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Ovarialkarzinom: ADNEX verbessert präoperative Diagnose

Donnerstag, 16. Oktober 2014

Löwen – Ein neuer Kalkulator aus drei klinischen und sechs Ultraschallmerkmalen hat in einer prospektiven Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2014; 349: g5920) die präo­perative Unterscheidung zwischen gutartigen Zysten und Malignomen des Ovars verbessert.

Die meisten Ovarialzysten sind gutartig, doch eine präoperative Diagnostik, die ein Malignom zuverlässig ausschließen kann, existiert derzeit nicht. Der 1990 aufgestellte „risk of malignancy index“ (RMI) hat kürzlich in einer Untersuchung der IOTA-Gruppe (International Ovarian Tumor Analysis) nur eine Sensitivität von 67,1 Prozent und eine Spezifität von 90,6 Prozent (AUC 0,88) erreicht. Der RMI berücksichtigt neben dem CA125-Wert und dem menopausalen Status nur rudimentäre Angaben zur Ultraschall­untersuchung, die sich in den letzten 25 Jahren deutlich weiterentwickelt hat.

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Viele Ultraschall-Untersucher sind sich inzwischen sicher, präoperativ zwischen einer benignen Zyste und einem Malignom unterscheiden zu können, und die IOTA-Gruppe, die 1999 von drei Medizinern (Dirk Timmerman, KU Leuven, Tom Bourne, Imperial College London und Lil Valentin, Universität Lund) gegründet wurde, möchte hierzu einen Standard formulieren. Die Frucht der Anstrengungen ist ADNEX (Assessment of Different NEoplasias in the adneXa).

Das Modell wurde auf der Basis der Ultraschalluntersuchungen von 3.506 Patientinnen ermittelt und später zunächst an 2.403 Patienten validiert. Anschließend erfolgte eine dritte Prüfung an der Gesamtgruppe. ADNEX stellt drei klinische Fragen (Alter der Patientin, CA-125 und Art der Klinik – onkologisches Zentrum oder anderes Krankenhaus) und erfordert die Eingabe von sechs sonographischen Variabeln.

Dies sind der maximale Durchmesser der Läsion, der Anteil des soliden Gewebes, die Anwesenheit von mehr als zehn zystischen Lobuli, die Zahl der papillären Projektionen, die Anwesenheit von akustischen Schatten und die Anwesenheit eines Ascites.

Wie Ben van Calster von der KU Leuwen und Mitarbeiter jetzt berichten, erzielte ADNEX in der Validierung eine Sensitivität von 96,5 Prozent und eine Spezifität von 71,3 Prozent (AUC 0,94; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,93-0,95). ADNEX unterschied nicht nur zwischen gutartigen und bösartigen Veränderungen. Auch die Abgrenzung zu den einzelnen Diagnosen war gut mit einer AUC von 0,85 zu Borderline-Läsionen, von 0,92 zu Karzinomen im Stadium I von 0,99 zu Karzinomen in den Stadien II-IV und von 0,95 zu Metastasen anderer Karzinome.

Trotz der exzellenten Ergebnisse vertritt van Calster nicht die Ansicht, dass ein gutartiger Befund im ADNEX zum Verzicht auf eine Operation berechtigt. Er könnte sich allerdings dazu eignen, Patienten mit hohem Karzinomverdacht an Zentren zu überweisen, die sich auf die Karzinomchirurgie spezialisiert haben, während die gutartigen Zysten weiterhin an kleineren Krankenhäusern operiert werden könnten. Die Gruppe hält ADNEX für ausgereift. Sie hat sogar ein App für Smartphones entwickelt, das auf der Homepage heruntergeladen werden kann.-

Im Prinzip könnte ADNEX auch zur Vorsorgeuntersuchung verwendet werden. Die Daten der Studie können den Nutzen allerdings nicht belegen, da es sich bei allen Teilnehmerinnen um Frauen handelte, bei denen bereits ein klinischer Verdacht bestand. Zu berücksichtigen ist auch, dass die Untersuchungen in der Studie von Ärzten mit einer hohen Expertise in der Ultraschalldiagnostik durchgeführt wurden. Die Frage des Ovarialkrebs-Screenings mit Ultraschall und CA125 ist derzeit Gegenstand der UKCTOCS-Studie (United Kingdom Collaborative Trial on Ovarian Cancer Screening).

© rme/aerzteblatt.de

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