Politik

„Hier stand einmal ein Krankenhaus“

Dienstag, 25. November 2014

Köln/Berlin – Die Lage der Kliniken auf dem Land ist oft kritisch, ihre Zukunftsaussichten sind düster. Konkrete Daten zu dieser allgemeinen Zustandsbeschreibung liefert jetzt eine gemeinsame Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO AG und des Deutschen Krankenhausinstitutes (DKI) unter dem Titel „Hier stand einmal ein Krankenhaus“.

Danach haben 44 Prozent der ländlichen Krankenhäuser in Deutschland im Jahr 2013 Verluste gemacht. Ihre aktuelle wirtschaftliche Situation im Herbst 2014 beurteilen 45 Prozent der Häuser als eher unbefriedigend. Für 2015 erwarten 41 Prozent der ländlichen Krankenhäuser eine weitere Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Lage.

Anzeige

Diese Zahlen beruhen auf einer Befragung von 120 Krankenhäusern in ländlichen Regionen. Sie stellen in vielen Regionen Deutschlands die Mehrzahl der Krankenhäuser, nämlich in Mecklenburg-Vorpommern 97 Prozent, in Thüringen 90 Prozent, in Branden­burg 86 Prozent, in Sachsen-Anhalt 76 Prozent, und in Sachsen mit Prozent. Auch in Schleswig-Holstein stellen sie mit 69 Prozent die Mehrzahl der Kliniken, ebenso in Niedersachsen mit 54 Prozent.

Anhaltender Kostendruck, Investitionsstau, Fachkräftemangel und demografischer Wandel verursachen laut der Studie auf dem Land weit größere Probleme als in Großstädten und Ballungsgebieten. „Die Sicherung der Wirtschaftlichkeit, der Erhalt der Investitionsfähigkeit und der sich verschärfende Fachkräftemangel sind derzeit die größten Herausforderungen für die ländlichen Krankenhäuser“, sagte Alexander Morton aus dem BDO Branchencenter Gesundheit und Soziales.

Fusionen und Schließungen erwartet
Bis 2020 erwarten die Krankenhäuser weitere Fusionen, aber auch die Schließung von Abteilungen und ganzen Häusern. Dies ist laut den Studienautoren für die Regionen ein besonderes Problem, weil sie dort nach eigener Einschätzung zunehmend auch Teile der ambulanten Versorgung abdeckten. Als wichtigste Entwicklung bis zum Jahr 2020 erwar­ten die ländlichen Krankenhäuser, dass sich diese Beteiligung an der ambulanten ärztlichen Versorgung noch ausweitet.

Qualitativ gute Medizin kostet Geld
Ein weiterer Trend sei die zunehmende Vernetzung, zum Beispiel in Form von Koope­rationen mit anderen Krankenhäusern oder integrierte Versorgungsformen mit anderen Leistungserbringern oder Leistungssektoren. „Wer qualitativ gute Medizin garantieren will, muss diese auch ermöglichen und somit finanzieren“, schreibt Andreas Weigand, Vorstand DKI im Vorwort der Studie. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

24.08.16
Hannover – Mit 120 Millionen Euro fördert das Land in diesem Jahr Baumaßnahmen und den Kauf von medizinischen Großgeräten in 22 Kliniken in Niedersachsen. Fünf Projekte in Königslutter, Holzminden,......
22.08.16
Notaufnahmen verursachen eine Milliarde Euro Verlust für Krankenhäuser
Leipzig – Die Versorgung von Patienten in der Notaufnahme verursacht für die Krankenhäuser in Deutschland jedes Jahr einen Fehlbetrag von rund einer Milliarde Euro. Das rechnet jetzt der Leipziger......
16.08.16
Niedersachsen: Sozialministerin will Erhalt des flächendeckenden Kliniknetzes
Hannover – Wegen knapper Finanzen stecken viele Kliniken in der Klemme – aus Protest hat die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft (NKG) heute in Hannover 180 ausgediente Klinikbetten vor dem......
04.08.16
Krankenhäuser rollen für Protest 180 Betten vor Hannovers Rathaus
Hannover – 180 ausgediente Klinikbetten will die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft (NKG) aus Protest gegen ungenügende Finanzen vor dem Rathaus in Hannover abstellen. Mit der Aktion am 16.......
04.08.16
Berlin – Fundraising – also das Einwerben von Spendengeldern – wird offenbar für Krankenhäuser in Deutschland immer wichtiger. 60 Prozent aller Häuser betreiben laut einer Studie des Deutschen......
28.07.16
Schwerin – Die Investitionen des Landes Mecklenburg-Vorpommern in Kliniken sinken nach Angaben der Linken im Landtag seit Jahren. In der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre seien noch jährlich zwischen......
22.07.16
Kiel – Keine Einigung in Sicht: Im Konflikt zwischen Koalition und Kommunen über die Kostenübername für die Sanierung der Krankenhäuser bleiben SPD, Grüne und SSW hart. Ungeachtet heftiger Proteste......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige