Medizin

Demenz oft unterdiagnostiziert

Freitag, 5. Dezember 2014

Ann Arbor – Patienten, die an einer Demenz leiden, werden vermutlich zu selten von einem Arzt auf ihre Erkrankung hin untersucht, zumindest in den USA. Wissenschaftler um Norman Foster von der University of Michigan Health System in Ann Arbor berichten in der Fachzeitschrift Neurology über entsprechende Ergebnisse (http://dx.doi.org/10.1212/WNL.0000000000001096).

Die Wissenschaftler nutzten Daten ihrer repräsentativen Querschnittsstudie Aging, Demographics, and Memory Study (ADAMS). Ziel der Studie war es, epidemiologische Daten zu Demenzerkrankungen in den USA zu sammeln.

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Von den 845 Teilnehmern der Studie wurden bei 297 eine klinische relevante Demenz festgestellt. Dennoch berichteten nur 44,8 Prozent der Erkrankten, außerhalb des Studien­kontextes eine Untersuchung ihrer Gedächtnisstörungen erhalten zu haben. Die Forscher analysierten weiter, welche Faktoren zu einem häufigeren Screening beitrugen.

Im Rahmen ihrer multivariaten Regressionsanalyse, unter Berücksichtigung demogra­fischer und körperlicher Daten sowie Schwere der Demenz, erwies sich der Familienstand als wirksamer Prädiktor für ein Demenzscreening. Verheiratete Teilnehmer unterzogen sich nämlich wesentlich häufiger einem Demenzscreening (Odds= 2,63).

Insgesamt werde ein Screening auf Demenz zu selten bei Betroffenen durchgeführt. Da insbesondere unverheiratete Teilnehmer weniger oft untersucht wurden, könne sich hier eine stärkere Sensibilität lohnen, so die Wissenschaftler.

Versorgungsdefizite bei Demenzpatienten auch in Deutschland signalisiert eine Ende Oktober erschienene Studie des Iges Institutes in Berlin. Sie beruht auf der Auswertung der anonymisierten Versichertendaten von rund 250.000 Mitgliedern der Barmer Gek. Unter den verschiedenen Formen der diagnostizierten Demenz war die nicht näher bezeichnete Demenz am häufigsten, gefolgt von der Demenz bei Alzheimer. Fast alle Demenz-Patienten wurden ambulant vertragsärztlich versorgt.

Dabei waren im Jahr 2010 nur bei 42,3 Prozent der Patienten Neurologen, Nervenärzte oder Psychiater an der Versorgung beteiligt. Dies wirke sich auch auf die Therapie aus, zum Beispiel erhielten die Patienten, wenn sie nicht fachärztlich behandelt werden, deutlich zu viele unspezifische Arzneimitteltherapien etwa mit Tranquilizern, Antide­pressiva oder Neuroleptika, berichtete Gereon Nelles aus dem Vorstand des Berufsverbandes Deutscher Nervenärzte (BVDN) bei der Vorstellung des Gutachtens.

„Fachärzte müssen stärker in die Versorgung eingebunden werden, dazu braucht es in den Regionen eine strukturierte fach- und sektorenübergreifende Zusammenarbeit“, so die Forderung des BVDN. Wichtig sei außerdem, die medikamentösen Behandlungs­optionen besser zu nutzen und nicht-medikamentöse psychiatrisch-psychothera­peutischen Therapien für Demenzpatienten auszubauen. © hil/aerzteblatt.de

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