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Krankenhausplanung: Erreichbarkeit und Qualität stärker berücksichtigen

Dienstag, 21. Oktober 2014

Berlin – Die Ersatzkassen fordern eine umfassende Reform der Krankenhausstrukturen in Deutschland. „Qualität und Erreichbarkeit von Krankenhäusern müssen im Mittelpunkt einer Krankenhausplanung der Zukunft stehen“, sagte Ulrike Elsner, Vorstandsvor­sitzende des Verbandes der Ersatzkassen (vdek), heute in Berlin. Sie verwies darauf, dass im Jahr 2012 rund 18,5 Millionen Krankenhausfälle zu verzeichnen waren. Die Ausgaben für die stationäre Versorgung lagen bei knapp 65 Milliarden Euro. „Wenn wir schon so viel Geld ausgeben, müssen wir uns auch fragen, ob es richtig eingesetzt ist“, betonte Elsner. Man müsse bereits heute „antizipieren, welche Versorgung eine Gesellschaft des demografischen Wandels braucht.“

Zu hohe Krankenhausdichte, zu wenig Spezialisierung
Die vdek-Vorstandsvorsitzende verwies auf Vorschläge in einem Gutachten mit dem Titel „Krankenhausplanung 2.0“, das der Verband beim Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Auftrag gegeben hat. Der Leiter des dortigen Kompetenz­bereichs Gesundheit, Boris Augurzky, erklärte bei der Präsentation der Ergebnisse: „Die Probleme, die wir heute in den Krankenhäusern haben, sind die Folge der historisch gewachsenen länderbezogenen Krankenhauslandschaft und deren Fortschreibung: Zu viele kleine Einheiten, eine zu hohe Krankenhausdichte, zu wenig Spezialisierungen, eine zu geringe Qualitätsorientierung.“

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Um dauerhaft mehr Qualität und ein gleiches Versorgungsniveau von Schleswig-Holstein bis Bayern zu erreichen, müsste es nach Auffassung des vdek und des RWI bundesweit einheitliche Qualitäts- und Erreichbarkeitsstandards geben. Diese sollten verbindlich für die Krankenhausplanung und für Budgetverhandlungen der Krankenkassen mit den Krankenhäusern in den Ländern gelten. Notwendig seien auch einheitliche Kriterien für die Definition von Versorgungsebenen und deren Erreichbarkeit. So sollten Kliniken der Grund- und Regelversorgung innerhalb von 30 PKW-Minuten erreichbar sein. Bei Schwer­punkt- und Maximalversorgern sei hingegen Qualität wichtiger als Erreichbarkeit. Daher genüge hier die Erreichbarkeit innerhalb von etwa 60 PKW-Minuten.

Krankenhäuser sind in Deutschland noch sehr gut zu erreichen
Legt man diese Maßstäbe an, zeigt sich, dass fast überall im Land die Krankenhäuser noch sehr gut zu erreichen sind. Nach den Auswertungen des RWI finden 99,6 Prozent der Bevölkerung innerhalb von 30 PKW-Minuten ein entsprechendes Krankenhaus der Grundversorgung. Häuser der Schwerpunkt- und Maximalversorgung erreichen 96,3 Prozent innerhalb von 60 Minuten. Augurzky kommt zu dem Schluss, dass sich an diesem guten Ergebnis auch dann nichts ändern würde, wenn man 300 Häuser im Bereich der Grundversorgung schließen würde, also etwa 15 Prozent der Kliniken in dieser Kategorie. Das damit eingesparte Geld ließe sich in Regionen einsetzen, in denen Krankenhäuser nicht schnell genug erreichbar sind. 

Nach Auffassung des RWI muss eine neue Krankenhausplanung zudem die Notfälle in Krankenhäusern stärker in den Blick nehmen. Schließlich seien rund 40 Prozent aller Krankenhausfälle Notfälle, betonte Augurzky. Im Gutachten wird vorgeschlagen, verbind­liche Strukturanforderungen für Krankenhäuser vorzusehen, die an der Notfall­ver­sorgung teilnehmen. Die Zuständigkeiten von ambulantem Bereitschaftsdienst, Rettungsdienst und Notfallaufnahmen in Kliniken müsse man klar regeln und diese Bereiche verzahnen. Zudem solle man die Vorhaltekosten der Notfallversorgung gege­benenfalls durch Sicherstellungszuschläge finanzieren und Notfallleistungen durch eine Zusatzkennzeichnung in der DRG-Kodierung klar abgrenzen.

Notfallversorgung besser in der Planung berücksichtigen
Die heutige Krankenhausplanung beziehe die angemessene Notfallversorgung nur unzureichend ein, monierte Christoph Dodt, Präsident der Deutschen Gesellschaft Notfall- und Akutmedizin. Um rasch eine spezifische Notfalltherapie einzuleiten, muss es seiner Auffassung nach klare Strukturvorgaben für die Organisation und die Ausstattung der Notfallversorgung in einem Krankenhaus geben. Derzeit seien nur maximal 75 Pro­zent der Notfallaufnahmen gut aufgestellt. Seine Gesellschaft habe bereits mehrere Vorgabenraster entwickelt, beispielsweise zur Notfallbehandlung bei akutem Bauch­schmerz.

Bereitschaftsdienstpraxen an Krankenhäusern, in denen niedergelassene Ärzte Patienten außerhalb der Praxissprechstunden versorgen, sind nach Dodts Einschätzung ein guter Ansatz der Verzahnung. Solche Praxen hätten eine „wichtige Funktion“. Sie müssten sich aber eng mit den Notfallaufnahmen abstimmen, weil nur eine Versorgung aus einem Guß sinnvoll sei. © Rie/aerzteblatt.de

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