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Kohlenhydratarme Diät könnte epileptische Anfälle verringern

Montag, 3. November 2014

Bethesda – Eine kohlenhydratarme Ernährungsweise mit hohem Fettanteil könnte die Anzahl epileptischer Anfälle reduzieren. Pavel Klein und seine Arbeitsgruppe am Epilepsy and Sleep Center in Bethesda berichten in einem Review in der Zeitschrift Neurology über Studien, die diesen Zusammenhang nahelegen (doi 10.1212/WNL.0000000000001004).

Primäre epileptische Anfälle sind das Hauptsymptom einer Epilepsieerkrankung. Lebensstilveränderungen könnten einen wesentlichen Beitrag leisten, den Patienten einen Teil ihrer Lebensqualität zurückzugeben. Eine ketogene Diät, also eine Ernährungsform mit hohem Fett- und einem reduziertem Kohlenhydratanteil, sei bei Kindern bereits als eine mögliche Intervention bekannt. Ob erwachsene Patienten ebenfalls hiervon profitieren, sei jedoch wenig erforscht, so die Wissenschaftler.

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Die Forscher schlossen zehn Studien in ihr Review ein. Fünf Studien untersuchten die Vorteile einer ketogenen Diät, während weitere fünf Studien sich mit Ergebnissen der Atkins-Diät, einer ketogenen Diätform, befassten. 32 Prozent der Patienten, die sich ketogen ernährten, und 29 Prozent, die sich an eine modifizierte Atkins-Diät hielten, halbierten die Anzahl ihrer Anfälle. Neun Prozent der ketogenen Diätgruppe und fünf Prozent der Atkins-Diät Gruppe berichtete über eine Reduktion der Anfallsfrequenz von mehr als 90 Prozent.

Der Effekt trat in den Studien Tage bis Wochen nach Einhaltung der Diät auf. Die Risiken dieser Ernährungsformen waren laut der Arbeitsgruppe gering und beschränkten sich meist auf die Entstehung von Hyperlipidämien, die jedoch mit Absetzen der Diät voll reversibel sind. Problematisch war für die meisten Teilnehmer, die strikte Ernährungs­weise durchzuhalten. Bei der ketogenen Ernährung brach etwa die Hälfte der Teilnehmer und bei modifizierter Atkins-Diät über 40 Prozent die Studie vorzeitig ab.

Die kulinarischen und sozialen Einschränkungen sind für viele Patienten ein Grund, sich gegen die Diät zu entscheiden, so die Wissenschaftler. Da die Effekte jedoch für viele Patienten bereits nach kurzer Zeit eintreten und bestimmte Subgruppen in hohem Maße von ketogenen Diäten zu profitieren scheinen, könnten Patienten nach Austesten dieser Ernährungsformen selbst entscheiden, ob sie diese fortführen möchten, meinen die Forscher. © hil/aerzteblatt.de

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