Medizin

Suchanfragen im Internet machen Andrang in Notaufnahmen berechenbar

Freitag, 12. Dezember 2014

Stockholm – Die Auswertung von Suchanfragen der Bevölkerung im Internet nach medizinischen Versorgungsdiensten könnte darüber Auskunft geben, wie stark Notauf­nahmen ausgelastet sind. Dies legen zumindest die Ergebnisse von Forschern um Andreas Ekstrom am Karolinska Institut Stockholm nahe, welche die Wissenschaftler kürzlich in Annals of Emergency Medicine veröffentlichten (http://dx.doi.org/10.1016/j.annemergmed.2014.10.008).

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Mathematische Modelle, welche die Auslastung in Notaufnahmen voraussagen, können die Planung von Personalkapazitäten erleichtern. Faktoren, die hierbei häufig Berück­sichtigung finden, sind beispielsweise Wochentag, Wetter und Jahreszeit. Die meisten dieser Modelle eignen sich für die langfristige Planung der Auslastung. Studien konnten zeigen, dass auch Suchanfragen im Internet beispielsweise als wirksamer Prädiktor für Influenza-Ausbrüche dienen können. Die Wissenschaftler berichten, dass rund zwei Drittel aller Patienten in den Notaufnahmen sich nicht in einer kritischen Notfallsituation befinden und daher zuvor oft Informationen über das Internet sammeln.

Die Wissenschaftler werteten für ihre Studie mit Hilfe des Analyseinstrumentes Google Analytics retrospektiv die Häufigkeit von Suchanfragen und Besucherzahlen des Stock­holm Health Care Guide aus. Das ist eine Website mit Informationen zur regionalen medizinischen Versorgung. Die Forscher korrelierten die Daten mit den Patientenzahlen in den Notaufnahmen von sieben Stockholmer Krankenhäusern, die jährlich über 700.000 Patienten versorgen. In einem zweiten Analyseschritt nutzten sie die gewonne­nen Daten, um für einen Monat die Fallzahlen in den Notaufnahmen vorherzubestimmen.

Die Forscher stellten fest, dass gehäufte Suchanfragen und Webseiten-Besuche, die zwischen sechs Uhr abends und Mitternacht stattfanden, mit einem deutlich erhöhten Andrang in den Notaufnahmen am nächsten Tag korreliert waren (r=0,77, P=<00,1). Über ein Regressionsmodell konnten die Forscher die Patientenzahlen mit einer Fehlerquote zwischen 5,2 Prozent und 13,1 Prozent für die einzelnen Krankenhäuser vorherbestimmen. Bezogen auf die Besuche in allen Stockholmer Notaufnahmen betrug die durchschnittliche Fehlerquote 4,8 Prozent.

Die Forscher gehen davon aus, mit Hilfe von Daten aus dem Internetverkehr wirksame Vorhersagen für die Auslastung der Notaufnahmen treffen zu können. Die Vorhersagen aus der Studie konnten jedoch nur für den jeweils nächsten Tag getroffen werden. Datenanalysen, die eine längerfristige Planung ermöglichen, sollten daher Gegenstand künftiger Studien sein, hieß es aus der Arbeitsgruppe. © hil/aerzteblatt.de

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