Medizin

25 Jahre Einheit: Ost-West-Unter­schiede in der Gesundheit

Freitag, 3. Oktober 2014

Berlin - Ein Vierteljahrhundert nach dem Fall der Mauer hat sich der Gesundheitszustand in den alten und neuen Bundesländern weitgehend angeglichen. Es gibt aber weiter Unterschiede, wie eine Übersicht des Robert Koch-Instituts in „GBE kompakt“ zeigt.

Der härteste Indikator für den Gesundheitszustand ist die Lebenserwartung. Zu Beginn der 1990er Jahre lebten Frauen in den alten Bundesländern 2,3 Jahre länger als in den neuen Bundesländern. Heute hat sich die Lebenserwartung in Ost und West ange­glichen (ein Unterschied von 0,2 Jahren in 2009/2011 ist kaum relevant). Bei den Männern wurde der Unterschied von 3,2 Jahren noch nicht vollkommen aufgeholt. Männer starben 2009/11 in den neuen Bundesländern um 1,4 Jahre früher als in den alten.

Anzeige

Doch der alte Ost-West-Gegensatz wird zunehmend von einem Nordost-Südwest-Gefälle überlagert. Dies zeigt sich vor allem in der Lebenserwartung der über 60-Jährigen. Die wenigsten verbliebenen Lebensjahre haben hier Männer in Teilen Mecklenburg-Vor­pommerns und in Sachsen-Anhalt. Am höchsten ist die Lebenserwartung im Alter von 60 Jahren für Frauen in Baden-Württemberg und Teilen Bayerns. In Sachsen ist die Lebenserwartung mit 60 Jahren heute nicht mehr geringer als in Niedersachsen oder Nordrhein-Westfalen.

Ein wesentlicher Grund für die weiter bestehenden Unterschiede zwischen West und Ost ist die erhöhte Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sie lag Anfang der 1990er Jahre bei beiden Geschlechtern in den neuen Bundesländern etwa 1,5-mal höher als in den alten Bundesländern. Seither ist es in beiden Teilen zu einem Rückgang der kardio­vaskulären Sterblichkeit gekommen, doch der Osten hat den Westen noch nicht einge­holt. Die höchste kardiovaskuläre Sterberate hat Sachsen-Anhalt gefolgt von Mecklen­burg-Vorpommern und Sachsen, die niedrigsten Werte verzeichnen nach Hamburg und Berlin die Flächenländer Baden-Württemberg und Hessen.

Bei Krebserkrankungen gab es vor der Wiedervereinigung kaum Unterschiede mit zwei Ausnahmen: Frauen starben im Osten seltener an Lungenkrebs als im Westen, weil sie seltener rauchten. Bei den Männern war es umgekehrt. Inzwischen haben sich die Rauch­gewohnheiten in West und Ost angeglichen. In beiden Teilen steigt die Sterblich­keit bei den Frauen und bei den Männern nimmt sie langsam ab.

Beim Brustkrebs ist die Sterblichkeit im Osten weiter höher als im Westen. Der Grund ist nicht ganz klar. Zu DDR-Zeiten wurde die höhere Sterblichkeit auf das jüngere Alter der Erstgebärenden und die höhere Geburtenzahl zurückgeführt. Inzwischen sollte der Einfluss abgenommen haben. Die bisherige Entwicklung der Sterblichkeit an Brustkrebs lässt dies allerdings nicht erkennen.  

Ungesündere Lebensweise in der DDR
Die höhere Sterblichkeit in der DDR wird mit der ungesünderen Lebensweise der Bevölkerung in Verbindung gebracht. In der DDR gab es deutlich mehr Adipöse, es wurde mehr geraucht (nur Männer) und Alkohol getrunken als im Westen und – trotz der Erfolge bei Olympischen Spielen – weniger Sport getrieben. Inzwischen haben sich die Unterschiede angeglichen.

Bei den Männern hat der Westen den Osten sogar überholt: Waren 1990/1992 noch 17,3 Prozent der 25- bis 69-Jährigen in den alten Bundesländern fettleibig, so sind es 2008/2011 bereits 24,6 Prozent. In den neuen Bundesländern stieg der Anteil „nur“ von 21,7 auf 23,9 Prozent. Bei den Frauen ist der Anteil der adipösen Erwachsenen von 26,8 auf 25,8 Prozent zurückgegangen, liegt aber weiter höher als im Westen, wo der Anteil on 19,5 auf 22,5 Prozent stieg.

Alkoholkonsum in Neuen Bundesländern weiterhin höher
Der Verbrauch alkoholischer Getränke war in der DDR auch im internationalen Vergleich relativ hoch. Auch heute gibt es noch Unterschiede zur ehemaligen BRD: In der Alters­gruppe der 40- bis 49-jährigen Männer zeigen im Osten 37,1 Prozent und im Westen 28,5 Prozent einen riskanten Alkoholkonsum. In der Altersgruppe 50 bis 59 Jahre sind es 38,9 gegenüber 27,8 Prozent. Auch bei den Teenagern ist der Alkoholkonsum im Osten noch höher als im Westen: Der Anteil der 12- bis 17-jährigen Jungen, die schon einmal Alkohol konsumiert haben lag zuletzt im Osten bei 73,3 und im Westen bei 66,7 Prozent. In beiden Teilen des Landes sind die Zahlen aber rückläufig.

© rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Nachrichten zum Thema

11.04.16
Internisten setzen Innovationen demografischem Wandel entgegen
Mannheim – Den medizinischen Fortschritt der zunehmenden Alterung der Gesellschaft entgegenstellen will die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). „Ältere, multimorbide Patienten haben......
25.02.16
Hausarztdichte senkt vorzeitige Sterblichkeit in der Bevölkerung
Leicester – In Regionen mit einer hohen Hausarztdichte kommt es zu weniger vorzeitigen Todesfällen, was eine Querschnittstudie aus England in BMJ Open (2016;6: e009981) auf eine bessere Versorgung von......
26.01.16
Berlin – Erstmals seit der Wende zogen im Jahr 2013 mehr Menschen in die ostdeutschen Bundesländer (ohne Berlin), als aus ihnen abwanderten. Das geht aus der Studie „Im Osten auf Wanderschaft“ des......
26.01.16
„Dünn besiedelte Regionen werden in Ost und West zunehmen“
Berlin – „Wir haben in Deutschland nicht nur einen demografischen, sondern einen geo-demografischen Wandel. Das bedeutet, der Wandel vollzieht sich in verschiedenen Gebieten unterschiedlich schnell.“......
28.09.15
Genf – Die Gesundheitsversorgung für einen Großteil der Menschen über 65 Jahren ist weltweit mangelhaft. Mehr als 300 Millionen Menschen dieser Altersgruppe hätten keinen Zugang zu einer angemessenen......
27.08.15
Menschen leben länger und in besserer Gesundheit
Seattle - Die Lebenserwartung der Menschen ist seit 1990 um mehr als sechs Jahre gestiegen, gleichzeitig ist der Anteil der durch Krankheit oder Tod verlorenen Jahre (DALY) gesunken. Dies geht aus......
18.08.15
Müttersterblichkeit in ärmsten Staaten um Vielfaches höher
Hannover – Frauen in den ärmsten Ländern tragen ein 25 Mal so hohes Risiko, infolge von Schwangerschaft und Geburt zu sterben, als solche in Industriestaaten. Das Sterberisiko von Säuglingen ist 13......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige