Medizin

Häufiger Gendefekt für Skoliose gefunden

Freitag, 9. Januar 2015

Shanghai - Der Ausfall eines Gens auf dem Chromosom 16 kann zu einer angeborenen Skoliose führen. Der Gendefekt erklärt einer Studie im New England Journal of Medicine (2015; doi: 10.1056/NEJMoa1406829) zufolge bei Han-Chinesen 11 Prozent der Erkran­kungen. Bei allen betroffenen Patienten war das Gen TBX6 auf einem homologen Chromosom ausgefallen, auf dem anderen lag eine Genvariante vor, die vermutlich die Expression des Gens herabsetzt.

Etwa eines von 2.000 Kindern wird mit einer Seitabweichung der Wirbelsäule (Skoliose) geboren, die meist auf eine Fehlbildung eines oder mehrerer Wirbelkörper zurückzu­führen ist. Frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass die Erkrankung manchmal von einer Deletion auf dem kurzen Arm des Chromosoms 16p11.2 begleitet wird. Ein Team um Feng Zhang von der Fudan Universität in Shanghai hat diese Genregion deshalb bei 161 Patienten mit angeborener Skoliose genauer untersucht.

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Bei 17 Patienten (11 Prozent) entdeckten sie eine Null-Mutation: Das Gen war entweder gar nicht vorhanden, oder die Mutation hatte ein vorzeitiges Stop-Signal oder eine Verschie­bung des Leserasters zur Folge. Diese Genfehler wurden in einer Kontroll­gruppe bei keinem von 166 Han-Chinesen ohne angeborene Skoliose gefunden. Die Befunde wurden in einer zweiten Kohorte bestätigt: Hier wiesen sechs von 76 Patienten (8 Prozent) die Nullmutation im TBX6-Gen auf.

Alle Patienten hatten die Nullmutation nur auf einem der beiden homologen Gene. Es lag jedoch kein autosomal dominanter Erbgang vor, da die Eltern gesund waren. Zhang vermutete deshalb, dass es auf dem anderen TBX6-Gen auch eine Veränderung geben muss. Tatsächlich wiesen alle Patienten an drei bekannten Punkten des Gens dieselben Genvarianten (SNP) auf. Untersuchungen an Zellkulturen ergaben, dass dieser Haplotyp zu einer verminderten Produktion des TBX6-Proteins führt. Damit sind im Prinzip die Erfordernisse eines autosomal-rezessiven Erbgangs erfüllt, bei dem nur Familienmit­glieder erkranken, bei denen beide Allele defekt sind und bei dem die Eltern in der Regel gesund sind.

Die ursächliche Rolle des TBX6-Gens wird noch durch die Untersuchung einer dritten Patientengruppe aus 42 Personen mit bekannter 16p11.2-Deletion bestätigt. Bei allen 42 war das TBX6-Gen auf einem Chromosom ausgefallen. Nur sechs Personen hatten jedoch eine angeborene Skoliose. Bei fünf der sechs Personen konnte Zhang denselben Haplotyp auf dem (vermeintlich) gesunden Chromosom nachweisen wie bei den Skoliose-Patienten aus den ersten beiden Kohorten. Der sechste Patient war afrikanischer Herkunft.

Die Studie liefert ziemlich stichhaltige Beweise, dass die Kombination aus einer Nullmutation auf einem TBX6-Allel und einem Haplotyp auf dem anderen TBX6-Allel zu einer Skoliose führt. Weitere Studien werden bald zeigen, ob diese Konstellation auch in anderen Ethnien verbreitet sind. © rme/aerzteblatt.de

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