Politik

Doch keine Sterbehilfe für belgischen Straftäter

Dienstag, 6. Januar 2015

Brüssel – Wenige Tage vor der geplanten tödlichen Injektion entschieden sich die Ärzte von Frank Van Den Bleeken für das Leben – und gegen den Tod. Der belgische Mörder und Vergewaltiger wird vorerst nicht mit Sterbehilfe aus dem Leben scheiden.

Der Sinneswandel der behandelnden Ärzte dürfte weniger auf die öffentliche Empörung zurückzuführen sein, als darauf, dass sich dem 51-Jährigen eine neue Perspektive bietet. Endlich gibt es für den psychisch kranken Häftling einen Therapieplatz, um den er jahrelang gekämpft hat. Die Verlegung in eine Spezialklinik in den Niederlanden ist angedacht.

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Der Fall bewegte über Monate hinweg die belgische Öffentlichkeit
Darf ein psychisch kranker Häftling per Todesspritze seiner Haft entkommen? Nur weil der Staat nicht in der Lage ist, ihn angemessen unterzubringen? „Der belgische Staat scheint eine Art verkappte Todesstrafe zu unterstützen“, kritisierte die belgische Liga für Menschenrechte und sprach von einer „gefährlichen Nähe zur Barbarei“.

Der Wunsch nach dem Tod darf als Akt der Verzweiflung gelten. All die Jahre waren Van Den Bleekens Versuche, in ein niederländisches Gefängnis für Langzeit-Häftlinge verlegt zu werden, erfolglos. Nach mehr als 30 Jahren hinter Gittern sah er nur noch den Tod als Ausweg. Im vergangenen Jahr befürwortete ein Gericht die Sterbehilfe für ihn.

Dabei ist der 51-Jährige weder todkrank noch uralt - sondern leidet unter sexuellen Wahnvorstellungen und gilt als unzurechnungsfähig. Im belgischen Fernsehen hatte er um Verständnis gebeten: „Ich bin ein Mensch. Und was immer ich auch getan habe, ich bleibe ein Mensch. Und deswegen sage ich: Gewährt mir Sterbehilfe.“ Mit 20 Jahren hatte Van Den Bleeken eine Frau vergewaltigt und ermordet. Die Richter ordneten seine Zwangseinweisung an. Weil Behandlungsangebote fehlten, landete der Mann in einer herkömmlichen Zelle.

Nun soll Van Den Bleeken laut Belgiens Justizministerium „eine angemessene Behandlung“ erhalten. Möglich macht dies ein im November in Gent eröffnetes psychiatrisches Zentrum. Laut Zeitung Le Soir stehen dort 270 Plätze zur Verfügung. Eine ähnliche Einrichtung in Antwerpen mit 180 Plätzen soll 2016 die Arbeit aufnehmen. Die Zeitung De Morgen sieht darin aber nur einen „Tropfen auf den heißen Stein“, da rund 1.150 Häftlinge in belgischen Gefängnissen ohne psychologische Behandlung blieben.

15 Langzeit-Häftlinge haben einen Antrag auf Sterbehilfe gestellt
Der Fall schlug so hohe Wellen, dass Justizminister Koen Geens binnen sechs Monaten einen Plan zum Umgang mit psychisch gestörten Langzeit-Häftlingen vorlegen will. Schon mehrfach rügte der Europäische Menschengerichtshof die gängige Praxis in Belgien. Laut belgischer Ärztekommission für Sterbehilfe haben mindestens 15 Langzeit-Häftlinge ähnliche Anträge auf Sterbehilfe gestellt.

Dass der berühmt gewordene Gefangene nun gesund wird, bezweifeln Fachleute jedoch. „Der unkontrollierbare Geschlechtstrieb von Van Den Bleeken (...) ist unheilbar“, sagte die Ärztin Micheline Roelandt der Zeitung Le Soir. Sie hatte ein Gutachten über den Gefangenen verfasst und laut Medienberichten seinen Wunsch nach Sterbehilfe befürwortet. „Die Niederlande sind nur eine Lösung für schmerzlindernde Maßnahmen, aber keine Perspektive für Heilung.“ © dpa/aerzteblatt.de

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