Medizin

Studie: Blutkrebs-Mutationen im Alter deutlich häufiger

Montag, 20. Oktober 2014

St. Louis – Mit zunehmendem Alter steigt in menschlichen Zellen die Zahl der Genfehler, die eine Krebserkrankung auslösen können. Nach einer Studie in Nature Medicine (2014; doi: 10.1038/nm.3733) haben 5 Prozent aller über 70-Jährigen Mutationen in ihren Blutzellen, die eine Leukämie oder ein Lymphom auslösen könnten. Die wenigsten von ihnen erkranken aber tatsächlich.

Die Untersuchung basiert auf 2.728 Teilnehmern des Cancer Genome Atlas (TCGA). Bei allen war ein Krebs diagnostiziert worden. Es handelte sich jedoch jeweils um solide Tumoren und keine hämatopoetischen Malignome. Keiner hatte bisher eine Radio- oder Chemotherapie erhalten, so dass die Personen als einigermaßen repräsentativ für die Bevölkerung angesehen werden können (abgesehen von der Tatsache, dass viele solide Tumore eine genetische Komponente haben, die sich auch in einer erhöhten Mutations­rate im Blut zeigen dürfte).

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Im Rahmen des TCGA wurde auch das Blut der Teilnehmer untersucht. Dabei wurden 556 bekannte Krebsgene analysiert. Wie das Team um Li Ding vom Genome Institute der Washington University in St. Louis berichtet, stieg die Inzidenz der Genfehler im Alter an. In der Altersgruppe zwischen 40 bis 49 Jahren hatten noch weniger als ein Prozent Muta­tionen in 19 Leukämie- oder Lymphom-assoziierten Genen. Danach stieg die Häufigkeit deutlich an. Im Alter von 70 bis 79 Jahren hatten mehr als 5 Prozent und im Alter von 80 bis 89 Jahren sogar mehr als 6 Prozent Mutationen im Blut, die Ausgangspunkt einer Leukämie oder eines Lymphoms werden können.

Die Forscher stellten fest, dass neun der 19 Gene bei den Teilnehmern mehrfach mutiert waren. Bei einigen fanden sie auch eine klonale Expansion, die den Beginn einer Leukämie oder eines Lymphoms anzeigen, ohne dass sich voraussagen lässt, ob die Erkrankung weiter fortschreitet. Da die beiden Erkrankungen im Alter selten sind, werden die betroffenen Teilnehmer wohl an anderen Krankheiten (in diesem Fall an den soliden Tumoren) sterben, vermutete Ding.

Die Studie verdeutlicht aber, dass die genetische Anfälligkeit im Alter zunimmt. Dabei wird laut Ding die Häufigkeit der Mutationen wahrscheinlich weit unterschätzt haben. Schließ­lich habe sie das Blut nur auf eine Auswahl von Krebsgenen hin untersucht, und neben den Punktmutationen könnten auch chromosomale Strukturvariationen sowie Insertionen und Deletionen ein Krebswachstum anstoßen. © rme/aerzteblatt.de

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