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Studie: Glykämischer Index ohne Einfluss auf Insulinresistenz

Donnerstag, 18. Dezember 2014

Boston – Diabetologen empfehlen ihren Patienten seit langem Nahrungsmittel mit einem niedrigen glykämischen Index, um Blutzuckerspitzen nach den Mahlzeiten zu vermeiden. Ein günstiger Einfluss auf die Insulinresistenz, Blutdruck und Lipidwerte war in einer Interventionsstudie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2014; 312: 2531-2541) jedoch nicht erkennbar.

Nach dem Verzehr eines Apfels steigt der Blutzucker langsamer an als nach dem Verzehr einer Banane, auch wenn beide die gleiche Menge an Kohlenhydraten enthalten. Der glykämische Index quantifiziert dieses Phänomen. Mathematisch handelt es sich um die Fläche (mathematisch das Integral) unter der Konzentrations-Zeit-Kurve des Blutzuckers in den ersten zwei Stunden nach der Aufnahme des Nahrungsmittels. Ein niedriger Wert (Apfel) wird von Diabetologen als günstig bewertet, da der Körper bei gleicher Aufnahme von Glukose weniger Insulin benötigt – theoretisch jedenfalls.

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In der Praxis ist es bereits schwierig, den glykämischen Index einzelner Nahrungsmittel zu bestimmen. Noch komplizierter wird es, wenn die Auswirkungen von Diäten mit unter­schiedlichem glykämischem Index auf die Insulinausschüttung und andere Stoffwechsel­parameter untersucht werden sollen. Ernährungswissenschaftler des Brigham and Women’s Hospital in Boston haben dies in einer Interventionsstudie an 163 überge­wichtigen Patienten mit arterieller Hypertonie (systolischer Blutdruck 120-159 mm Hg) versucht.

Alle Teilnehmer erhielten ihre Nahrungsmittel frei Haus geliefert. In einem Diättagebuch hielten sie fest, ob sie ihre Mahlzeiten vollständig gegessen hatten und ob sie eventuell noch selbst gekaufte Nahrungsmittel verzehrt hatten. Alle Teilnehmer hielten die sogenannte DASH-Diät (Dietary Approaches to Stop Hypertension), die für Menschen mit milder Hypertonie entwickelt wurde. In vier Phasen der Studie wurden der Anteil der Kohlenhydrate (58 oder 40 Prozent der Energie) und der glykämische Index (65 oder 40 Prozent bezogen auf Traubenzucker) variiert.

Wie in der OmniHeart-Studie, deren Ergebnisse die Forscher vor neun Jahren publiziert hatten (JAMA 2005; 294: 2455-2464), wirkte sich der niedrige Kohlenhydratgehalt (bei Kompensation der Kalorien durch ungesättigte Fette und Eiweiß) günstig auf den Stoffwechsel aus: Triglyzeride und VLDL-Wert sanken, systolischer und diastolischer Blutdruck verbesserten sich.

Ein ähnlich günstiger Einfluss eines niedrigen glykämischen Index konnten Frank Sacks und Mitarbeiter jedoch nicht feststellen. zu ihrer Überraschung kam es bei den Diäten mit einem hohen Kohlenhydratgehalt sogar zu einer Verschlechterung der Insulin­empfind­lichkeit, wenn der glykämische Index niedrig war. Die Nüchternblutzuckerwerte und LDL-Cholesterin waren ebenfalls erhöht. Ein Einfluss auf HDL-Cholesterin, Triglyzeride oder Blutdruck war nicht erkennbar. Bei den Diäten mit einem niedrigen Gehalt an Kohlenhydraten hatte ein niedriger glykämischer Index keinen Einfluss auf die Ergebnisse. Nur die Triglyzeride sanken. 

Eine Erklärung für die wider Erwarten eher ungünstigen Auswirkungen eines niedrigen glykämischen Index hat Sacks nicht. Er vermutet, dass ein niedriger glykämischer Index zumindest bei übergewichtigen Patienten mit arterieller Hypertonie keinen Beitrag zur Vermeidung von Diabetes und Herzkreislauferkrankungen leistet.

Der Editorialist Robert Eckel vom Anschutz Medical Campus in Denver/Colorado meint, dass das Konzept des glykämischen Index möglicherweise überbewertet werde. Die günstigen Wirkungen einer DASH-Diät könnten zumindest bei übergewichtigen Patienten mit erhöhtem Blutdruck nicht verbessert werden, wenn die Patienten Nahrungsmittel mit niedrigem glykämischem Index bevorzugen.

Die Studie schließt nicht aus, dass sich ein niedriger glykämischer Index bei anderen Diäten und anderen Patientengruppen günstig auswirkt. Die Diabetologen empfehlen ihn vor allem bei Patienten mit Typ 2-Diabetes, die in die Studie nicht einbezogen waren. Die Studie zeigt jedoch, dass die Beweisführung bei Diäten schwierig ist und die Forscher vor Überraschungen nicht geschützt sind.

© rme/aerzteblatt.de

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