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Palliativärzte fordern Verbot von Suizidbeihilfe

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Berlin - Der Deutsche Hospiz- und Palliativverband (DHPV) hat sich für ein Verbot aller Formen der gewerblichen und organisierten Beihilfe zum Suizid ausgesprochen. Keines­falls dürfe es politische und gesetzlich eröffnete Optionen geben, die diesen Formen der Suizidbeihilfe und der Werbung dafür Legitimation verleihen, heißt es in einer aktuellen Stellungnahme des Verbandes. Ein alleiniges Verbot der gewerblichen Beihilfe zum Suizid sei unzureichend, da es nicht verhindere, dass Angebote für organisierte Formen der Beihilfe zur Selbsttötung geschaffen würden.

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Ende August hatten Palliativmediziner, Ethiker und Juristen einen Gesetzesentwurf zur Regelung des assistierten Suizids vorgelegt. Dieser soll Medizinern und Angehö­rigen in bestimmten Fällen erlauben, Menschen beim Suizid zu unterstützen. Dagegen hatte sich Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) wiederholt für ein Verbot jeglicher Form von organisierter Sterbehilfe ausgesprochen.

Montgomery gegen ärztlich assistierten Suizid
Auch der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Frank Ulrich Montgomery, hat kürzlich erneut seine ablehnende Haltung zum ärztlich assistierten Suizid bekräftigt. „Der Weg zum Arzt, um sich die Pille für den Exit zu holen, ist in meinen Augen der falsche Weg. Wir wollen den Menschen Alternativen bieten, und die gibt es in den meisten Fällen“, hatte er in der ARD-Sendung Beckmann erklärt.

Ein strafrechtliches Verbot des ärztlich assistierten Suizids lehnte der BÄK-Präsident trotzdem ab. Diese Frage sei durch das Berufsrecht ausreichend und gut geregelt. Eine optimale palliativmedizinische Versorgung würde den Ärzten schwerfallen, wenn der Staatsanwalt immer im Hintergrund stünde.

DHPV warnt vor einer Entwicklung wie in Belgien und den Niederlanden
Der Geschäftsführer des DHPV, Benno Bolze, verwies heute vor Journalisten in Berlin auf Deutschlands Nachbarländer Belgien und Niederlanden: „In beiden Staaten hat die Diskussion über Sterbehilfe so begonnen, wie wir sie heute führen.“ Zurzeit seien die Voraussetzung für eine Sterbehilfe in Belgien und den Niederlanden hingegen nicht mehr nur unerträgliche körperliche, sondern mittlerweile auch psychische Leiden. „Diese Diskussion werden wir auch in Deutschland bekommen“, so Bolze, sofern die Beihilfe zum Suizid jetzt nicht verboten werde.

Winfried Hardinghaus, kommissarischer Vorsitzender des DHPV, betonte die Möglich­keiten der Palliativmedizin. Es sei heute ganz unspektakulär möglich, schwerkranke Menschen von ihren Beschwerden zu befreien und ihnen ein Sterben in Würde zu ermöglichen. Sich helfen zu lassen, sei dabei kein Aufgeben der eigenen Autonomie. Im Gegenteil: Die Linderung von Schmerzen mache Autonomie überhaupt erst wieder möglich.

Er warnte davor, dass der Druck auf alte und schwache Menschen wachsen werde, sich beim Suizid unterstützen zu lassen, wenn eine solche Möglichkeit gesetzlich gegeben werde. „Der Dammbruch ist bereits da“, warnte Hardinghaus. „Schauen Sie auf Belgien und die Niederlande.“ 

Palliativversorgung in den Städten gut, auf dem Land nicht
„Wenn ich mit schwerkranken Patienten spreche, höre ich zunächst oft den Wunsch, in die Schweiz fahren zu wollen, um sich dort beim Sterben helfen zu lassen“, berichtete die Berliner Palliativmedizinerin Petra Anwar. „Doch dieser Wunsch relativiert sich im Laufe des Gesprächs, während sich ein Vertrauensverhältnis zum Arzt aufbaut.“

Anwar kritisierte, dass junge Medizin in ihrer Aus- und Weiterbildung zu wenig über Palliativmedizin erführen. „Mit Ohrenschmerzen geht man zum Ohrenarzt. Wir müssen dahin kommen, dass auch Palliativpatienten einen Ansprechpartner haben und nicht von einem Arzt zum nächsten schwirren“, forderte sie. „Wir müssen Zeit und Personal in diese Versorgung stecken.“  

In Deutschland gebe es heute über 200 Hospize, erklärte Bolze. Die Versorgung sei regional jedoch sehr unterschiedlich. Während in den Großstädten die Strukturen gut entwickelt seien, gebe es im ländlichen Bereich Schwierigkeiten. Ebenso sei es bei der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV). „In den Großstädten stehen wir gut da“, sagte Bolze. „Auf dem Land müssen wir noch nachrüsten.“ Insgesamt gebe es heute etwa 200 SAPV-Teams. Benötigt würden jedoch übe 300. © fos/aerzteblatt.de

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