Politik

Fachkräfte fehlen vor allem im Gesundheitsbereich

Mittwoch, 7. Januar 2015

Köln – Insbesondere im Bereich Gesundheit, Soziales und Bildung fehlen in Deutschland einer Studie zufolge Fachkräfte. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hat im September 2014 615 Berufe untersucht und bei 139 davon Engpässe bei der Nachbe­setzung offener Stellen entdeckt. Der Auswertung zufolge bestehen bei 26 Berufs­gruppen Engpässe – bei 12 davon sogar starke Engpässe.

Bei den Medizinern werden Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie am dringendsten gesucht. Hier kommen auf 100 offene Stellen 65 Arbeitslose. Bei den Fachärzten für Innere Medizin sind es 130 und bei den Apothekern und Pharmazeuten 125 Arbeits­lose auf 100 offene Stellen. In der Studie des IW gehen die Forscher davon aus, dass nur etwa jede zweite Stelle bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet wird. Dement­sprechend herrscht der Definition nach schon bei 200 Arbeitslosen auf 100 offene Stellen ein Engpass bei den Fachkräften.

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Psychiatrie beim Nachwuchs nicht sehr beliebt
Iris Hauth, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), bestätigte den Fachkräftemangel bei den Fachärzten für Psychiatrie und Psychotherapie. Bereits jetzt gebe es Probleme, Stellen in diesem Bereich zu besetzen. „30 Prozent der Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie sind über 50 Jahre alt und werden in den kommenden Jahren aus­scheiden. Hinzu komme, dass dieser Bereich bei den Nachwuchsmedizinern nicht sehr beliebt sei. Das führe künftig zu großen Versorgungsdefiziten, da auch die Zahl der psychischen Erkrankungen immer weiter steige.

Doch nicht nur bei den Fachärzten, sondern auch bei der Pflege im Spezialbereich Psychiatrie und Psychotherapie fehlten ebenfalls sehr viele Fachkräfte, erklärte Hauth.

Demografie verschärft auch bei Pflegberufen den Fachkräftemangel
Laut IW-Studie kommen etwa in der Altenpflege auf 100 gemeldete Stellen 38 Stellen­suchende und bei Fachkräfte in der Altenpflege 84 Stellensuchende. Auch hier spielt neben den Problemen bei der Nachbesetzung die Altersstruktur eine wichtige Rolle. In der Gesundheits- und Krankenpflege sind 175.000 von 568.000 Fachkräften und damit ebenfalls etwa ein Drittel 50 Jahre und älter. Durch den demografischen Wandel wird vor allem in Gesundheitsberufen der Bedarf an Fachkräften in den kommenden Jahren weiter steigen. Gleichzeitig werden viele Fachkräfte selbst in Rente gehen. Deshalb bescheinigt die Studie der Nachwuchsförderung in diesem Bereich eine besonders hohe Relevanz.

Pflegerat fordert bessere Arbeitsbedigungen
Andreas Westerfellhaus, Präsident des Deutschen Pflegerates (DPR), forderte deshalb: „Wir müssen um Nachwuchs werben und das vorhandene Personal halten. Das kann nur gelingen, wenn die Arbeitsbedingungen in der Pflege attraktiv sind.“ Weiter erklärte er: „Wir fordern die Politik, die Kostenträger und die Krankenhäuser dazu auf, die Voraus­setzung für eine ausreichende und nachhaltige Personalausstattung sicherzustellen.“ Mit einem Vier-Punkte-Programm setzt sich der DPR für eine Verbesserung der Arbeitsbe­dingungen ein.

Dass solche Veränderungen bald geschehen müssen, zeigt der Themenreport Pflege 2030 der Bertelsmann-Stiftung. Dort wird – je nachdem, welche Bedingungen vorausgesetzt werden – für 2030 ein Bedarf von 263.000 bis 492.000 Vollzeitstellen im Bereich Pflege prognostiziert. © me/aerzteblatt.de

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H.-D. Falkenberg
am Donnerstag, 8. Januar 2015, 18:46

Fachkräftemangel

Bereits vor über fünf Jahren, kurz nach meiner "Verrentung", habe ich der Ministerpräsidentin eines Bundeslandes angeboten, mich für Informationsveranstaltungen in Schulen zur Verfügung zu stellen. Dort wollte ich meine eigenen Erkenntnisse und Erfahrungen, die ich als "Hospitant" in Alten- und Pflegeheimen gewinnen konnte, weitergeben. Mir, ehem. Steuerberater und Sachverständiger für soziale Einrichtungen, über 20 Jahre Mitarbeiter namhafter Wirtschaftsprüfungsgesellschaften (big four), Buchautor usw., haben diese Einsätze vor Ort sehr viel gegeben. Meine Glaubwürdigkeit bei Vorträgen und in Seminaren hat dadurch zugenommen.
Die Gespräche, die ich mit alten, pflegebedürtigen Damen und Herren führen durfte, zeigten, wie aufgeschlossen diese Menschen sind, wenn man sich ihnen widmet. Dies ist leider im "Alltagsgeschäft" aus zeitlichen Gründen nur bedingt möglich
Leider hat man mir lediglich in einem Telefonat, immerhin!, zu verstehen gegeben, dass das Ministerium nicht an einer kostenfreien Zusammenarbeit interessiert ist.
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