Politik

Experten wollen Kinderrechte im Grundgesetz verankern

Freitag, 21. November 2014

Berlin/Karlsruhe –  Anlässlich des gestrigen 25. Jahrestages der UN-Kinderrechts­konvention haben Experten auf Missstände auf diesem Gebiet hingewiesen. Sie forderten, Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern. „Anderenfalls drohen eklatante Verstöße gegen das Diskriminierungsverbot“, mahnte der Sprecher der Kinderrechts­organisation National Coalition Deutschland, Jörg Maywald. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) unterstützte den Appell: „Kinder haben es verdient, in unserem wichtigsten Wertebuch der Gesellschaft verankert zu sein, und das ist nun mal das Grundgesetz", sagte die Ministerin dem Hessischen Rundfunk (HR)

Ärzte mahnen bessere Versorgung von Flüchtlingskindern an
Derweil mahnten die Bundesärztekammer (BÄK), die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ) sowie der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) eine bessere kurative und präventive gesundheitliche Versorgung von Flüchtlingsfamilien an. „Die medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen aus Flüchtlingsfamilien ist auf Notfallerkrankungen, also lediglich auf die Behandlung akuter Erkrankungen und Schmerzzustände reduziert“, verwiesen die Mediziner.

Anzeige

Dabei nenne die UN-Kinderrechtskonvention „das erreichbare Höchstmaß an Gesund­heit“ explizit als ein Grundrecht jedes Kindes. Dies umfasse auch den Impfschutz. Die Mediziner forderten eine generelle Regelung für die medizinische Versorgung von Flüchtlingen sowie eine Krankenversicherungskarte für Asylsuchende, die den Zugang zur medizinischen Versorgung erleichtern solle. Zudem gelte es, auch Kindern und Jugendlichen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus eine gute Gesundheitsversorgung in Klinik und Praxis zu ermöglichen.  

Akuter Handlungsbedarf auch bei Kinderarmut
Darüber hinaus sehen Experten auch bei der steigenden Kinderarmut akuten Hand­lungs­bedarf: „Auch im reichen Baden-Württemberg gibt es Kinder und Jugendliche, die in materieller Armut aufwachsen oder von ihr bedroht sind“, verwies Landesfamilien­ministerin Karin Altpeter (SPD). Sie kündigte an, Kinder- und Jugendrechte künftig in der Landesverfassung verankern sowie das Recht auf gewaltfreie Erziehung festschreiben zu wollen.

Über die Fortschritte bei der Umsetzung der Kinderrechte in Baden-Württemberg informiert ab sofort vierteljährlich ein neuer Online-Report. Dieser stellt vor allem das Recht auf Meinungsäußerung, Information und Gehör sowie das Recht auf Spiel, Freizeit und Ruhe in den Fokus. Gerade letzteres sei Kindern besonders wichtig. „Kinder wollen Spielräume für ungeplantes, kreatives Spielen. Durch Zigarettenkippen und leere Flaschen vermüllte Spielplätze sind für sie ein besonderes Ärgernis“, sagte die Ministerin.

© hil/dpa/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

06.12.16
Sexueller Kindesmissbrauch: Aufarbeitungs­kommission hilft Betroffenen
Berlin – Das Thema hat an Aktualität nicht verloren. Gerade erschüttert der sexuelle Missbrauch an Fußballspielern im Kindesalter im England der 1980er und 1990er Jahre die Welt. In Deutschland zog......
29.11.16
Berlin – Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) verstärkt die Forschung zu sexualisierter Gewalt und Missbrauch, um Kinder und Jugendliche besser zu schützen. Mit insgesamt 25......
21.11.16
Grundgesetzänderung: Schwesig kündigt Vorstoß für Kinderrechte an
Berlin – Die SPD will noch in dieser Wahlperiode einen Vorstoß starten, Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern. Das kündigte Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) heute nach einer Sitzung der......
21.11.16
Frankfurt – Ärzte, Psychotherapeuten und Mitarbeiter der Jugendhilfen wollen in Hessen enger zusammenarbeiten. Ziel ist es, Kindeswohlgefährdung und -vernachlässigung wirksam vorzubeugen. Mitte......
25.10.16
Berlin – An der Berliner Charité startete 2005 das Projekt „Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch im Dunkelfeld“. Seitdem wird dort für Pädophile die Hilfe suchen, spezifische Diagnostik und......
21.10.16
UN: Mädchen in Entwicklungsländern brauchen mehr Unterstützung
Berlin – Der UN-Bevölkerungsfonds hat an die Internationale Gemeinschaft appelliert, mehr in die Zukunft heranwachsender Mädchen zu investieren. Eine gute Bildung und Gesundheitsversorgung......
07.10.16
München – Psychische Gesundheit und Zukunftsperspektiven syrischer Kinder lassen schwer zu wünschen übrig. Darauf hat die Hilfsorganisation SOS Kinderdörfer hingewiesen. Angesichts der Konfrontation......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige