidbeihilfe ablehnen. Diese Position ist heutzutage unpopulär, viel attraktiver ist es, die "Selbstbestimmung" (welch schwammiger Begriff) in den Vordergrund zu stellen. Danke daher an alle, die sich in der Diskussion klar gegen die sog. aktive Sterbehilfe stellen.
Senbuddy
am Donnerstag, 9. Oktober 2014, 23:25

@Henry I - über A.Diaboli

Vielen Dank für Ihren Beitrag.

Es ist erbaulich, wenn mal wieder jemand etwas gegen das ausufernde und immer gleiche Beharren von Lutz Barth (A.Diaboli) auf seiner Ansicht vorbringt. Es wird freilich - wie schon so oft - wenig nützen, weil Herr Barth Jurist ist und sich als solcher auf einen einzigen "rechtlichen" Aspekt (d.h. auf sein persönliches Verständnis von "Selbstbestimmung") versteift hat.

Darüber hinaus zu denken und gesellschaftspolitische, ethische, psychologische, soziologische oder medizinische Aspekte zum Thema Sterbehilfe in einer Diskussion zuzulassen liegt ihm völlig fern. Und das ist schade.

Viele Grüße
S.
Vromi
am Donnerstag, 9. Oktober 2014, 19:59

Zum Thema Sterbehilfe

«In einer Gesellschaft, die … zur Ökonomisierung aller Lebensbereiche neigt, rate ich zu größter Vorsicht. Schnell könne ein von der Verfassung nicht gewollter Druck entstehen, das eigene Leben zu beenden, um anderen nicht zur Last zu fallen. Eine Gesellschaft, die ihre Hand zur Selbsttötung reicht, verändert den Umgang mit dem menschlichen Leben». So der ehemalige Verfassungsrichter Udo di Fabio am 3. September im Kölner Stadtanzeiger. Wenn man dann noch die potentielle Bösartigkeit der menschlichen Natur einbezieht, so muß einem bei diesem Vorhaben unserer Politiker Angst und Bange werden. Ist es Zufall oder Notwendigkeit, daß unsere "westlichen Werte" im Laufe der letzten Jahre zunehmend zur Diskussion gestellt und schließlich zum Verschwinden gebracht werden? Jüngstes Beispiel ist das Inzestverbot.
advokatus diaboli
am Freitag, 26. September 2014, 16:01

"Hochrangige Grundrechte"

Es sei mir gestattet, kurz auf einige Aspekte hinzuweisen:

Die BÄK resp. ihr Präsdent schlägt in der Tat das Selbstbestimmungsrecht der schwersterkrankten und sterbenden Menschen "zur kleinen Münze", beinhaltet dieses Recht doch auch die Möglichkeit, selbstbestimmt über den eigenen Tod zu entscheiden, wobei natürlich klar ist, dass mit dieser Entscheidung keine Fremdbestimmung über Dritte (also auch Ärzte) verbunden ist.

Über diesen verfassungsrechtlichen Befund wird jedenfalls in unserer Profession kaum noch gestritten.

Desgleichen geht die BÄK resp. ihr Präsident allzu lax mit dem hohen Grundrecht der Gewissensfreiheit um! Immerhin handelt es sich hierbei um ein Grundrecht ohne jedweden Gesetzesvorbehalt, so dass ohnehin die Regelung in der MBO m.E. verfassungswidrig ist. Allein der parlamentarische Gesetzgeber ist befugt, hier das Grundrecht zu "begrenzen", wenngleich auch für ihn die Hürden sehr hoch sind.

Dies leitet zu Ihrer Frage über, wer Herrn Montgomery Nachilfeunterricht erteilen soll?

Nun - ich meine, dass es renommierte Verfassungsrechtler gibt, die auch der BÄK einen Rat erteilen können und sofern es um die intraprofessionelle Ethik geht, könnte sich Herr Montgomery u.a. an die Ethiker bei der bei der BÄK eingerichteten Zentralen Ethikkommission wenden, deren Vorsitz bis vor kurzem u.a. Urban Wiesing inne hatte.
Überhaupt vermisse ich eine Stellungnahme der Zentralen Ethikkommission und anderenorts habe ich bereits zu bedenken gegeben, ob dieser ein "Maulkorb" verpasst wurde, weil dort jedenfalls eine differenzierte Lösung diskutiert wird?

Sei es drum. Die BÄK verkündet eine "Salami-Ethik", wie sich unschwer aus den berufsrechtlichen Regelungen zum Schwangerschaftsabbruch ergibt! Auch hier wird entgegen Hippokrates und Hufeland "getötet" und trotzdem der Gewissensentscheidung der einzelnen Ärztinnen und Ärzten überantwortet.

Die "Grundwerte der ärztlichen Ethik" - gleichsam das Grundgesetz der ärztlichen Sittlichkeit - beziehen ihre wesentlichen Impulse eben auch aus der Rechtsethik und manchmal muss letztere auch Korrekturen anbringen, wenn und soweit das ärztliche "Selbstverständnis" sich gleichsam zu einer "Sollensordnung" entwickelt, mit der hochrangige Grundrechte ausser Kraft gesetzt werden (sei es nun Grundrechte der Ärzteschaft oder solche der Patienten).
Henry I
am Freitag, 26. September 2014, 00:06

@advokatus diaboli: Nachhilfeunterricht von wem?

Welches "hochrangige Grundrecht" sehen Sie denn durch die Stellungnahme der Bundesärztekammer verletzt?
Es gibt kein Grundrecht auf Suizid, schon gar nicht ein Recht darauf, Ärzte zu zwingen, Suizidhilfe zu leisten.
Das Recht auf Leben dagegen liegt allen weiteren Rechten zugrunde und dem Leben und der Gesundheit der Menschen zu dienen ist Grundwert der ärztlichen Ethik.
Das berechtigte Vertrauen der Patienten in diese Ethik würde zerstört, wenn es Ärzte gäbe, welche Patienten auf Verlangen töten würden.
Ganz zu Schweigen von den Korruptionen, welche in einem solchen Falle unweigerlich um sich greifen würden.
Ich bin sicherlich nicht immer Montgomerys Meinung, aber ich diesem Fall Begrüße ich sehr seine klar geäußerte Stellungnahme.
advokatus diaboli
am Donnerstag, 25. September 2014, 18:07

BÄK-Präsident benötigt dringend "Nachhilfeunterricht"!

Schon zu lesende Worte: „Wir Ärzte haben eine Garantenstellung für das Leben und die Gesundheit der Menschen.“, die allerdings im Kern nicht so recht überzeugen vermögen.
Im Zuge der Debatte um die (ärztliche) Suizidbegleitung schwersterkrankter und sterbender Menschen scheint es in Mode gekommen zu sein, sich auf das gebetsmühlenartige Verkünden von (Glaubens-)Botschaften zu konzentrieren, ohne hierbei das "Recht" näher zu befragen.
Dass hierbei die Palliativmedizin mit ihrer "Sonderethik" eine besondere Rolle spielt, liegt auf der Hand, wird doch ein Widerspruch zum Suizidbegehren eines schwersterkrankten Patienten gesehen, den es so beileibe nicht gibt. Die Ärzte haben keine umfassende "Garantenstellung", sondern schulden nach vorheriger Aufklärung lediglich eine Behandlung lege artis, sofern der Patient hierzu expressis verbis seine Einwilligung erteilt.

Ein schwersterkrankter Patient darf diese seine Einwilligung verweigern, mag dies auch aus der Sicht eines vom hippokratischen Eid überzeugten Arztes höchst unvernünftig erscheinen. Kern des Selbstbestimmungsrechts ist die frei verantwortliche Entscheidung eines jeden Einzelnen, die wir schlicht zu respektieren haben, so wie der Patient nicht über die individuelle Gewissensentscheidung eines Arztes hinwegsteigen und im Zweifel "beugen" darf.

Auch der Präsdent der BÄK wird sich eingestehen müssen, dass er nicht "das Sprachrohr für die gesamte verfasste Ärzteschaft", sondern lediglich seine individuelle Gewissensentscheidung verkündet. Weder das Strafrecht noch das ärztliche Berufsrecht sollte dazu instrumentalisiert werden, hochrangige Grundrechte "zu Grabe zu tragen".

Unsere freiheitlich orientierte Gesellschaftsordnung bietet ein Höchstmaß an Selbstbestimmung und damit Individualität, die es gilt, nachhaltig zu verteidigen!

In diesem Sinne könnte es Sinn machen, wenn sich die BÄK und ihr Präsidium sachkundig beraten lässt, auch wenn es so manchem Funktionär schwer fällt, auf den Rat einer anderen Profession zu hören!

Auch für die BÄK gilt: "Schuster bleib bei Deinen Leisten"!
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