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Chronisches Müdigkeitssyndrom: Hirnveränderungen im Kernspin

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Palo Alto – Das Chronische Erschöpfungssyndrom, eine plötzliche eintretende lähmende geistige und körperliche Erschöpfung, ist möglicherweise eine organische Hirner­krankung. In Radiology (2014; doi: org/10.1148/radiol.14141079) beschreiben US-Forscher gleich drei radiologische Merkmale für die Erkrankung, für die es bisher keine Labortests oder sonstige objektivierende Befunde gab.

Das Chronische Erschöpfungssyndrom, an dem in Deutschland 300.000 Menschen leiden sollen, ist diagnostisch schwer zu fassen. Charakteristisch ist der plötzliche Beginn (wie bei einem Virusinfekt) der geistigen und körperlichen Erschöpfung, die die Belastbarkeit der Patienten auf Dauer herabsetzt und von Schlafstörungen, Schmerzen sowie einer Reihe von neurologischen, autonomen und immunulogischen Störungen begleitet wird.

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Das Fehlen von klaren diagnostischen Kriterien führt häufig dazu, dass die Patienten bei ihren Mitmenschen häufig auf Unverständnisis und bei Ärzten gelegentlich auf Ignoranz stoßen. Die jetzt von Medizinern der Stanford Universität in Palo Alto beschriebenen Befunde könnten dies ändern, sofern die Ergebnisse, die sich bisher nur auf 15 Patien­ten stützen, von anderen Forschern an einer größeren Patientenzahl reproduziert werden können.

Der Infektiologe Jose Montoya, der sich auf die Betreuung von Patienten mit „Chronic Fatigue Syndrome“ spezialisiert hat, und der Radiologe Michael Zeineh beschreiben drei Veränderungen, die sie mit drei unterschiedlichen Auswertungen der Kernspintomo­graphie entdeckt haben. Eine volumetrische Analyse ergab erstens, dass die weiße Hirnsubstanz, also die Nervenverbindungen, in ihrer Gesamtheit etwas kleiner ist als in der Vergleichsgruppe der 14 gesunden Kontrollpersonen.

Die nähere Betrachtung mit der Diffusions-Tensor-Bildgebung, die die einzelnen Nervenbahnen im Gehirn darstellt, deckte dann zweitens eine Störung im Fasciculus arcuatus der rechten Großhirnhemisphäre auf. Die genaue Funktion dieser Nerven­verbindung, die in der linken Hemisphäre das Wernicksche mit dem Brocaschen Sprachzentrum verbindet, ist nicht bekannt.

Für eine Störung spricht, dass die graue Hirnsubstanz in den beiden Cortex-Arealen, die der Fasciculus arcuatus in der rechten Hirnhälfte verbindet, leicht vergrößert waren. Dies war der dritte Befund, der allerdings noch kein Gesamtkonzept der Erkrankung ergibt, aus dem sich die Symptome erklären lassen, ganz zu schweigen von möglichen Ansätzen für eine Therapie.

Zurückhaltung erscheint angebracht, da sich in der Vergangenheit mögliche Erklärungen als falsch erwiesen haben. Dazu gehört eine 2011 in Science aufgestellte Hypothese, nach der die Erkrankung von Retroviren ausgelöst werden sollte. Die Befunde einer US-Forschergruppe konnten später nicht reproduziert werden.

© rme/aerzteblatt.de

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