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GKV-Spitzenverband: Zügig mit qualitäts­orientierter Vergütung beginnen

Freitag, 17. Oktober 2014

Berlin – Der GKV-Spitzenverband hat sich dafür ausgesprochen, die von der Bundesregierung vorgesehene qualitätsorientierte Vergütung zügig einzuführen. Das geht aus dem Positionspapier „Qualitätsorientierte Versorgungssteuerung und Vergütung“ hervor, das der Verwaltungsrat des Verbandes im September beschlossen hat und das heute der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Zur Qualitätsverbesserung werde es nicht genügen, strukturelle Mindestvoraussetzungen für die Krankenhäuser zu definieren, heißt es darin. Damit sich gute Qualität durchsetze, solle auch die Ergebnisqualität berücksichtigt werden.

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Die Messung der Qualität einer medizinischen Leistung sei jedoch alles andere als einfach, befand die Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Doris Pfeiffer, heute vor Journalisten in Berlin. Wenn beispielsweise eine Klinik überdurchschnittlich gut sei, würden viele besonders schwere Erkrankte zu ihr kommen. „Deshalb könnte es passieren, dass die Erfolgsquote der Behandlungen sinkt. Deshalb ist eine Risikoadjustierung notwendig“, so Pfeiffer. Auch das sei aber nicht immer einfach. Dass die Aufgabe schwierig sei, die Qualität medizinischer Leistungen zu messen, dürfe jedoch nicht dazu führen, dass sie nicht angegangen werde.

Nicht auf das neue Qualitätsinstitut warten
Pfeiffer forderte einen Katalog von klar umgrenzten medizinischen Eingriffen, um das System einer qualitätsorientierten Vergütung schrittweise einzuführen und Erfahrungen damit zu sammeln. Damit dürfe man jedoch nicht warten, bis das neue Qualitätsinstitut Indikatoren zur Qualitätsmessung erarbeitet habe. Denn dies könne fünf Jahre in Anspruch nehmen, heißt es in dem Positionspapier. Der GKV-Spitzenverband schlägt deshalb vor, auf bereits entwickelte Qualitätsindikatoren der externen stationären Qualitätssicherung zurückzugreifen, zum Beispiel für die Erstimplantation von Hüft-Endoprothesen.

Pay for Performance: Umsetzung noch in weiter Ferne

Union und SPD wollen gute Krankenhäuser künftig besser bezahlen als schlechte. Dafür müssen Instrumente gefunden werden, mit denen gute Qualität sicher gemessen werden kann. Doch ist das überhaupt möglich?

Um die Krankenhäuser für Patienten vergleichbar zu machen, sollten für diese Indikationen bestimmte Parameter zu einem „Score“ zusammengeführt werden, der bei den Hüft-Endoprothesen unter anderem die Bereiche Indikationsstellung, Beweglichkeit, Reoperation und Letalität umfassen könnte.

Mindestanforderungen an Struktur- und Prozessqualität

Zusätzlich zur Ergebnisqualität müssten auch Mindestanforderungen an Struktur- und Prozessqualität gestellt werden, fordert der Kassenverband. Würden diese nicht eingehalten, dürften die Krankenhäuser ihre Leistungen nicht mehr abrechnen. Bernhard Egger, Leiter der Abteilung Medizin beim GKV-Spitzenverband, nannte das Beispiel der kathetergestützten Aortenklappentransplantation (TAVI). Dies sei ein Eingriff, der zu schweren Komplikationen führen könne. Deshalb sei es wissenschaftlicher Konsens, dass nur Krankenhäuser TAVI vornehmen, die eine kardiologische und herzchirurgische Fachabteilung im Haus haben. „In Deutschland führen aber 17 Krankenhäuser nach wie vor TAVI an etwa 400 Patienten im Jahr durch, die diese Fachabteilungen nicht haben“, kritisierte Egger. Eine Mindestanforderung in diesem Bereich wäre demnach, dass nur noch Krankenhäuser mit kardiologischen und herzchirurgischen Fachabteilungen TAVI durchführen und abrechnen können.

Umverteilung „von den schlechteren zu den besseren“
Union und SPD hatten in ihrem Koalitionsvertrag angekündigt, bei Krankenhäusern, die unterdurchschnittliche Qualität erbringen, die Mehrleistungsabschläge zu erhöhen. „Das kann sich nicht nur auf Mehrleistungsabschläge beziehen“, meinte der Leiter der Abteilung Krankenhaus beim GKV-Spitzenverband, Wulf-Dietrich Leber, „sondern es muss sich auf sämtliche erbrachten Leistungen beziehen.“ Zudem betonte er, dass die Krankenkassen nicht an schlechter Qualität verdienen, sondern stattdessen eine Umverteilung der Mittel organisieren wollten: „von den schlechteren zu den besseren, eine Art Exzellenzzuschlag.“ © fos/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Freitag, 17. Oktober 2014, 16:54

Vorsicht mit der Abkürzung "P-4-P"...

wie im Deutschen Ärzteblatt auf der Titelseite mit "Pay for Performance" geschehen:
Dtsch Arztebl 2014; 111(40): A-1672 / B-1444 / C-1376
Das englische verb "to pee" bedeutet nichts anderes als "pinkeln" und passt in diesem Zusammenhang nicht wirklich. Also sollte man sich mit „P for P“ nicht öffentlich blamieren, wenn andere des Englischen mächtig sind.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
isnydoc
am Freitag, 17. Oktober 2014, 15:32

Wenn ein "Durchschnitt" gebildet wird

dann wird es immer Abweichungen nach unten und oben geben - das ist dem mathematischen Durchschnitt eben so eigen ... und wenn dann "unterdurchschnittliches" wegfallen soll, dann wird die Latte "Durchschnitt" nach oben verschoben, damit wieder vom "Durchschnitt" gesprochen werden kann. Aber unsere Spitzen, die solche Sachen beschliessen, liefern stets "überdurchschnittlich" - wer wollte das etwa anzweifeln!

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