Medizin

Grauer Star: Vitamin E und Selen in Studie ohne vorbeugende Wirkung

Freitag, 19. September 2014

Boston – Die hochdosierte Einnahme der Antioxidanzien Vitamin E oder Selen kann die altersbedingte Entwicklung einer Katarakt nicht aufhalten. Dies zeigen die Ergebnisse einer randomisierten Langzeitstudie in JAMA Ophthalmologie (2014; doi: 10.1001/.jamaopthalmol.2014.3478).

Die SELECT Eye Endpoint-Studie (SEE) war im Rahmen des Selenium and Vitamin E Cancer Prevention Trial (SELECT) durchgeführt worden, die den Nutzen der beiden Antioxidanzien zur Prävention untersucht hat (aber zu dem Ergebnis kam, dass die beiden Nahrungsergänzungsmittel die Krebsentwicklung eher fördern). 11.267 der 35.533 Teilnehmer aus der SELECT-Studie wurden in die SEE-Studie aufgenommen. Sie wurden vor Beginn und dann regelmäßig nach augenärztlichen Befunden befragt, die dann vom Studienzentrum am Brigham and Women's Hospital in Boston verifiziert wurden.

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In den 5,6 Jahren der Behandlung erkrankten 389 Männer an einer Katarakt. Davon entfielen 185 auf die Gruppe, die Selen eingenommen hatte, und 204 auf die Vergleichsgruppe. Bezüglich der Vitamin E-Einnahme betrug das Verhältnis 197 zu 192. In beiden Endpunkten waren die Unterschiede nicht signifikant. William Christen vom Brigham and Women's Hospital und Mitarbeiter ermitteln für die Einname von Selen eine Hazard Ratio von 0,91 (mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,75 bis 1,11). Bei Vitamin E betrug die Hazard Ratio 1,02 (0,84-1,25).

Christen hält es für unwahrscheinlich, dass eine höhere Dosis oder eine längere Behandlungszeit einen Nutzen gezeigt hätte. Die Dosis von Vitamin E lag mit 400 IE pro Tag mehr als 26-fach über der empfohlenen Tageszufuhr. Die Selen-Dosis war vierfach höher als von Ernährungswissenschaftlern empfohlen. Aufgrund der ungünstigen Wirkung – beide Bestandteile erhöhten in der SELECT-Studie das Prostatakrebsrisiko – wird ohnehin von einer hochdosierten Einnahme der beiden Nahrungsergänzungsmittel abgeraten.

Die längere Einnahme einer niedrigeren Dosierung erscheint Christen ebenfalls wenig erfolgversprechend, da in zwei anderen Studien - der Women’s Health Study und der Physicians’ Health Study - keine Wirkung gefunden wurde. © rme/aerzteblatt.de

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ahierl
am Sonntag, 21. September 2014, 18:22

Warum wurde eine schädliche Form von Vitamin E in der Studie verwendet?

Die Studie wurde mit "all rac-α-tocopheryl acetate", das ohne die anderen 7 Vitamin E-Formen schädlich wirkt.
lupus1955
am Samstag, 20. September 2014, 11:50

Grauer Star: Vitamin E und Selen in Studie ohne vorbeugende Wirkung

rme vom Dt. Ärzteblatt sollte mit den Formulierungen vorsichtiger sein. Ich beziehe mich auf den vorletzten Absatz des Artikels, in dem der/die Autor/in vermeintlich zitiert, dass diese hohen Gaben von Se und VitE in der Studie das Prostatakrebsrisiko erhöhten. Wie misst man ein Risiko? War die Krebsinzidenz erhöht oder nicht. Wurde dieser Zusammenhang in der Studie tatsächlich nachgewiesen? Wie waren die Ausgangswerte für beide Mikronährstoffe bei den Probanden? Lesen Sie doch bitte mal genau und mit ein wenig Kenntnis: Erstens hatten alle Probanden einen Selenausgangsspiegel, der bereits im oberen Normbereich liegt (Amerikas Böden sind wesentlich selenhaltiger als die europäischen), zudem wurde eine Selenformulierung gegeben, die auf Grund der Pharmakodynamik höchst gefährlich für Akkumulation und somit Intoxikation ist. Genau genommen ist das Studiendesign eine iatrogene Intoxikation, aus Unwissenheit oder pharmakopolitischem Kalkül? Nahrungsergänzungsmittel ist zwar ein gebräuchlicher Begriff, aber irreführend. Wer ein bißchen Biochemie und Pharmakologie erinnert, wird einen guten Spiegel nicht unbedingt als Lifestyle sondern als Notwendigkeit betrachten.
Bereits 2010 wurden berechtigte Zweifel an der Studie bzw den Schlussfolgerungen geäußert, ich empfehle dazu http://krebstherapie-dresden.de/wp-content/uploads/2011/05/2010-Selen-MMP-Studie.pdf
Ich bitte dringend darum, künftig Studien genau zu lesen und Details auch einmal zu hinterfragen. Über allen Studien steht immer die Frage: Cui bono?
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