Politik

Bundesweit einheitlicher Medikationsplan soll Arzneimittel­therapien sicherer machen

Dienstag, 11. November 2014

Berlin – Ein sogenannter bundeseinheitlicher patientenorientierter Medikationsplan soll künftig die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) erhöhen. Die erste Erprobung in drei Modellregionen in Thüringen, Sachsen und Nordbayern steht bevor. Darüber hinaus gibt es ein von Land Rheinland-Pfalz gefördertes Projekt. Sie starten zwischen November 2014 und Januar 2015 und haben eine Laufzeit von zwei Jahren. Das berichtet die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) nach einem Treffen mit Vertretern des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG), der Bundesvereinigungen deutscher Apothekerverbände und der Krankenhausapotheker, der Deutschen Krankenhausgesellschaft und anderen.

Anzeige

Der Medikationsplan ist ein wichtiges Projekt im Rahmen des „Aktionsplanes zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit in Deutschland“. Diesen Aktionsplan fördert das BMG. Eine Koordinierungsgruppe bei der AkdÄ ist für die Umsetzung zuständig. „Die Arzneimitteltherapie vor allem bei multimorbiden Patienten wird häufig dadurch beeinträchtigt, dass die Gesamtmedikation gar nicht oder nur unzureichend bekannt ist“, erläuterte die Arzneimittelkommission.

Einerseits sei es damit Ärzten, Apothekern und Pflegekräften nicht möglich, Doppel­medikationen, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen, Kontraindikationen, notwendige Dosisanpassungen und dergleichen bei der Arzneimitteltherapie umfassend zu berücksichtigen. Andererseits beinträchtige es die Therapietreue des Patienten, wenn dieser nicht zuverlässig darüber informiert werde, welche Arzneimittel er wie und wann einnehmen solle.

Einige Arzt-, Krankenhaus- und Apothekensoftwarehersteller bieten bereits Medikations­pläne an. Deren Inhalte und Formate sind jedoch je nach Softwarehersteller unter­schiedlich, so dass nicht alle Beteiligten sie nutzen können. Hier setzt der „bundesein­heitliche patientenorientierte Medikationsplan“ an. Die Koordinierungsgruppe in der AkdÄ hat eine Spezifikation erarbeitet und sie mit allen an der Arzneimitteltherapie Beteiligten und den Softwareherstellern abgestimmt. Diese Spezifikation beschreibt neben der Datenstruktur auch das Layout des Medikationsplanes. Bei einem der nun startenden Modellprojekte ist ein Lesbarkeitstest vorgeschaltet, dessen Ergebnisse in die Spezifikation des Medikationsplanes einfließen sollen.

„Wir gehen davon aus, dass zunächst Allgemeinmediziner mit dem Medikationsplan arbeiten werden und im Projektverlauf zunehmend Ärzte weiterer Fachgebiete eingebunden werden“, hieß es aus der Arzneimittelkommission gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. Je nach Projektansatz richte sich der Medikationsplan an Patienten, die mindestens drei bis fünf Arzneimittel dauerhaft einnehmen müssen. Die Einführung der Patienten übernehme der jeweilige Arzt oder Apotheker. Dafür würden in den Projekten derzeit unterschiedliche Strategien erarbeitet.

„Die Fortschritte bei der Entwicklung der Spezifikation für einen einheitlichen Medikationsplan haben bereits dazu beigetragen, dass die Arzneimittel­datenbankhersteller ihre Informationen zu Arzneimitteln in Struktur und Inhalt vereinheitlichen, um eine Interoperabilität zu gewährleisten“, hieß es aus der AkdÄ. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

17.06.16
Berlin – Laut E-Health-Gesetz haben Patienten, die mehr als drei Medikamente parallel einnehmen müssen, das Recht auf einen standardisierten Medikationsplan. Ein Informationsblatt der Kassenärztlichen......
03.06.16
Berlin – Seit dem 1. Juni müssen Krankenkassen auch dann Arzneimittel bezahlen, wenn das Rezept formale Fehler aufweist. Beanstandungen, sogenannte Retaxationen, sind in diesen Fällen nicht mehr......
27.05.16
Offenheit und Wertschätzung sind die Basis für hohe Therapietreue
Düsseldorf – Etwa 30 Prozent der Patienten, darunter selbst lebensbedrohlich Erkrankte, nehmen ihre Medikamente nicht oder nicht in der von ihrem Arzt verordneten Weise. Das betonte der Vorsitzende......
23.05.16
Jeder dritte AOK-Versicherte ist ein Kandidat für den Medikationsplan
Berlin – Der sogenannte Medikationsplan, der ab Oktober dieses Jahres allen Versicherten zur Verfügung stehen soll, die mindestens drei verordnete Medikamente gleichzeitig anwenden, ist ein Projekt......
02.05.16
Medikationsplan für Patienten rückt näher
Berlin – Fortschritte auf dem Weg zu einem bundeseinheitlichen Medikationsplan für Patienten, die mindestens drei verordnete Medikamente gleichzeitig anwenden, melden die Kassenärztliche......
22.04.16
G-BA erweitert Substitutions­ausschluss-Liste
Berlin – Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat eine zweite Tranche Arzneimittel festgelegt, die von den Apotheken generell nicht durch ein wirkstoffgleiches Produkt ersetzt werden dürfen. Die......
20.04.16
Köln - Der ab 1. Oktober 2016 gültige Anspruch von GKV-Versicherten auf einen Medikationsplan (§ 31 a SGB V) soll mehr Arzneimitteltherapiesicherheit schaffen. Darüber hinaus soll er helfen,......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige