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Ebola: Screening an den Grenzen teuer, aber wirkungslos

Dienstag, 14. Oktober 2014

Stockholm – Zu den vorbeugenden Maßnahmen gegen eine Ausbreitung von Ebola gehört das Screening von Reisenden an den Grenzen. Die Erfahrungen der SARS-Epidemie zeigen jedoch, dass die Chancen, Verdachtsfälle zu erkennen sehr gering sind, wie Mitarbeiter des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) in einem Report schreiben.

Die Weltgesundheitsorganisation hatte in einem Public Health Event of International Concern am 8. August Sierra Leone, Guinea und Liberia aufgefordert, alle Reisende, die die Länder auf dem Luft-, Wasser- und Landweg verlassen, auf Ebola zu screenen. Bislang sollen 36.000 Personen überprüft worden sein. Nach Informationen der US-Cen­ters for Disease Control and Prevention wurden 77 Personen am Verlassen des Landes gehindert.

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In keinem Fall hat sich der Verdachtsfall bestätigt, während der Patient, der später an einer Klinik in Dallas starb, durch das Netz schlüpfte. Er war bei Verlassen des Landes fieberfrei und soll die Grenzbehörden zu Kontakten belogen haben. Der positive Vorhersagewert des Screenings liegt damit bei 0 Prozent und der negative Vorher­sagewert bei 100 Prozent. Schlechter kann ein medizinisches Testergebnis nicht ausfallen.

Drei Länder haben in der letzten Woche ein Entry-Screening beschlossen. Die USA führen Kontrollen an fünf Flughäfen durch, über die 94 Prozent der Passagiere aus den drei betroffenen Ländern erwartet werden. Kanada prüft ebenfalls Einreisende, Groß­britannien will in dieser Woche an den Flughäfen Heathrow und Gatwick sowie am Eurostar-Bahnhof mit Kontrollen beginnen.

Während der SARS-Epidemie hat sich ein ähnliches Screening als wirkungslos erwiesen. In Australien wurden 2002 über in zweieinhalb Monaten 1,84 Millionen Passagiere an Flughäfen gecheckt. Sie wurden nach Kontakten und Reisen in von SARS-betroffene Regionen befragt. Bei einer positiven Anamnese wurde von einer Krankenschwester Fieber gemessen. Insgesamt vier Personen wurden entdeckt. Bei keinem bestätigte sich später der Verdacht.

Nach einer späteren Studie im Medical Journal of Australia (MJA 2004; 180: 220-223) wurden 25 Personen, die bei der Ankunft symptomatisch waren, beim Screening übersehen, darunter einer, bei dem später eine wahrscheinliche Erkrankung diagnostiziert wurde (der aber keine weiteren Personen infizierte).

In Kanada wurden 2002 über fünf Monate 6,5 Millionen Fluggäste „visuell gescreent“. Insgesamt 9.100 Passagiere wurden herausgewunken und von einer Krankenschwester oder einem Arzt untersucht. In einem „thermal scanner“ Projekt wurden am Flughafen Toronto und teilweise auch in Vancouver 2,4 Millionen Passagiere überprüft. Nur 832 Personen wurden als verdächtig eingestuft, keiner litt unter SARS. Hongkong screente im Jahr 2002 insgesamt 35,6 Million Personen und entdeckte zwei Patienten mit SARS. In Singapur wurde unter 0,4 Million gescreenten Passagieren kein SARS-Fall entdeckt.

Nach Einschätzung der ECDC hat sich das Screening von Fluggästen in der Vergan­genheit nicht als effektiv erwiesen. Es habe die Ausbreitung von Infektionskrankheiten weder verhindert noch verlangsamt, schreiben die Autoren des Reports. Selbst eine Kontrolle der Körpertemperatur bei allen Gästen könnte die Ausbreitung nicht verhin­dern.

Die berührungsfreie Messung mit Infrarot-Thermometern sei zwar technisch ausgereift. Die Sensitivität betrage aber nur 80 bis 99 Prozent. Das bedeute, dass bis zu 20 Prozent aller Patienten mit Fieber nicht erkannt würden. Aufgrund einer Spezifität von 75 bis 99 Prozent sei mit einer hohen Zahl von Nachuntersuchungen zu rechnen.

Hinzu kommt, dass zwei Drittel aller Infektionen mit der Temperaturmessung nicht erkannt werden können, da sich die Patienten in der Inkubationsphase der Erkrankung befinden und noch kein Fieber entwickelt haben. Die Inkubationsphase ist laut ECDC bei Ebola mit im Mittel 11 Tagen sogar länger als bei SARS, wo das Fieber nach 2 bis 7 Tagen ausbrach.

Das Screening an den Grenzen ist kostspielig. Kanada schätzt die Kosten für vier Monate Kontrollen an den Flughäfen auf 7,55 Millionen kanadische Dollar.

© rme/aerzteblatt.de

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