Medizin

Rauchen führt zum Verlust des Y-Chromosoms

Freitag, 5. Dezember 2014

Uppsala - Tabakrauchen beschleunigt den Verlust des Y-Chromosoms in Blutzellen, zu dem es im Verlauf des Alters beim Mann kommt. Die Studie in Science (2014; doi: 10.1126/science.1262092) könnte erklären, warum männliche Raucher bei gleichem Tabakkonsum häufiger an Krebs erkranken als Frauen.

Das Y-Chromosom galt lange Zeit als genetisches Niemandsland und dem Verlust des kleinsten Chromosoms in Blutzellen, zu dem es mit zunehmendem Alter kommt, wurde keine Bedeutung beigemessen. Inzwischen wurden mehr als 200 Gene auf dem Y-Chromosom entdeckt, darunter wenigstens 72 Gene, die Informationen für Proteine enthalten. Kürzlich konnten Lars Forsberg von der Universität Uppsala und Mitarbeier zeigen, dass der Verlust von Y-Chromosomen in den Blutzellen mit einer Verkürzung der Lebenserwartung um im Durchschnitt 5,5 Jahre einhergeht.

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In der aktuellen Studie haben die Forscher nach Gründen für den Verlust des Y-Chromo­soms gesucht. Sie analysierten dazu die Blutproben von 6.014 Männern aus drei Kohortenstudien. In allen drei Kohortenstudien nahm – wie in der früheren Analyse bereits gezeigt – der Verlust des Y-Chromosoms mit dem Alter zu. Der einzige weitere Risikofaktor war das Rauchen. Aktive Raucher verzeichneten 2,4 bis 4,3 Mal häufiger einen Verlust des Y-Chromosoms als Nichtraucher.

Das Ausmaß des Verlustes korrelierte mit der Zahl der gerauchten Zigaretten. Forsberg vermutet, dass es sich um eine direkte Auswirkung des Rauchens handelt, mit dem eine Vielzahl von Schadstoffen ins Blut gelangt. Da die Blutzellen regelmäßig erneuert werden, war die Schädigung reversibel. Nach einem Rauchstopp sinkt die Zahl der Blutzellen ohne Y-Chromosom.

Nun ist bekanntlich Rauchen ein wesentlicher Auslöser von Krebserkrankungen. Da die meisten nicht geschlechtsspezifischen Krebserkrankungen bei Männern häufiger auftreten als bei Frauen, stellt sich für Forsberg die Frage, ob der Verlust des Y-Chromosoms hierfür die Erklärung liefert. Denkbar wäre dies, da die Lymphozyten im Blut Träger der körpereigenen Immunabwehr gegen Krebserkrankungen sind. Forsberg spekuliert, dass der Verlust des Y-Chromosoms der Immunabwehr einen Schaden zufügt und so das Krebsrisiko erhöht. Welche Mechanismen hierbei eine Rolle spielen könnten, ist jedoch nicht bekannt. Möglich ist deshalb auch, dass der Verlust des Y-Chromosoms nur ein allgemeiner Marker für eine Schädigung der Lymphozyten an anderen Stellen des Genoms ist. © rme/aerzteblatt.de

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