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Stresshormon verringert Knochenstabilität bei Kindern

Montag, 22. September 2014

Bonn – Stress von Schulkindern hat möglicherweise negative Auswirkungen auf den Knochenstoffwechsel. Dies lässt eine Untersuchung im Journal of Bone and Mineral Research (2014; doi: 10.1002/jbmr.2347) vermuten, in der eine erhöhte Konzentration von Cortisol und Cortisol-Umbauprodukten im Urin mit einer Störung im Knochenbau assoziiert war.

Stress führt im Körper zur Freisetzung von Cortisol aus der Nebennierenrinde. Zu seinen langfristigen Wirkungen gehört ein Abbau der Knochensubstanz, die im Alter zur Osteo­porose führt. Stress kann bereits im Kindes- und Jugendalter auftreten. Das Team um Thomas Remer vom Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften an der Universität Bonn hat jetzt an 175 Kindern und Jugendlichen im Alter von sechs bis 18 Jahren untersucht, ob dies Auswirkungen auf den Knochenstoffwechsel hat.

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Es handelt sich um Teilnehmer der „DOrtmund Nutritional and Anthropometric Longitu­dinally Designed“ oder DONALD-Studie, die eine Gruppe von über 500 Kindern seit dem Säuglingsalter begleitet. Die für die aktuelle Studie ausgewählten Kinder und Jugendlichen hatten im Abstand eines Jahres zwei Urinproben abgegeben. Zum Zeitpunkt der zweiten Probe führten die Forscher bei jedem Teilnehmer eine computertomographische Untersuchung des Unterarms durch.

Dabei stießen sie auf einen signifikanten Zusammenhang: Je höher die Konzentration von Cortisol und Cortisol-Umbauprodukten im Urin war, desto „fragiler“ waren die Knochen. Der Innenumfang der Knochen war vergrößert, der Außenumfang vermindert, was zusammen mit einer verminderten Knochendichte den Stress-Strain-Index (SSI) des Knochens senkte.

Zu Deutsch: Die Festigkeit des Knochens war vermindert. Ob dies mit einem erhöhten Frakturrisiko einher geht, lässt die Studie offen. Remer hält die Ergebnisse jedoch auf jeden Fall für bedenklich, weil der Knochen im Jugendalter seine höchste Mineralisation erreicht, von der die Menschen ein Leben lang profitieren. Im Verlauf des Erwachsenen­lebens nimmt die Knochendichte kontinuierlich ab. Eine niedrige „Peak Bone Mass“ in der Jugend gilt als Risikofaktor für eine Osteoporose im Alter.

Bedenklich seien die Ergebnisse auch, weil die im Urin gemessenen Cortisol-Mengen nicht außergewöhnlich hoch waren. Sie lagen laut Remer im normalen physiologischen Bereich. Dass dennoch ein deutlicher Effekt auf den Knochenstoffwechsel erkennbar war, könnte bedeuten, dass schon ein geringer Stress negative Auswirkungen auf die Knochengesundheit hat.

Eine gesunde Ernährung könnte diese schädlichen Auswirkungen vielleicht verhindern, vermutet Remer. Studien mit Erwachsenen hätten gezeigt, dass eine obst- und gemüse­reiche Kost den Cortisol-Spiegel senken kann. Äpfel, Orangen, Kartoffeln oder Spinat seien also möglicherweise gut für die Knochengesundheit, meint der Forscher, der jetzt in einem Anschlussprojekt untersuchen möchte, ob sich der Cortisol-Spiegel durch eine gezielte Ernährung senken lässt.

© rme/aerzteblatt.de

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