Ausland

Todkranke Amerikanerin Brittany Maynard nimmt sich das Leben

Montag, 3. November 2014

Portland – Die krebskranke US-Amerikanerin Brittany Maynard hat sich wie angekündigt das Leben genommen. Dies bestätigte die Sprecherin der Sterbehilfe-Organisation „Compassion & Choices“ am Sonntagabend (Ortszeit). Die Organisation veröffentlichte einen Nachruf ihres Mannes auf Maynards Internetseite. Sie habe wie geplant am Samstag ihre tödlichen Medikamente eingenommen und starb friedlich in ihrem Schlafzimmer in den Armen ihrer Liebsten, teilte „Compassion & Choices“ mit.

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Ärzte hatten Maynard, die an einem aggressiven Gehirntumor litt, im April noch sechs Monate zu Leben gegeben. Sie zog nach der Diagnose mit ihrer Familie nach Oregon, und damit in einen von fünf der 50 US-Bundesstaaten, der die Sterbehilfe erlaubt. Die letzten Monate und Wochen ihres Lebens nutzte sie, um sich für aktive Sterbehilfe einzusetzen. Ihre Video-Botschaften wurden im Internet millionenfach geklickt.

„Lebewohl an all meine teuren Freunde und Familie, die ich liebe“, schrieb sie auf ihrer Facebook-Seite am Samstag, wie die Organisation am Sonntag mitteilte. „Heute ist der Tag, den ich gewählt habe, um angesichts meiner unheilbaren Krankheit mit Würde dahinzuscheiden, dieser schreckliche Gehirntumor, der so viel von mir genommen hat ...

aber der so viel mehr genommen hätte.“ Sie dankte all ihren Unterstützern und rief abschließend dazu auf, gute Energie zu verbreiten.

Bis zuletzt herrschte Unklarheit darüber, ob Maynard ihren für Samstag geplanten Tod möglicherweise verschieben könnte. In einem am Donnerstag veröffentlichten Video hatte sie gesagt, noch viel Freude am Leben zu empfinden, etwa beim spazieren gehen mit ihrem Mann. Zugleich schränkte sie die Krankheit immer mehr ein und verursachte starke Schmerzen.

Der Malteser Hilfsdienst warnte unterdessen vor Verallgemeinerungen.. Prominente Einzelfälle dürften auch in Deutschland nicht zum Maßstab der öffentlichen Debatte werden, erklärte die Organisation am Montag in Köln. Befürworter eines ärztlich begleiteten Suizids sollten zudem bedenken, dass damit auch der Druck auf Schwerkranke wachsen könne, ihrem Leben ein Ende zu setzen.

Mit Blick auf die in Deutschland laufende Debatte sprachen sich die Malteser dafür aus, das Thema Sterbegleitung stärker in den Vordergrund zu rücken. „Die moderne Palliativversorgung sollte in der Lage sein, körperliche Schmerzen und seelische Belastungen für den Patienten in solchen Grenzen zu halten, dass ein würdevoller und natürlicher Tod möglich ist.“

Auch der Deutsche Ärztetag hatte in diesem Jahr in Düsseldorf die Bereitstellung der notwendigen finanziellen Mittel für eine bessere Betreuung von schwerstkranken und sterbenden Menschen, den flächendeckenden Ausbau der Palliativversorgung sowie eine Stärkung der Suizidprävention gefordert. © afp/kna/aerzteblatt.de

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Senbuddy
am Dienstag, 4. November 2014, 11:33

Die Bereitstellung finanzieller Mittel...

...sind ein sehr entscheidender Aspekt, um die Diskussion über das Thema Sterbehilfe überhaupt sachgerecht führen zu können. Nur wer wirklich die Wahl hat, sich frei von ökonomischen oder psychosozialen Zwängen zu entscheiden, kann überhaupt "entscheiden".

Zum Beispiel wer seinen Verwandten "nicht länger zur Last fallen" möchte und sich deshalb oder aus ähnlichen Gründen als "nicht mehr lebenswert" empfindet, muss behandelt und darf nicht getötet (oder auch nur mit seiner "Entscheidung" allein gelassen) werden.

@Eutanasia: So eine Diskussion ohne Ärzte (vor allem ohne Psychiater und Psychotherapeuten) zu führen, ist völlig abwegig. Töten kann man ohne Ärzte, das ist richtig - aber das Erhalten des Lebens sollte man nicht anderen überlassen.

Viele Grüße
S.
Eutanasia
am Montag, 3. November 2014, 22:57

Die notwendigen finanziellen Mittel ....

"Auch der Deutsche Ärztetag hatte in diesem Jahr in Düsseldorf die Bereitstellung der notwendigen finanziellen Mittel für eine bessere Betreuung von schwerstkranken und sterbenden Menschen, den flächendeckenden Ausbau der Palliativversorgung sowie eine Stärkung der Suizidprävention gefordert. " Ich fürchte "die finanziellen Mittel" sind ohnehin die größte Sorge der Ärtzeschaft in der Sterbehilfe-Debatte. Die Ärzte sollten sich am besten komplett raushalten. Sterbebegleitung geht auch ohne jewede Mithilfe von Ärzten. Auf dieser Basis sollte die Debatte neu gestartet werden.
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