Vermischtes

Krankenpfleger gibt Mordserie zu

Donnerstag, 8. Januar 2015

Oldenburg – Bis zu 30 Patienten soll er getötet und es bei 60 weiteren auch versucht haben: Ein unter Mordverdacht stehender Krankenpfleger hat seine Taten erstmals im Gespräch mit einem Gutachter eingeräumt. Dieser verlas am Donnerstag eine entsprechende Stellungnahme im Prozess am Landgericht im niedersächsischen Oldenburg. Demnach spritzte der Angeklagte 90 Patienten am Klinikum Delmenhorst eigenmächtig ein Herzmedikament, das schwere Komplikationen verursachte. Es könnte eine der größten Mordserien in Krankenhäusern sein. An anderen Arbeitsstätten will der Angeklagte den Angaben zufolge Patienten jedoch keinen Schaden zugefügt haben.

Anzeige

Damit nahm der Prozess gegen den ehemaligen Pfleger eine überraschende Wende. Der 38-Jährige ist wegen dreifachen Mordes und zweifachen Mordversuchs an Patienten auf der Delmenhorster Intensivstation angeklagt. Die Vorwürfe habe der Mann in den Gesprächen weitgehend eingeräumt, sagte der Psychiater vor Gericht.

Er hatte sich im Dezember und Januar viermal mit dem Angeklagten getroffen. Dabei habe sich dieser zutiefst beschämt über seine Taten geäußert, an die er sich nicht vollständig erinnern könne.

Bis zu 30 Patienten starben laut der Stellungnahme des Angeklagten von 2003 bis 2005 in Delmenhorst, nachdem er ihnen das Medikament gespritzt hatte. Zu den Motiven äußerte er sich nicht. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft löste er die tödlichen Notfälle aus, um zu beweisen, wie gut er Patienten wiederbeleben kann. Später habe er aus Langeweile mit dem Leben der Kranken gespielt. Dem Gutachter sagte der Angeklagte, sein Handeln sei nicht entschuldbar. Er sei sich bewusst, dass er den Angehörigen großes Leid zugefügt habe.

Ein Ende nahm die Serie erst, als eine Kollegin den Pfleger im Sommer 2005 auf frischer Tat ertappte. Das Landgericht Oldenburg verurteilte ihn im Dezember 2008 wegen Mordversuchs zu siebeneinhalb Jahren Haft. Damals schon gab es Hinweise, dass das Ausmaß der Taten viel größer sein könnte. Gegen zwei damals zuständige Staatsanwälte wird deshalb wegen Strafvereitlung im Amt ermittelt.

Eine Sonderkommission der Polizei geht inzwischen zahlreichen Verdachtsfällen nach - auch an früheren und späteren Arbeitsstätten des Pflegers in Wilhelmshaven und Oldenburg sowie bei den Rettungssanitätern. Das Klinikum in Oldenburg hatte im vergangenen Jahr einen Experten den Tod von Patienten während der Dienstzeit des Pflegers untersuchen lassen. Dieser kam zu dem Ergebnis, dass zwölf Patienten möglicherweise nicht auf natürliche Weise gestorben waren. © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Vermischtes

Nachrichten zum Thema

07.12.16
Bonn – Das Bonner Landgericht hat einen ehemaligen Klinikarzt wegen Missbrauchs einer Patientin zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Der 43-Jährige hatte im Juli 2012 die damals 17-Jährige......
05.12.16
Uniklinik Mannheim sieht sich nach Hygieneskandal wieder auf gutem Weg
Mannheim – Mehr als zwei Jahre nach dem Skandal um verunreinigtes Operationsbesteck ist die Affäre für das Mannheimer Uniklinikum weitgehend ausgestanden. Allerdings bleibt das Krankenhaus in den......
02.12.16
Bonn – Ein Klinikarzt hat zugegeben, eine 17 Jahre alte Patientin sexuell missbraucht zu haben. Der 43-Jährige legte heute vor dem Landgericht Bonn ein Geständnis ab. Er soll sich im Juli 2012 bei......
02.12.16
Rom – Ein italienischer Arzt und eine Krankenschwester sind unter Mordverdacht festgenommen worden. Der 60-jährige Anästhesist am Krankenhaus von Saronno nordwestlich von Mailand und seine 40-jährige......
01.12.16
Bottrop – Ein Apotheker in Bottrop steht im Verdacht, massenhaft Krebsmedikamente beim Zusammenmischen zu niedrig dosiert zu haben. Der 46-Jährige sitze in Untersuchungshaft, teilte die......
30.11.16
Bundessozialgericht: Vertragsärzte dürfen nicht streiken
Kassel – Vertragsärzte dürfen nicht streiken. Auf das im Grundgesetz verankerte Streikrecht können sie sich nicht berufen, entschied heute das Bundessozialgericht (BSG) in Kassel (Az: B 6 KA 38/15 R).......
28.11.16
Delmenhorst - Das Josef-Hospital Delmenhorst hat vorsorglich drei frühere Kollegen des wegen Mordes verurteilten Krankenpflegers Niels H. aus dem direkten Kontakt mit Patienten abgezogen. Das hätten......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige