Hochschulen

Streit um Hygienemängel am Universitätsklinikum Mannheim

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Mannheim – Die Staatsanwaltschaft hat heute Krankenhausräume am Universitäts­klinikum Mannheim durchsucht. „Wenn wir Gerätschaften finden, die nicht den hygienischen Anforderungen entsprechen, werden wir die mitnehmen“, erläuterte ein Sprecher. Auch Unterlagen sollten sichergestellt werden. Es seien zudem Polizisten und Bedienstete des Regierungspräsidiums Karlsruhe vor Ort.

Anzeige

Hintergrund sind Hygienemängel im OP-Bereich. Das Regierungspräsidium Karlsruhe hatte nach einer Überprüfung gerügt, dass Reinigungsmaschinen für OP-Besteck zu lange nicht überprüft worden seien. Zudem fehlten Qualifizierungsnachweise für Mitarbeiter.

Der Skandal hat zu einem handfesten Streit zwischen der Fakultätsleitung und dem Mannheimer Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) als Aufsichtsratschef des Uniklinikums geführt. Ausgelöst hat diesen Streit ein offener Brief der Fakultät. Darin heißt es, die Hygienemängel entsprängen „dem Willen nach Kostensenkungen“. „Als Professoren, Funktionsträger und Studierende der Universität Heidelberg sehen wir den Ruf unserer Fakultät nicht nur regional in der Metropolregion sondern auch deutschlandweit inzwischen nachhaltig beschädigt“, schreibt die Fakultätsleitung.

Eine solche Beschädigung werde sich auf die Beurteilung der Qualität der wissen­schaftlichen Arbeit auswirken. Besonders fatal sei das Signal aber für die Außenwahr­nehmung der Qualität der humanmedizinischen Ausbildung. In dem Brief heißt es weiterhin, Kurz müsse an der Universitätsmedizin Mannheim eine Führungsstruktur ermöglichen, die die Einrichtung mit allen anderen Kliniken auf Augenhöhe bringe. Das Klinikum ist nach eigenen Angaben bundesweit das einzige in kommunaler Hand. Die Fakultät gehört zur Uni Heidelberg, die Krankenversorgung zur Stadt.

Kurz äußerte sich empört. Der offene Brief sei ein einmaliger Vorgang der Selbstge­fährdung der Mannheimer Fakultät, erklärte er. „Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Führung der Fakultät erscheint damit kaum mehr möglich“, so der Ober­bürgermeister.   

Das Klinikum teilte mit, die Zahl der OPs bis Ende der Woche auf 20 statt der üblichen 60 pro Tag zu reduzieren. Es betont, dass sämtliche Instrumente, die in die OP-Säle geliefert werden, einen validierten Aufbereitungsprozess durchlaufen haben.

© hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

2.610 News Hochschulen

Nachrichten zum Thema

20.07.16
Streit um Verbesserung der Krankenhaushygiene
Berlin – Um die Verbesserung der Hygiene im Krankenhaus streiten die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung. Dabei geht es um Maßnahmen im......
05.07.16
Neuer Schnelltest für Pyrogene
München – Forscher vom Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB haben einen Prototypen entwickelt, der schnell und günstig Lipopolysaccharide (LPS), Bestandteile......
01.07.16
Stuttgart/Berlin – Das Kompetenzzentrum Hygiene und Medizinprodukte der Kassenärztlichen Vereinigungen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung hat einen neuen Muster-Hygieneplan für......
29.06.16
Stuttgart – Kliniken in Baden-Württemberg haben im zweiten Halbjahr 2015 416 Patienten identifiziert, die Träger gramnegativer Erreger waren, die gegen alle vier klinisch relevanten Antibiotikagruppen......
28.06.16
Studie: Jede zweite ambulante Pflegekraft hat Kontakt mit multiresistenten Keimen
Berlin – Über die Hälfte aller ambulanten Pflegekräfte (57 Prozent) hat in den vergangenen zwölf Monaten Menschen versorgt, die mit einem multiresistenten Keim infiziert waren. Das geht aus einer......
10.06.16
Krankenhausinfek­tionen wirksam vorbeugen: Welche Rahmenbedingungen nötig sind
Wien – Wesentlich für den Erfolg in der Bekämpfung nosokomialer Infektionen sind die Überprüfung der eigenen Qualität und der Vergleich mit anderen Einheiten. Das unterstrichen mehrere Experten bei......
02.06.16
DKG empfiehlt Kliniken Initiative „Keine Keime“
Berlin – Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) empfiehlt den Kliniken in Deutschland, die Initiative „Keine Keime“ zu übernehmen. Die Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen hatte „Keine......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige