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Europäischer Depressionstag: Familie in Diagnostik und Therapie miteinbeziehen

Mittwoch, 24. September 2014

Berlin – Die Depression ist die Erkrankung, die im Vergleich zu allen anderen mit den meisten mit schweren Beeinträchtigungen gelebten Lebensjahren einhergeht (WHO, 2014). Darauf wies Detlef E. Dietrich, Repräsentant des EDD und ärztlicher Direktor der Burghof Klinik in Rinteln im Vorfeld des 11. Europäischen Depressionstages (EED) hin. In Deutschland seien derzeit rund vier Millionen Menschen von einer behandlungs­bedürf­tigen Depression betroffen. „Problematisch ist, dass weniger als die Hälfte davon tatsächlich auch behandelt werden und von diesen wiederum höchstens die Hälfte als ausreichend behandelt gelten kann“, sagte Dietrich heute vor der Presse in Berlin.  

Der Rolle der Familie im Hinblick auf Entstehung, Früherkennung von Depressionen und Unterstützung der Betroffenen widmet sich der EDD am 1. Oktober. Depressionen gehören in den industrialisierten Ländern zu den häufigsten psychischen Erkrankungen.

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Die Familie oder das soziale Umfeld sollte bei der Diagnostik und Therapie depressiv Erkrankter miteinbezogen werden, forderte Dietrich. „Die Familie kann sehr viel zur Unterstützung und Entlastung der Kranken beitragen.“ Auch das Wissen um eine mögliche genetische Disposition, um Entwicklungsfaktoren in der Kindheit der Betrof­fenen, wie Erziehungsstil, Konfliktlösungsstrategien und Umgang mit Stress in der Familie, seien für Ärzte und Psychotherapeuten im Hinblick auf Diagnostik und Therapie aufschlussreich. Familiäre Konflikte, akute und chronische Belastungssituationen oder fehlende familiäre Unterstützung könnten den Heilungsverlauf zudem negativ beeinflussen.

Hausarzt spielt eine zentrale Rolle als erster Ansprechpartner
Auf die zentrale Rolle der Hausärzte, die die Familie der Betroffenen häufig kennen, wies Cornelia Goesmann, Hausärztin und ärztliche Psychotherapeutin in Hannover, hin. „Wir begleiten die Patienten meist langjährig und können sozusagen eine gelebte Anamnese erheben“, sagte Goesmann, die auch Beauftragte des Vorstands der Bundesärztekammer für Fragen der ärztlichen Psychotherapie ist. Studien zeigten, dass 70 Prozent der Patienten mit Depressionen bei einer Verschlechterung zuerst bei ihrem Hausarzt vorstellig werden würden. Warum Depressionen nicht immer richtig diagnostiziert würden, liegt nach Ansicht von Goesmann auch daran, dass viele Betroffene zunächst nur somatische Beschwerden wie Kopf-, Herz-, oder Rückenschmerzen schilderten. „Es liegt dann am Geschick des Hausarztes tiefer zu fragen, um die richtige Diagnose zu stellen.“

Der Hausarzt sollte nach Ansicht von Cornelia Goesmann eine koordinierende Funktion der Therapie übernehmen und psychisch Kranke bei Bedarf an Psychiater oder Psychotherapeuten weiterleiten. Notwendig sei außerdem eine bessere Ausbildung im Medizinstudium über psychische Erkrankungen und auch in der Facharztweiterbildung. „Unerlässlich ist zudem eine gute Kooperation der Fachgruppen untereinander“, betonte Goesmann.

Depression wirkt sich auf die gesamte Familie der Betroffenen aus
Erkranke ein Familienmitglied an einer Depression, so wirke sich das immer auch auf die ganze Familie und besonders auch auf die Kinder der Betroffenen aus, sagte Rainer Richter, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK). „Beispielsweise wirkt sich die gestörte Feinabstimmung in der emotionalen Kommunikation zwischen einer depressiv erkrankten Mutter und ihrem Säugling nachweislich negativ auf die emotionale Entwicklung des Kindes aus“, erläuterte Richter.

Im späteren Lebensalter beschuldigten sich Kinder häufig für Erkrankung ihrer Eltern verantwortlich zu sein. Oder sie übernähmen die Rolle der Eltern, in dem sie sich für jüngere Geschwister oder den Haushalt verantwortlich fühlten. „Diese Parentifizierung überfordert die Kinder jedoch enorm“, betonte Richter. In einer Familientherapie könnten Psychotherapeuten alle Beziehungsgeflechte durchleuchten und der ganzen Familie helfen.

Um die langen Wartezeiten auf einen Therapieplatz zu verringern, schlägt der BPtK-Präsident mehr niedrigschwellige Angebote vor. Sprechstunden beim Psycho­therapeuten, der dann entscheiden solle, ob derjenige tatsächlich eine Therapie braucht oder vielleicht eher eine Beratungsstelle oder Selbsthilfegruppe aufsuchen sollte, seien dringend notwendig. „Damit könnten auch die Brücken zwischen Psychotherapeuten, Hausärzten und Internisten verringert werden“, betonte Richter. © pb/aerzteblatt.de

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