Politik

Erwerbstätige befürchten durch Familienpflegezeit berufliche Nachteile

Montag, 5. Januar 2015

Berlin – Zum Jahresbeginn sind die neuen gesetzlichen Regelungen zur besseren Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf in Kraft getreten. Sie sollen Menschen, die Beruf und Pflege von Angehörigen in Einklang bringen müssen, mehr Flexibilität verschaffen. Einer aktuellen Untersuchung der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) zufolge begrüßen dies viele Erwerbstätige. Allerdings gibt es nach wie vor auch erhebliche Vorbehalte.

So findet der Umfrage zufolge besonders das Pflegeunterstützungsgeld breite Zu­stimmung. 89 Prozent der Befragten schätzen die Maßnahme als sehr hilfreich ein, 85 Prozent würden diese Leistung bei Bedarf selbst in Anspruch nehmen. Auch das Echo zu den weiteren Maßnahmen fiel überwiegend positiv aus. 68 Prozent fanden die Frei­stellung zur Begleitung im Sterbeprozess prinzipiell gut. Bei der Familienpflegezeit von maximal 24 Monaten ist immerhin noch rund die Hälfte dieser Meinung.

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Allerdings gibt es an der Praktikabilität der Familienpflegezeit durchaus Zweifel: Nur knapp jeder Dritte würde sie in Anspruch nehmen. Dabei spielt neben finanziellen Gründen (84 Prozent) auch die Sorge um potentielle berufliche Nachteile (43 Prozent) eine große Rolle. So bestünden nach wie vor beträchtliche Ängste, die Übernahme familialer Pflege gegenüber dem Arbeitgeber offen anzusprechen.

64 Prozent nennen die Sorge um den Arbeitsplatz als hauptsächlichen Grund, die Pflegesituation am Arbeitsplatz lieber zu verschweigen. „Hier ist vor allem eine andere Unternehmenskultur gefordert, um einen offeneren Umgang mit dem Thema Verein­barkeit von Beruf und Pflege zu ermöglichen", sagt Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP.

Gleichzeitig gibt es eindeutige Verbesserungswünsche bezüglich der neuen Gesetzeslage: 95 Prozent favorisieren einen Rechtsanspruch auf eine kostenlose, unabhängige und individuelle Beratung für pflegende Angehörige. „Ein verbindlicher Beratungsanspruch zu den komplexen Möglichkeiten, Beruf und Pflege miteinander zu vereinbaren, würde die Regelungen stärken und dazu beitragen, bestehende Ängste und Vorbehalte der pflegenden Angehörigen abzubauen", erklärte Suhr. hil © hil/aerzteblatt.de

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