Politik

Mehr Ältere: Herausforderung für Kommunen

Dienstag, 4. November 2014

Berlin – 2050 wird nahezu jeder dritte Einwohner Deutschlands älter als 64 Jahre sein, jeder achte über 80. Viele Städte sehen sich schon heute mit einer stark alternden Bevölkerung konfrontiert. „Kommunen bekommen die Alterung früher und stärker zu spüren als die Bundesländer oder die ganze Republik, wo sich lokale Unterschiede statistisch nivellieren“, betonte heute in Berlin Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts. „Es sind die Kommunen, die konkrete Antworten auf die veränderten Bedürf­nisse ihrer Bewohner finden müssen.“ Denn die Verwaltungen der Städte seien mitverantwortlich für Gesundheitsdienste, Wohnraum und Nahverkehr, Bildungs-, Kultur- und Freizeitangebote.

Wie unterschiedlich sich die Altersstrukturen in deutschen Städten entwickeln und welche Kommunen  bereits nachahmenswerte Konzepte für den Umgang mit den Älteren erarbeitet haben, zeigen das Berlin-Institut und die Körber-Stiftung in ihrer Studie „Stadt für alle Lebensalter“. Dafür haben Fachleute sämtliche Kommunen zwischen 50.000 und einer Million Einwohner mithilfe einer Clusteranalyse in fünf Gruppen unterteilt.

Anzeige

Manche Städte sind bereits deutlich gealtert, etwa weil Jüngere abgewandert und die Geburtenraten niedrig sind. Andere können mit ihren Bildungseinrichtungen und Unternehmen junge Menschen anziehen und kümmern sich stärker um die Familien­freundlichkeit. Aber auch deren Bevölkerung altere dank der steigenden Lebens­erwartung langfristig, so die Autoren der Studie.

Je nach Finanzlage, vorhandener Infrastruktur oder Engagement der Bürgerschaft hätten die Kommunen außerdem sehr unterschiedliche Möglichkeiten, auf die Alterung zu reagieren. Es gebe deshalb keinen Masterplan für eine kommunale Altersstrategie. Allerdings habe sich die Arbeit auf Quartiersebene bewährt: Hannover oder Leipzig etwa setzen auf Stadtteilzentren, in denen Informationsangebote, Beratung, sozialer Treffpunkt und Freizeitgestaltung gebündelt sind. Die Fachleute empfehlen außerdem, aktives Altern und Engagement zu stärken und insbesondere die „jungen Alten“ an der Grenze zum Renteneintritt frühzeitig einzubinden.

Die Studie thematisiert zudem, wenn auch nur knapp, die Anforderungen an medizinische Versorgung und Pflege durch die Alterung der Bevölkerung in den Kommunen. Aufgrund der Altersstruktur bei niedergelassenen Ärzten, vor allem bei Hausärzten, würden sich „größere Lücken“ auftun, heißt es. Besonders starke, unmittelbare Auswirkungen werde die demografisch bedingte Alterung im Bereich der Pflege haben. Eine große Herausforderung stelle dabei die zukünftige Versorgung von Demenzkranken dar. Pflege insgesamt, so die Prognose, werde in Zukunft „zunehmend zu einer Aufgabe für die gesamte Gesellschaft, die sich nicht mehr hauptsächlich an die Familien delegieren lässt.“ © Rie/EB/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

07.10.16
Adipositas, Diabetes und Drogen gefährden Zunahme der Lebenserwartung
Seattle – In den meisten Ländern der Erde ist die Lebenserwartung der Menschen seit den 1980er Jahren deutlich gestiegen. Der neue Global Burden of Disease (GBD)-Bericht für das Jahr 2015 führt dies......
07.10.16
Dresden – 2016 ist für das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden das Jahr mit den bislang meisten Geburten. 2.000 Kinder kamen bis zum 16. September im „Universitäts Kinder-Frauenzentrum“......
09.09.16
Chirurgen: Immer mehr Knochenbrüche älterer Menschen
Berlin – Der demografische Wandel wird nach Befürchtungen von Chirurgen zu einer stark steigenden Zahl von Knochenbrüchen alter Menschen führen. Schon jetzt zählten Altersbrüche zu den häufigsten......
25.08.16
Naher Osten: Arabischer Frühling senkt Lebenserwartung
Seattle – In Ägypten, dem Jemen, Libyen, vor allem aber in Syrien ist die Lebenserwartung der Bevölkerung infolge der Konflikte im Schatten des Arabischen Frühlings gesunken. Andere Länder des Nahen......
08.08.16
Potsdam – Die Zahl der Menschen mit Alterskrankheiten ist in Brandenburg zuletzt deutlich gewachsen. Im vergangenen Jahr wurden 26.500 Menschen mit entsprechenden Beschwerden in Kliniken behandelt.......
02.06.16
Berlin – Eine älter werdende Bevölkerung wird in den Jahren 2020 bis 2035 insbesondere Urologen, Augenärzte, Fachinternisten und Hausärzte zeitlich stärker in Anspruch nehmen als im Vergleichsjahr......
11.04.16
Internisten setzen Innovationen demografischem Wandel entgegen
Mannheim – Den medizinischen Fortschritt der zunehmenden Alterung der Gesellschaft entgegenstellen will die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). „Ältere, multimorbide Patienten haben......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige