Politik

Kammer Westfalen-Lippe bekräftigt Ablehnung von Sterbehilfe

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Münster – Ärzte, die katholische Kirche und Teile der Politik haben sich erneut gegen eine ärztliche Sterbehilfe ausgesprochen. „Jeder Arzt ist ein Sterbebegleiter bis zum letzten Atemzug seines Patienten, kein Sterbehelfer“, sagte der Präsident der Ärzte­kammer Westfalen-Lippe, Theodor Windhorst. Für ihn sei jegliche Mitwirkung im Bereich des Sterbens auf Verlangen für den Arzt ethisch unvertretbar. Das ärztliche Handeln diene in der besonderen Situation am Lebensende der würdevollen Linderung von Leiden im Sterbevorgang sowie dem Beistand Sterbender und ihrer Angehörigen. „Der Tod darf nicht in die Hände des Arztes gelegt werden. Wir dürfen vor allem die Patienten in ihrer Angst vor dem Tod nicht alleine lassen“, so Windhorst.

Die Rahmenbedingungen für ein würdevolles Sterben in den Pflegeeinrichtungen deutlich zu verbessern forderte Nordrhein-Westfalens (NRW) Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne). „Pflegeheime werden immer mehr zu Sterbeorten“, sagte sie gestern bei einem Treffen von Vertretern aus Pflegeeinrichtungen, Hospiz- und Palliativversorgung in Bochum. Schon jetzt würden 30 Prozent der Heimbewohner innerhalb der ersten drei Monate sterben, weitere 60 Prozent im ersten Jahr. Sie kündigte an, NRW wolle die Vernetzung von Pflegeeinrichtungen mit professionellen Teams aus der Schmerztherapie und ambulanten Hospizdiensten deutlich verbessern.

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Das sieht Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) ähnlich: „Wir müssen viel mehr Gewicht legen auf die Stärkung von Hospizen, die für Sterbende noch in den letzten Lebenstagen positive Erlebnisse schaffen können“, sagte sie heute im Interview mit der Oldenburger Nordwest-Zeitung. Eine zu starke Liberalisierung der Sterbehilfe würde den psychischen Druck auf Patienten erhöhen, warnte sie. Sterbende dürften nicht den Gedanken haben, jemandem zu sehr zur Last zu fallen. Rundt betonte: „Es kann ein volles Leben noch ganz am Ende geben“.

Vor der organisierten Beihilfe zum Suizid warnte der Freiburger katholische Erzbischof Stephan Burger: „Das gehört verboten. Das Sterben darf kein Geschäft werden. Da wird ein Druck auf Menschen aufgebaut“, sagte Burger heute in einem Interview des Offen­burger Tagblatts. Wichtig sei stattdessen, die Menschen zu begleiten und „den Tod bewusst anzunehmen“. Das sei ein seelischer Reifungsprozess, der durch Sterbehilfe vereitelt werde.

Der Bundestag will 2015 einen neuen Anlauf für eine gesetzliche Regelung der Sterbe­hilfe unternehmen. Sechs Abgeordnete um Bundestagsvizepräsident Peter Hintze (CDU) wollen Todkranken die Möglichkeit zur ärztlich assistierten Selbsttötung geben. Die Vorschläge für eine gesetzliche Regelung der Suizidbeihilfe sollen am 13. November im Bundestag erstmals diskutiert werden. © hil/aerzteblatt.de

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Mathilda
am Donnerstag, 23. Oktober 2014, 11:45

Jeder entscheidet für sich selbst!

Die Meinung von Herrn Gottschalk ist seine Meinung - trotzdem ist zu akzeptieren, dass andere eine andere Meinung zu dem Thema haben.
Mit der Äußerung der Kammer von WL und der bekannten Meinung des Herrn Montgomery ist allerdings zu bezweifeln, dass der o.g. Vorschlag des Herrn Hintze irgendeinen Sinn macht. Wenn ein Sterbewilliger erst verschiedenste Ärzte, vielleicht noch aus anderen Bundesländern, abklappern müsste, bis er einen "willigen" findet, dann kann man die Regelung des ärztlich begleiteten Suizids auch ganz lassen.
Ich verstehe die ganze Diskussion nicht: offenbar gibt es einen nicht geringe Zahl Menschen, die eine Suizidmöglichkeit möchte und es gibt Einzelpersonen bzw. Organisationen, die ihnen diese Möglichkeit bieten. Warum muss daran jetzt etwas geändert werden? Und wenn etwas geändert werden müsste, dann, diese Organistationen endlich zu legalisieren und ihnen einen rechtlichen Rahmen zu geben. Aber nur in dem Sinne, dass z.B. nicht nur eine Kontaktperson existieren darf und dass eine Mindestfrist zwischen Sterbewunsch und Suizid vergehen muss. Ansonsten ist das doch verdammt noch mal Entscheidung eines jeden Einzelnen! Und wenn die Ärzte sich hier nicht beteiligen wollen - wer braucht sie?
Senbuddy
am Donnerstag, 23. Oktober 2014, 10:48

Um sich mal von verbohrten Eiferern etwas zu lösen...

hier ein Zitat von vor zwei Tagen von Gabor Steingart (einer der Geschäftsführer des Handelsblattes):

"Bei der Talkrunde mit Günther Jauch lieferte Entertainer Thomas Gottschalk ein Plädoyer gegen den in Mode gekommenen Ruf nach "selbstbestimmtem Sterben". Selbst die Alterskrankheiten und damit die Befürchtung "im Alter nur noch wirres Zeug zu reden" könnten ihn nicht in den Selbstmord treiben: "Ich habe in meinem Leben schon so viel wirres Zeug geredet, dass es darauf auch nicht mehr ankommt." Sympathischer kann man nicht für das Leben plädieren."

Viele Grüße
S.
advokatus diaboli
am Mittwoch, 22. Oktober 2014, 17:42

„Ethische Inkonsistenz?“

Ja – was gilt denn nun, Herr Windhorst? Unter dem 16.10.14 konnte die Öffentlichkeit vernehmen, dass Westfalens Ärztepräsident die Sterbehilfe nicht ausschließt (vgl. dazu NW-News v. 16.10.14 >>> http://www.nw-news.de/owl/11277341_Aerztekammepraesident_Windhorst_haelt_Sterbehilfe_fuer_denkbar.html <<<).

Zitat: „Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, befürwortet diese Möglichkeit als letztes Mittel. "In ganz bestimmten Fällen, bei einer intensiven Arzt-Patient-Beziehung, kann der nächste Schritt nach der üblichen Schmerztherapie eine Erhöhung der Dosis sein - wohlwissend, dass diese zum Atemstillstand führen kann", so Windhorst.

Die Palliativmedizin greift üblicherweise auf Morphine, also starke Schmerzmittel, sowie Stimmungsaufheller zurück. Ihr oberstes Ziel ist, ein Minimum an Lebensqualität sowie Schmerzfreiheit zu erreichen. Gelingt ihr dies nicht, erfolgt eine Erhöhung der Dosis. "Ein Arzt muss an der Stelle das tun, was er ethisch verantworten kann", so Windhorst.“ (aaO.)
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