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Wissenschaftler regulieren Gleichgewicht von Immunzellen

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Braunschweig/Hannover – Einen neuen Weg, das Gleichgewicht zwischen Immunzellen zu beeinflussen, haben Wissenschaftler des Forschungszentrums Twincore, des Helm­holtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gefunden. Die Arbeitsgruppe hat ihre Ergebnisse in Nature Medicine veröffentlicht (doi 10.1038/nm.3704).

„Wir untersuchen besonders die Rolle verschiedener T-Helferzellen – sowohl der pro-entzündlichen Th17-Helferzellen als auch der hemmenden regulatorischen T-Helferzellen, kurz Tregs“, sagte Matthias Lochner, Projektleiter am Institut für Infektionsimmunologie des Twincore.

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Diese Zellen sind direkte Gegenspieler und vermitteln das wichtige Gleichgewicht zwischen einer nötigen Immunabwehr und dem Schutz vor einer Überreaktion des Immunsystems. Hintergrund ist, dass eine gestörte Balance zu chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder Autoimmunerkrankungen wie multiple Sklerose führen könne.

„Einer unserer Ansätze ist, in den Energiestoffwechsel der Immunzellen einzugreifen, denn die verschiedenen T-Zellen weisen deutliche Unterschiede in ihrem Zellstoffwechsel auf“, sagte Luciana Berod, gemeinsam mit Christin Friedrich eine der Hauptautorinnen der Studie. Die Idee war: Mit dem Molekül Soraphen A, das Forscher des HZI aus Myxobakterien gewonnen haben, können sie in den Energiestoffwechsel der T-Zellen eingreifen und so die Entwicklung von Tregs an Stelle der entzündlichen Th17-Zellen fördern. Die Fettsäuresynthese spiele eine zentrale Rolle bei der Entstehung der entzündlichen Th17-Helferzellen. Für die Bildung der Tregs hingegen sei dieser Stoffwechselweg nicht entscheidend.

Am Helmholz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS), einer Außenstelle des HZI, haben Pharmazeuten die chemische Struktur des Moleküls Soraphen A verändert. „Wir haben ein besser wasserlösliches Derivat hergestellt“, sagte Rolf Müller, Leiter der Abteilung Mikrobielle Naturstoffe am HIPS. „Erst durch diese Modifikation ist es möglich, diese Substanz als Wirkstoff im Organismus einzusetzen – in diesem Fall Mäusen zu verabreichen, die an multipler Sklerose erkrankt sind.“

Die Wissenschaftler konnten beobachten, dass die mit Soraphen A behandelten Tiere deutlich weniger Krankheitsanzeichen entwickelten als unbehandelte Tiere. „Eine wichtige Erkenntnis ist für uns außerdem, dass Soraphen A den gleichen Effekt auf die Entwicklung menschlicher T-Zellen hat“, sagte Tim Sparwasser, Leiter des Instituts für Infektionsimmunologie am Twincore. Die Forscher hoffen, über den Eingriff in den Fettstoffwechsel einen neuen Weg gefunden zu haben, auch andere Immunkrankheiten behandeln zu können. © hil/aerzteblatt.de

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