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DAK-Report: Ärzte verordnen zu häufig Antibiotika

Dienstag, 28. Oktober 2014

Köln – 30 Prozent aller Antibiotika-Verordnungen, die Versicherte der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) im vergangenen Jahr erhalten haben, waren potenziell unnötig. Das hat nach Angaben der Kasse eine anonymisierte Auswertung der Diagnosedaten der DAK-Versicherten ergeben. Vor allem bei Infektionen der oberen Atemwege und Bronchitis würden entgegen den Behandlungsleitlinien häufig Antibiotika verschrieben.

Das zeige, dass es noch keinen Bewusstseinswandel beim Einsatz von Antibiotika gebe, erklärte Ronald Meurer, Arzneimittelexperte bei der DAK. Dabei sind die Folgen  einer solchen Über- und Fehlversorgung nach Ansicht der Kasse dramatisch: Immer mehr Bakterien entwickelten Resistenzen, und Antibiotika drohten wirkungslos zu werden. Die Weltgesundheitsorganisation warne bereits vor einer „postantibiotischen Ära“, in der einfache Infektionen wieder zur tödlichen Gefahr würden, so die DAK.

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Die Krankenkasse hat heute in Berlin erstmals einen Antibiotika-Report vorgestellt, mit dem sie der Ausbreitung von Resistenzen entgegenwirken will. Der Report ist Teil einer Aufklärungskampagne, die sich an Ärzte und Patienten richtet. „Denn wenn Patienten Antibiotika richtig einnehmen, Ärzte die Medikamente restriktiver verordnen, Kliniken notwendige Hygienekonzepte umsetzen und in der Nutztierhaltung weniger Antibiotika eingesetzt werden, kommen wir der Problemlösung einen Schritt näher“, schreibt der DAK-Vorstandsvorsitzende Herbert Rebscher im Vorwort zum Antibiotika-Report. Grundlagen des Berichts bilden eine Auswertung von DAK-Verordnungs- und Diagnosedaten sowie eine repräsentative Befragung von 3.100 Menschen zu ihrem Umgang mit Antibiotika.

Deutliche Ost-West-Unterschiede bei den Verordnungen
Dem Report zufolge haben knapp 40 Prozent der DAK-Versicherten im vergangenen Jahr mindestens einmal Antibiotika verordnet bekommen. Nach einem Rückgang in den Jahren 2011 und 2012, in denen 38,5 beziehungsweise 37,7 Prozent der DAK-Versicherten Antibiotika-Rezepte erhielten, habe sich die Verordnungshäufigkeit 2013 wieder auf dem hohen Niveau von 2010 (39 Prozent) eingependelt. Dabei gebe es deutliche Ost-West-Unterschiede bei den Antibiotika-Verordnungen.

Während 2013 DAK-Versicherten im Saarland, in Rheinland-Pfalz und in Niedersachsen durchschnittlich sieben Tagesdosen Antibiotika verordnet wurden, seien es in Branden­burg nur 4,5 gewesen. Auch in Sachsen (4,8) und Mecklenburg-Vorpommern (5) hätten die Ärzte verhältnismäßig rational verordnet. Erklären kann die DAK die regionalen Unterschiede nicht. Das Zentralinstitut (ZI) für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland, das Mitte Oktober eine Analyse der Antibiotika-Verordnungen im ambulanten Bereich vorgelegt hatte, vermutet, dass sowohl die Erwartungshaltung der Patienten als auch die Einstellung der Ärzte zur Antibiotika-Therapie Einfluss auf die Verordnungsquoten haben.

Für bedenklich halten die DAK-Experten, dass die Versicherten der Generation 60 plus häufig Wirkstoffe verordnet bekommen, die als Reserveantibiotika gelten. So sei ein Viertel der Verschreibungen 2013 auf die Wirkstoffgruppe der Fluorchinolone entfallen. Ähnlich fiel das Urteil der Wissenschaftler des ZI aus. Sie hatten neben dem hohen Einsatz von Fluorchinolonen auch die steigenden Verschreibungszahlen bei Cepha­losporinen kritisiert. Beide Wirkstoffgruppen würden als Ursache für die Entstehung von multiresistenten Erregern insbesondere gram-negativer Bakterien gelten. Fluor­chonolone seien darüber hinaus einer der Hauptverursacher von schweren Clostridium difficile-Infektionen, so das ZI.

Häufigste Verordner sind die Hausärzte
Dem DAK-Report zufolge stammen fast zwei Drittel (62 Prozent) aller Antibiotika-Verordnungen von Hausärzten. Es folgen Kinderärzte (sechs Prozent), Hals-Nasen-Ohren-Ärzte und Urologen (je fünf Prozent). Die 2013 am häufigsten verordneten Wirkstoffe waren Amoxicillin (zwölf Prozent), Cefuroxim und Ciprofloxacin (je elf Prozent). Bei allen drei Wirkstoffen handelt es sich um Breitbandantibiotika. Nach Ansicht der DAK-Experten sind vor allem die im Vergleich zu 2010 um 25 Prozent gestiegenen Verordnungen von Cefuroxim kritisch zu bewerten. Der Wirkstoff sei in keiner Leitlinie Mittel der Wahl, so DAK-Apotheker Meurer. Das Präparat wirke nicht besser als konventionelle Penicilline. Dafür sei aber das Risiko der  Resistenzentwicklung höher.

Der unkritische Einsatz von Antibiotika verschärfe auch die Probleme mit multiresistenten Keimen in den Krankenhäusern, so die DAK. Eine Analyse der DAK-Krankenhausdaten zeige, dass von einer Million Versicherten, die 2013 in Krankenhäusern behandelt wurden, knapp 20.000 einen resistenten Keim in sich trugen. 2010 waren es nur rund 15.000. Bundesweit und kassenübergreifen sterben nach Zahlen des Bundesgesund­heits­ministeriums jährlich 7.500 bis 15.000 Patienten an nosokomialen Infektionen.

Gröhe fordert weltweite Verschreibungspflicht
Als Gefahr für die öffentliche Gesundheit mit globalen Dimensionen hat Bundesgesund­heitsminister Herrmann Gröhe (CDU) die zunehmenden Antibiotika-Resistenzen bezeichnet. Die Einführung einer weltweiten Verschreibungspflicht für Antibiotika sei deshalb aus seiner Sicht ein erster großer Schritt auf dem Weg, einen rationalen Einsatz dieser Präparate zu gewährleisten, sagte er bei der Eröffnung des World Health Summit am 26. Oktober in Berlin. Die Bundesregierung unterstütze zudem die Initiative der Weltgesundheitsorganisation, einen Globalen Aktionsplan aufzulegen. Die Weltgesundheitsversammlung wird darüber im Mai 2015 entscheiden. © HK/aerzteblatt.de

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