Medizin

Genvariante schützt Frauen aus Lateinamerika vor Brustkrebs

Dienstag, 21. Oktober 2014

San Francisco – Eine Punktmutation in einem Gen, das in den Stoffwechsel von Östrogen eingreift, könnte – wenigstens teilweise – erklären, warum Amerikanerinnen lateinamerikanischer Herkunft („Latinas“) seltener an Brustkrebs erkranken. Die Ergebnisse der genomweiten Assoziationsstudie (GWAS) wurden jetzt in Nature Communications (2014; doi: 10.1038/ncomms6260) veröffentlicht.

Während 13 Prozent der Amerikanerinnen europäischer Herkunft im Verlauf ihres Lebens an einem Mammakarzinom erkranken, liegt die Lebenszeitprävalenz bei Latinas bei unter 10 Prozent. Eine unterschiedliche Ernährung kommt vermutlich als Erklärung nicht infrage, so dass ein Team um Elad Ziv sich in einer GWAS auf die Suche nach einer genetischen Erklärung machte.

Anzeige

Der Vergleich von 3.140 Frauen mit Mammakarzinom und 8.184 gesunden Kontrollen führte sie zu einer Genvariante (SNP) auf dem Chromosom 6, die mit einem um 40 Prozent verminderten Brustkrebsrisiko assoziiert war (Odds Ratio 0,60; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,53-0,67).

Die SNP, deren Herkunft sie bei der indigenen Bevölkerung in Amerika vermuten, befindet sich in der Nähe von ERS1, einem der beiden Gene für den Östrogen-Rezeptor. Östrogen ist bekanntlich ein Wachstumshormon für das Mammakarzinom. Wie genau die Variante das Brustkrebsrisiko beeinflusst, ist unklar. Merkwürdigerweise war der protektive Faktor auf das Rezeptor-negative Mammakarzinom (Odds Ratio 0,34: 0,21-0,54) größer als beim Rezeptor-positiven Mammakarzinom (Odds Ratio 0,63; 0,49-0,80).

Die Varianten dürften einen deutlichen Einfluss auf die ethnische Komponente des Brustkrebsrisikos haben, da etwa 20 Prozent der in den USA lebenden Latinas heterozygot und 1 Prozent sogar homozygot auf das Merkmal waren. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Nachrichten zum Thema

27.05.16
Vancouver – Angeborene Stoffwechselstörungen führen bei Kindern häufig zu einer geistigen Behinderung. Eine Erbgut-Analyse, die alle Protein-kodierenden Abschnitte des Genoms (Exom) umfasste, hat an......
22.05.16
Bethesda – Danazol, ein früher zur Behandlung der Endometriose eingesetztes Testosteron-Derivat, hat in einer Phase 1/2-Studie im New England Journal of Medicine (2016; 374: 1922-1931) die Telomere......
19.05.16
Brüssel – Sechs Wochen vor Ablauf der Zulassung für den Unkrautvernichter Glyphosat haben sich die EU-Staaten nicht auf eine gemeinsame Position einigen können. Damit ist weiterhin offen, ob das......
18.05.16
Mädchen, die viel Obst essen, erkranken später seltener an Brustkrebs
Boston – Jugendliche Mädchen, die wenigstens drei Portionen Obst täglich essen, können ihr späteres Brustkrebsrisiko um bis zu 25 Prozent senken. Epidemiologen an der Harvard School of Public Health......
04.05.16
Berlin – Nach Lieferengpässen in den Jahren 2014 und 2015 ist das Krebsmedikament Melphalan (Alkeran) seit Mitte April wieder nicht in ausreichender Menge verfügbar. „Medikamente, die nicht mehr dem......
28.04.16
München – Um die Invasion von Brustkrebszellen in umliegendes Gewebe zu stoppen, haben Krebsforscher vom Helmholtz Zentrum München versucht, diesen Prozess mit einem Inhibitor aufzuhalten. Passiert......
23.04.16
Anthrazykline und Aromatasehemmer: Studien bestätigen Sicherheit von Brustkrebs­medikamenten
Los Angeles/Pasadena – Anthrazykline und Aromatasehemmer, zwei häufig in der adjuvanten Brustkrebstherapie eingesetzte Wirkstoffgruppen, haben geringere Auswirkungen auf die langfristige Gesundheit......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige