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Antibiotika: Antibiotic-Steward­ship ohne nachhaltige Wirkung

Dienstag, 14. Oktober 2014

Philadelphia – Ein Antibiotic-Stewardship (ABS), ein spezielles Trainingsprogramm für Ärzte, gilt als viel versprechendes Mittel, um den unnötigen Antibiotikaverbrauch von Ärzten zu senken. Die Nachbeobachtung eines Pilotprojekts im US-amerikanischen Ärzteblatt JAMA (2014; doi: 10.1001/jama.2014.14042) zeigt jedoch, dass die Wirkung nicht über das Ende des Projekts Bestand hatte.

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In einer vielbeachteten Studie hatten Jeffrey Gerber vom Children’s Hospital of Philadelphia und Mitarbeiter amerikanische Kinderärzte auf ein Antibiotic Stewardship (ABS) oder eine Kontrollgruppe randomisiert. Das ABS bestand zunächst aus einem einstündigen Besuch in der Praxis, in denen Gerber den Ärzten die rationale Antibiotikaverordnung nahelegte. Es folgten personalisierte Audits und Feedbacks, in denen die Ärzte ihre Verordnungszahlen mit denen ihrer Kollegen (als Gesamtheit) vergleichen konnten.

Das Programm zeigte zunächst Wirkung. Wie Gerber im letzten Jahr in JAMA (2013; 309: 2345-2352) berichtete, halbierte sich die Verordnung von Breitbandantibiotika von 26,8 auf 14,3 Prozent aller akuten Atemwegsinfektionen. In der Kontrollgruppe, in der nur das Verordnungsverhalten überwacht wurde, kam es nur zu einem Rückgang von 28,4 auf 22,6 Prozent.

Nach dem Abschluss des Programms fielen die Ärzte jedoch bald in ihre alten Gewohnheiten zurück. Innerhalb von 18 Monaten stieg der Anteil der Antibiotika-Verordnungen im früheren Interventionsarm auf 27,9 Prozent. In der Kontrollgruppe verordneten die Kinderärzte bei akuten Atemwegsinfektionen zu 30,2 Prozent Breitbandantibiotika.

Dieser Rückfall zeigt für Gerber, dass das ABS als vorübergehende Maßnahme keine nachhaltige Wirkung erzielt und die „Audits“ der Pädiater deshalb fortgesetzt werden sollten.

© rme/aerzteblatt.de

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