Politik

„Pille danach“ bald auch in Deutschland rezeptfrei erhältlich

Donnerstag, 8. Januar 2015

Brüssel – Das Notfallkontrazeptivum EllaOne (Ulipristal) ist in Europa künftig nicht mehr rezeptpflichtig. Das hat die Kommission der Europäischen Union entschieden. Sie folgte damit erwartungsgemäß einer Empfehlung der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA).

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Das Bundesgesundheitsministerium will der Entscheidung der EU-Kommission folgen und die „Pille danach“ für den Verkauf in Apotheken freigeben. „Wir werden der Entschei­dung der Kommission folgen und das deutsche Recht für beide Präparate, die derzeit auf dem Markt sind, schnellstmöglich anpassen“, erklärte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) heute in Berlin.

Bei den Präparaten handelt es sich um EllaOne mit dem Wirkstoff Ulipristal und PiDaNa, das auf dem Wirkstoff Levonorgestrel basiert.

Ulipristal kann eine Schwangerschaft verhindern, wenn es innerhalb von 120 Stunden nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen wird. Der Wirkstoff ist dann in der Lage, die Ovulation zu verhindern oder verzögern. Am zuverlässigsten ist die kontrazeptive Wirkung laut der EMA, wenn ellaOne innerhalb von 24 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen wird. Diese frühzeitige Einnahme wird aus Sicht der EMA erleichtert, wenn die Frauen das Mittel auch ohne Rezept in der Apotheke kaufen können.

Die Bundesregierung und die Ärzteschaft in Deutschland hatten sich zuvor mehrfach dagegen gewandt, Notfallkontrazeptiva aus der Rezeptpflicht zu entlassen.

Ziel sei es, auch weiterhin eine gute Beratung für beide Präparate aus einer Hand sicherzustellen, sagte Gröhe. Da diese Beratung nun aufgrund der Brüssler Entschei­dung nicht mehr durch einen Arzt vorgenommen werden müsse, sei eine qualitativ gute Beratung auch in den Apotheken der richtige Weg. Gröhe kündigte an, Frauenärzte, Apotheken sowie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte einzuladen, um gemeinsam Kriterien für eine qualitativ hochwertige Beratung zu entwickeln.

Die Bundesapothekerkammer begrüßte die Entscheidung. Kammer-Präsident Andreas Kiefer sicherte zu, die Apotheker wollten bei der Beratung größtmögliche Arzneimittel­sicherheit gewährleisten und Missbrauch verhindern.

Die Bundesärztekammer hatte schon im Frühjahr im Vorfeld einer Bundestagsdebatte zum Thema für die Beibehaltung der Rezeptpflicht für das andere verfügbare Notfallkontrazeptivum Levonorgestrel plädiert. Der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Frank Ulrich Montgomery, wies in diesem Zusammenhang besonders auf den Wert einer ärztliche Beratung hin.

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) kritisierte die Entscheidung der Kommission als falsches Signal. Es handle sich bei der „Pille danach“ nicht um „eine harmlose Halsschmerztablette, sondern um ein starkes Medikament, das in den Hormonhaushalt der Frauen eingreift. Deshalb ist eine ärztliche Untersuchung und Beratung der Frauen zu ihrem eigenen Schutz sehr sinnvoll.“

Sie begrüßte den Hinweis Brüssels, dass einzelne EU-Länder eine Verschreibungspflicht beibehalten könnten. Für Minderjährige sollte die „Pille danach“ verschreibungspflichtig bleiben, so Huml. © hil/dpa/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 8. Januar 2015, 22:37

Na, wer sagt's denn?

In der FAZ habe ich dazu bereits am 5.3.2014 unter der Überschrift
- "Pechpill"-Debatte -
geschrieben:
"Alle approbierten Ärzte/-innen, egal welcher Fachrichtung, dürfen in Deutschland die „Pechpill“, wie sie auf „Nederlands“ heißt, Tag und Nacht rezeptieren. Die Berliner Politik hatte in der sich ereifernden Diskussion nur monatelang nicht begriffen, dass es zwei Varianten gibt:
• den selektive Progesteronrezeptor-Modulator mit 30 mg Ulipristalacetat (ellaOne®)
• das Präparat mit dem bezeichnenden Namen PiDaNa® mit 1,5 mg Levonorgestrel
Wenn man also über Rezeptfreiheit diskutiert, muss man b e i d e Präparate frei stellen. Und aus fachlich-sachlichen Gründen die Pille zur Empfängnisverhütung dazu. Denn es ist völlig unglaubwürdig, PiDaNa®, die mit 1,5 mg Wirksubstanz der Einmalgabe von 50 Minipillen “Microlut®” oder “28 mini®” entspricht, zu privilegieren, andere Niedrigdosierungen aber mit verpflichtenden Arztbesuchen zu belegen.
Warum sich in der FAZ so viele Männer (mich eingeschlossen) zu Wort melden?
In erster Linie ist doch mangelhaftes Interesse, Wissen und Mit-Verantwortlich-Sein männlicher Partner für Probleme um Verhütung, Fruchtbarkeit und ungewollter Schwangerschaft in allen möglichen Spielarten von Paar-Beziehungen zu beklagen? Hat hier vielleicht ein Umdenken stattgefunden? Für bessere informationelle Selbstbestimmung bei der “Pechpill” gehören neben Aufklärung, Sexualkunde, Bio-Unterricht, Sicherstellung ärztlicher 24-H-Erreichbarkeit, spezielle Kompetenz im Umgang mit Ratsuchenden, auch Empathie und weltanschauliche Toleranz dazu. Die lassen Partei-Koalitionäre mit dem großen “C” und leider auch manche Ärzte, die unter der “Fuchtel” katholischer Krankenhausträger oder fundamentalistischer Ideologien stehen, schmerzlich vermissen. Ich selbst habe 10 Jahre wissenschaftlich und ärztlich im Essener LORE-AGNES-HAUS der ARBEITERWOHLFAHRT (AWO), einer Einrichtung für “Familienplanung, Schwangerschaftskonflikte und Fragen der Sexualität” gearbeitet."

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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