Medizin

Gesunder Lebensstil vermeidet jeden zweiten Schwangerschafts­diabetes

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Bethesda – Übergewicht, ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel und Rauchen sind vermeidbare Risikofaktoren, auf die laut Berechnungen im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2014; 349: g5450) in den USA fast die Hälfte aller Fälle eines Gestationsdiabetes zurückzuführen sind.

Immer mehr Schwangere leiden unter einem Gestationsdiabetes. In einer Untersuchung des AQUA-Instituts lag die Prävalenz 2012 in Deutschland bei 3,7 Prozent, acht Jahre zuvor war die Diagnose erst bei 1,47 Prozent der Schwangeren gestellt worden. Die Ursache sehen Experten weniger in der erhöhten Aufmerksamkeit der Ärzte, die häufiger einen Glukosebelastungstest durchführen, als in einem Anstieg des Lebensalters und der genannten Risikofaktoren.

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In den USA ist die Entwicklung noch weiter fortgeschritten. Bis zu 25 Prozent aller Schwan­geren sollen dort einen gestörten Glukosestoffwechsel in der Schwangerschaft haben. Der Gestationsdiabetes erhöht nicht nur das Schwangerschaftsrisiko, weil es häufiger zu Hochdruckerkrankungen und zu einer Prä-Eklampsie kommt und die Frauen nach der Schwangerschaft häufiger einen Typ 2-Diabetes entwickeln.

Hohe Blutzuckerwerte gelten auch als „teratogen“: Die Kinder sind bei der Geburt makrosom und das Fehlbildungsrisiko ist erhöht. Schließlich weisen epidemiologische Studien darauf hin, dass ein Gestationsdiabetes die Kinder im späteren Leben anfälliger macht für Stoffwechselstörungen wie den Typ 2-Diabetes.

Es gibt deshalb gute Gründe, Frauen zu motivieren, bereits vor einer Schwangerschaft die Risikofaktoren Übergewicht, ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel und Rauchen zu meiden. Cuilin Zhang vom US-National Institute of Child Health and Human Development in Bethesda/Maryland hat hierzu die Daten der Nurses' Health Study II ausgewertet, an der mehr als 14.000 jüngere Krankenschwestern aus den Neueng­landstaaten der USA teilnehmen.

Zwischen 1989 und 2001 kam es zu 14.437 Einzelschwangerschaften. In 823 Fällen wurde ein Gestationsdiabetes festgestellt. Der Abgleich mit den zweimal jährlich ausgegebenen Fragebögen zum Lebensstil der Frauen ergab, dass Nichtraucherinnen zu 29 Prozent seltener am Gestationsdiabetes erkranken. Bei einem Body Mass Index von unter 25 war das Risiko sogar um 56 Prozent niedriger, eine gesunde Ernährung senkte das Risiko um 19 Prozent, und Frauen, die mindestens 150 Minuten pro Woche Sport trieben, erkrankten zu 15 Prozent seltener. Frauen, die alle vier Kriterien erfüllten, hatten ein um 83 Prozent niedrigeres Risiko auf einen Gestationsdiabetes.

Zhang setzte diese Zahlen dann mit der Prävalenz der Risikofaktoren in der US-Gesell­schaft in Beziehung und errechnet daraus das sogenannte attributable Risiko (population attributable risk percent, PAR). Es gibt an, um welchen Prozentsatz die Erkrankungsrate sinken würde, wenn alle Frauen die vier Risikofaktoren meiden würden.

Zhang kommt auf einen PAR von 47,5 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 35,6 bis 56,6 Prozent), nach dem fast die Hälfte aller Fälle von Schwangerschaftsdiabetes in den USA vermeidbar wären. In Deutschland dürfte der Prozentsatz etwas geringer sein, da die Adipositas weniger verbreitet ist, doch auch hierzulande wären viele Fälle eines Schwangerschaftsdiabetes vermeidbar. © rme/aerzteblatt.de

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