Politik

Weltaidstag: Fortschritte, aber keine Entwarnung

Freitag, 28. November 2014

Berlin/Köln/Bonn/Hannover – UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die „enormen Fortschritte" im weltweiten Kampf gegen Aids begrüßt. Die Neuninfektionen hätten seit 2001 um 38 Prozent reduziert werden können, heute hätten fast 14 Millionen Infizierte weltweit Zugang zu der notwendigen Behandlung, erklärte Ban laut einer am Donnerstag vorab veröffentlichten Erklärung zum Weltaidstag am 1. Dezember. Allerdings seien die Erfolge weiter zerbrechlich, warnte Ban. So lebten heute 35 Millionen Menschen mit HIV, darunter 19 Millionen, ohne von der Infektion zu wissen.

Lücken im Umgang mit Schlüsselgruppen wie Kindern
„Die Aids-Epidemie nimmt in Osteuropa, Zentralasien und dem Mittleren Osten zu – nicht zuletzt bedingt durch Stigmatisierung, Diskriminierung und Strafgesetze“, kritisierte Ban. Zudem gebe es „bedeutende Lücken im Umgang mit bestimmten Schlüsselgruppen“. So erhalte jedes dritte infizierte Kind nicht die nötige Behandlung. Junge Frauen seien in Ländern mit hoher HIV-Rate besonders gefährdet. Hilfsorganisationen erhielten oft nicht die nötige Unterstützung. „Wir dürfen niemanden zurücklassen“, mahnte der UN-Gene­ralsekretär.

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Positiv hob Ban hervor, dass bei 1,16 Millionen Neugeborenen eine Infektion mit dem Virus durch antiretrovirale Medikamente verhindert werden konnte. Es werde daran gearbeitet, bis 2015 für 15 Millionen Menschen antiretrovirale Therapien zugänglich zu machen und die Ansteckung von Mutter zu Kind innerhalb der nächsten Jahre zu beseitigen. Bei der Ebola-Epidemie in Westafrika hätten sie von der Erfahrung der Aids-Bekämpfung profitiert, erklärte Ban. Zum Welt-Aids-Tag rufe er nun die Staaten der Welt auf, wie vereinbart bis 2030 Aids zu beseitigen.

Auch die Stiftung Weltbevölkerung machte auf Rückschläge im Kampf gegen Aids aufmerksam: So ist der Stiftung zufolge in der Altersgruppe der Zehn- bis 19-Jährigen die Zahl der weltweiten Todesfälle zwischen 2005 und 2012 um rund 50 Prozent auf 110.000 angestiegen. Fast alle ereigneten sich in Afrika südlich der Sahara. „Die weltweiten Fortschritte im Kampf gegen Aids zeigen, dass sich Investitionen in HIV-Prävention und Behandlung auszahlen“, erklärte Renate Bähr, Geschäftsführerin der Stiftung Weltbevölkerung.

Präventionsprogramme müssen deutlich ausgeweitet werden
„Doch die besorgniserregende Entwicklung unter Teenagern mahnt zum dringenden Handeln“, so Bähr. Inzwischen seien mehr als zwei Millionen Zehn- bis 19-Jährige mit HIV infiziert, 80 Prozent von ihnen lebten in Afrika südlich der Sahara. In dieser Altersgruppe sei Aids die Haupttodesursache. „Präventionsprogramme wie Aufklärung und Verhü­tungs­­angebote müssen sich deshalb gezielt an Jugendliche richten und dringend ausgeweitet werden“, forderte die Geschäftsführerin.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ist anlässlich des Weltaids­tages der Frage nachgegangen, wie sich in Deutschland das Zusammenleben und der Umgang mit HIV-positiven Menschen darstellen. Die Ergebnisse zeigen laut BZgA, dass Wissen für die Bewertung einer Situation sehr wichtig ist. Deutlich wurde aber auch: Je intensiver persönliche Körperkontakte zu HIV-positiven Menschen sein können, desto größer sind die Unsicherheiten.

So antworteten auf die Frage: „Würdest Du mit einem HIV-positiven Kollegen gemeinsam in die Kantine gehen?“ 85 Prozent, dass sie das ganz sicher machen würden. Auf die Frage: „Würdest Du jemanden mit HIV küssen?“ antwortete fast jeder Zweite ablehnend. Dazu erklärte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU): „Viele Menschen in Deutschland wissen gut über HIV Bescheid.“

Die aktuelle Studie der BZgA zeige aber auch, dass es gerade im Umgang mit HIV-posi­tiven Menschen noch immer Unsicherheiten und Ängste gibt. „Deshalb ist es wichtig, die Ängste aufzugreifen und über HIV zu informieren“, verwies der Gesundheits­minister. © hil/aerzteblatt.de

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