Politik

Pay for Performance: Montgomery warnt vor Dokumentations­aufwand

Mittwoch, 24. September 2014

Hamburg – Frank Ulrich Montgomery fürchtet weiteren Dokumentationsaufwand für die Klinikärzte, wenn die Bundesregierung ihren Plan umsetzt, eine qualitätsorientierte Vergütung von Krankenhausleistungen einzuführen: „Bereits heute sind die Ärzte und Pflegekräfte mit der Datenerhebung für Qualitätssicherungsmaßnahmen stark belastet“, betonte der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK) gestern zur Eröffnung des Gesund­heitswirtschafts­kongresses in Hamburg. Jede zusätzliche Maßnahme würde eine weitere Arbeitsbelastung mit sich bringen, die kaum im Verhältnis stehe. Der BÄK-Präsident hofft auf Lösungen, bei denen die Ergebnisqualität mit den ohnehin vorhandenen Routinedaten ermittelt wird.

Zuvor hatte die Hamburger Gesundheitssenatorin und Vorsitzende der Gesundheits­ministerkonferenz, Cornelia Prüfer-Storcks (SPD), erneut betont, dass die Politik in Zukunft gute Qualität in den Krankenhäusern belohnen und schlechte bestrafen wolle: „Schlechte Qualität ist Ressourcenverschwendung und die Ressourcen im Gesundheits­wesen sind endlich“, sagte das Mitglied der Bund-Länder-Arbeitsgruppe, die bis Ende des Jahres Eckpunkte für eine Krankenhausreform vorlegen will. Die Konzentration von Leistungen sei das Gebot der Stunde.

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Strukturvorgaben für Personalausstattung im Pflegebereich geplant
Prüfer-Storcks bestätigte auch, dass in der Arbeitsgruppe über Vorgaben für die Personalausstattung der Krankenhäuser im Pflegebereich nachgedacht werde. Zehn Jahre nach Einführung der DRGs sei hier eine gefährliche Abwärtsspirale zu beobachten: „Wenn sich in Deutschland eine Pflegefachkraft um doppelt so viele Patienten kümmert wie in anderen Ländern, kann das der Qualität nicht förderlich sein.“

„Solche konkreten Strukturvorgaben verhindern den Wettbewerb um gute Lösungen“, warnte hingegen Matthias Bracht, Vorstandsvorsitzender der Mühlenkreiskliniken im Kreis Minden-Lübbecke. Wer Wettbewerb unter den Krankenhäusern wolle, müsse sich auf die Ergebnisqualität beschränken – „aber die zu messen, ist schwierig“.

Fehlentwicklungen in den Kranken­häusern sind Folge begrenzter Mittel
Die Krankenhäuser fühlten sich von der Politik veräppelt, sagte Bracht. Sie hätten sich nach der DRG-Einführung genau so verhalten, wie man es von ihnen verlangt habe: „Wir haben die Verweildauern gesenkt und Personal abgebaut und so die Kosten gesenkt.“ Genau das werde jetzt kritisiert. Bracht: „Wenn es Fehlentwicklungen in den Kranken­häusern gibt, dann ist das nicht eine Folge des Wettbewerbs, sondern der begrenzten Mittel.“

Patienten werden verunsichert
Alfred Dänzer, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, wies darauf hin, dass die Diskussion über die Qualität in den Krankenhäusern die Patienten massiv verun­sichere: „Viele Menschen denken inzwischen, sie gingen ein Risiko ein, wenn sie ins Krankenhaus gehen. Das kann doch nicht sein.“ Natürlich könne man immer besser werden, aber das Qualitätsniveau in den Krankenhäusern sei hoch. Man dürfe das Vertrauen in die Krankenhausversorgung nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.

Kongresspräsident Heinz Lohmann plädierte dafür, den Patienten in die Lage zu versetzen, die Qualität in den Krankenhäusern selbst zu beurteilen: „Die Zeit ist reif für eine Initiative Gesundheitstest, analog zur Stiftung Warentest“, meinte der Gesundheits­ökonom. BÄK-Präsident Montgomery äußerte Zweifel, ob das Sinn macht: „Dafür ist die Wissensasymmetrie zwischen Ärzten und Patienten in medizinischen Fragen einfach zu groß.“ Solange der Patient nicht vollkommen informiert sei, brauche er einen Sachwalter seiner Interessen – „und das ist der Arzt“. © JF/aerzteblatt.de

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