Ärzteschaft

Geriater fordern bessere Versorgung akut erkrankter Demenzpatienten

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Halle/Köln – Bereits im Jahr 2020 wird voraussichtlich jeder fünfte Patient, der mit einem Herzinfarkt, Knochenbrüchen nach Stürzen oder einer akuten Infektion in ein Kranken­haus kommt, auch unter einer Demenz leiden. Akut erkrankte Demenzpatienten werden zu einer immer größeren Herausforderung für Ärzte und Pflegekräfte. „Urolo­gische, internistische, chirurgische und andere Stationen sind mit der Behandlung und Pflege dieser Patienten häufig überfordert“, erläutert der Past-Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG), Werner Hofmann.

Die Verlegung ins Krankenhaus vermeiden – das sollte laut Hofmann hohe Priorität bei der Betreuung im Heim oder Zuhause haben. „Das Krankenhaus ist für Demenzkranke der denkbar schlechteste Aufenthaltsort“, sagte er im Rahmen des Symposiums ‚Demenz im Krankenhaus 2020 – was ist zu tun?’ anlässlich der Jahrestagung der Fachgesell­schaft Ende September in Halle. Um akut erkrankte Demenzpatienten zu Hause behandeln zu können, sei es aber nötig, die hausärztlich-geriatrische Versorgung von Demenzkranken deutlich auszubauen und ambulante Pflegedienste intensiver zu schulen.

Anzeige

In der Notaufnahme regelhaft auf Demenz und Delir untersuchen
Sollte eine akute Krankenhauseinweisung trotzdem nötig sein, muss laut Hofmann die Kommunikation mit der aufnehmenden Klinik besser werden. „Häufig wissen die Ärzte und Pflegekräfte im Krankenhaus nicht von der Demenzerkrankung des eintreffenden Patienten“, kritisierten die Referenten des Symposiums. Die Krankenhäuser müssten außerdem Patienten in ihren Notaufnahmen regelhaft auf Demenz und Delir unter­suchen.

Innerhalb des Krankenhauses sollten die Demenzpatienten so wenig wie möglich verlegt werden, um ihnen weiteren Stress und Verwirrung zu ersparen. Zudem sollten die Kranken­häuser ihre ehrenamtlichen Begleitdienste schulen, damit sie die Patienten zum Beispiel bei Röntgen- oder Ultraschalluntersuchungen begleiten und sinnvoll unter­stützen können. Aber auch Ärzte und Pfleger sollten systematischer darin ausgebildet werden, adäquat mit Demenzkranken umzugehen. „Wir werden als Ärzte in Zukunft täglich mit Demenzpatienten konfrontiert werden“, so Hofmann.

Die Entlassung von Demenzpatienten aus der Klinik in das Heim oder das häusliche Umfeld muss ebenfalls strukturierter erfolgen, fordern die Altersmediziner. Die Akutkliniken sollten zumindest eine Checkliste etablieren und mit ihrer Hilfe die wichtigsten Fragen zur Weiterbetreuung der Patienten vor der Entlassung klären. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Ärzteschaft

Nachrichten zum Thema

19.07.16
Alzheimer Gesellschaften fordern, Kranke weniger zu fixieren
Düsseldorf – Angehörige von Menschen mit Demenz wollen die Verwendung von Gurten und Gittern bei den Kranken deutlich verringern. „Es wird viel zu viel festgegurtet“, sagte Regina Schmidt-Zabel,......
06.07.16
Berlin – Union und SPD haben gestern entschieden, dass über die gruppennützige Forschung an nichteinwilligungsfähigen Menschen wie etwa Demenzkranken erst nach der Sommerpause im Bundestag beraten......
05.07.16
Berlin – Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will die gruppennützige Forschung an nichteinwilligungsfähigen Menschen – wie zum Beispiel Demenzkranken – erleichtern. Obwohl sich Union und SPD......
30.06.16
Gruppennützige Forschung: Union und SPD bringen gemeinsamen Antrag ein
Berlin – Union und SPD haben sich im Streit um die gruppennützige Forschung an nichteinwilligungsfähigen Menschen wie zum Beispiel Demenzkranken auf einen gemeinsamen Änderungsantrag verständig. Zuvor......
22.06.16
Köln – Die Unionsfraktion hat sich auf einen Vorschlag geeinigt, unter welchen Voraussetzungen Forschung an nicht einwilligungsfähigen Erwachsenen, wie beispielsweise Demenzkranken, erlaubt werden......
14.06.16
Ultraschall und Mikrobubbles befördern Medikamente durch die Bluthirnschranke
Washington - Die Blut-Hirn-Schranke verhindert, dass giftige Stoffe, aber auch Medikamente von der Blutbahn in das Gehirn gelangen. Mittels Ultraschall und Gasbläschen ist es Forschern gelungen, diese......
14.06.16
Demenzforschung: Lauterbach macht Kompromissvorschlag
Berlin – Im Streit darüber, ob künftig gruppennützige Forschung an Demenzkranken erlaubt sein soll und welche Rahmenbedingungen dafür gelten, will SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach der SPD-Fraktion......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige