Medizin

Heidelbeeren senken Blutdruck in kontrollierter Studie

Dienstag, 13. Januar 2015

Tallahassee – Ein Pulver aus gefriergetrockneten Kulturheidelbeeren in einer Menge, die einer Tasse der Früchte entspricht, hat in einer placebokontrollierten Studie im Journal of the Academy of Nutrition and Dietetics (2015; doi: org/10.1016/j.jand.2014.11.001) den Blutdruck von Hypertonikerinnen gesenkt und andere Gefäßparameter verbessert.

Heidelbeeren wird aufgrund ihres hohen Gehalts an Anthocyanen und anderen Polyphenolen eine gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben. Zu den günstigen Wirkungen könnte eine Senkung des Blutdrucks gehören, die ein Team um Sarah Johnson von der Florida State University an einer Gruppe von 48 postmenopausalen Frauen untersucht hat, bei denen der Blutdruck leicht erhöht war (Prä- oder Stadium 1-Hypertonie).

Anzeige

Die Frauen sollten täglich ein Pulver aus 22 Gramm gefriergetrockneten Kulturheidel­beeren oder einem Placebo einnehmen, ansonsten aber ihren üblichen Tagesablauf nicht verändern. Primärer Endpunkt der Studie war der Blutdruck, der zu Beginn und am Ende der achtwöchigen Studiendauer bestimmt wurde.

Wie Johnson berichtet, senkte das Blaubeerpulver den systolischen Blutdruck um 7 mm Hg und den diastolischen Blutdruck um 5 mm Hg, während es in der Kontrollgruppe keine Veränderungen gab. Die Pulswellengeschwindigkeit, ein Marker für die Steifigkeit der Gefäße, ging um 97 cm/sec oder 6,5 Prozent zurück. Die Serumkonzentration von Stickstoffoxid (NO), das in den Blutgefäßen eine dilatierende Wirkung hat, stieg von 9,1 auf 15,35 µmol/l oder um 68,5 Prozent. Eine verminderte Pulswellengeschwindigkeit und ein erhöhter NO-Wert könnten die günstigen Wirkungen der Blaubeeren auf den Blutdruck erklären.

Der tägliche Verzehr von Heidelbeeren könnte der Studie zufolge einen Beitrag zur Senkung des Blutdrucks leisten. Johnson betrachtet sie als „functional food“, das langfristig Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen könnte. Die Studie reiht sich ein in eine zunehmende Zahl von klinischen Untersuchungen, die mit flavonoid-haltigen Nahrungsmitteln eine blutdrucksenkende Wirkung erzielt.

Am besten untersucht sind kakao-haltige (also auch bittere) Schokoladen, deren die Cochrane-Collaboration in einer Meta-Analyse eine gewisse Evidenz bescheinigte. Im Fall der Schokolade sei aufgrund des Kaloriengehalts jedoch eine Gewichtszunahme als Nebenwirkung nicht ganz auszuschließen.

© rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 14. Januar 2015, 13:51

Mit Heidelbeeren einen Bären aufbinden?

Endlich mal eine randomisierte, Placebo-kontrollierte, prospektive Studie (RCT-Design) zu gefriergetrockneten, pulverisierten Kulturheidelbeeren vs. Kontroll-Pulver, über 8 Wochen tgl. eingenommen ["Design - This was an 8-week, randomized, double-blind, placebo-controlled clinical trial... Intervention - Participants were randomly assigned to receive either 22 g freeze-dried blueberry powder or 22 g control powder."]

Doch es waren allein wegen der kurzen Interventions- und Beobachtungszeit ausschließlich w e i c h e Endpunkte wie leichte arterielle Blutdruck-Verringerung und Minderung der arteriellen Steifigkeit ["Conclusions - Daily blueberry consumption may reduce blood pressure and arterial stiffness, which may be due, in part, to increased nitric oxide production."]. Für harte Endpunktdaten reicht allerdings die Erklärung n i c h t, dass Pulver aus gefriergetrockneten Kulturheidelbeeren bzw. eine Tasse dieser Früchte die Produktion von Stickstoff-Monoxyd (NO) ankurbelt. Kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität haben weitaus mehr Stellgrößen, Risikofaktoren und Auslöser als Blaubeer-induziertes NO.

Vgl. die DÄ-Meldung
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/53027/Weniger-Herzinfarkte-bei-Erdbeer-und-Blaubeeressern
vom 15. 1. 2013 und mein Kommentar: "Einen Bären mit Beeren aufbinden?"

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
PS. Kulturheidelbeeren kommen von der Amerikanischen Heidelbeere (Vaccinium corymbosum). Die europäische Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) heißt auch Blaubeere, Schwarzbeere, Mollbeere, Wildbeere, Waldbeere, Bickbeere, Zeckbeere, Moosbeere oder in der Schweiz bzw. in Süddeutschland Heubeere.

j.g.
am Dienstag, 13. Januar 2015, 23:15

Schreibt das Ärzteblatt ... ?

jetzt auch für Heilpaktieger??
chagall1985
am Dienstag, 13. Januar 2015, 20:44

Mann kann das jetzt auch trinken :-)

http://www.ritni.de
Habe ich zumindest schon in Apotheken gefunden.
Nur mit der Dosis muss man vorsichtig sein, dass Zeug ist wirklich verdammt rein.
Eine Flasche sofort austrinken ist keine Gute Idee! :-)
L.A.
am Dienstag, 13. Januar 2015, 14:09

Heidelbeer-Marmelade, warum nicht ?

Also werde ich zukünftig im Supermarkt Marmelade aus Heidelbeeren (Blaubeeren) kaufen, mit einem möglichst hohen Fruchtanteil (mindestens 50 %).
Übrigens: Sind die "cranberries" aus Nordamerika das gleiche ?
5.000 News Medizin

Nachrichten zum Thema

02.12.16
Köln – Die Blutdruckwerte in Deutschland sind seit Beginn der 1990er-Jahre bis zum Jahr 2012 deutlich zurückgegangen. Dies zeigt ein Vergleich von sieben epidemiologischen Studien mit insgesamt rund......
02.12.16
Gesundheits-Apps: Deutsche Hochdruckliga plant Zertifizierung
Berlin – Bluthochdruckpatienten gehören zu den häufigsten Anwendern von Gesundheits-Apps. Jedoch halten nicht alle digitalen Gesundheitshelfer, was sie versprechen, warnt die Deutsche Hochdruckliga......
23.11.16
Berlin – Hypertonie-Patienten werden immer jünger, besonders in den Industriestaaten. „Hypertonie ist mittlerweile ein gesamtgesellschaftliches Problem und durchzieht alle Bevölkerungsschichten –......
22.11.16
Atlanta. Die Einnahme des Diuretikums Chlorthalidon war in ALLHAT, der größten jemals durchgeführten randomisierten klinischen Studie zur Behandlung der arteriellen Hypertonie, mit einem verminderten......
16.11.16
Globaler Report: Arterielle Hypertonie verlagert sich in ärmere Länder
London – Die arterielle Hypertonie hat sich in den letzten vier Jahrzehnten von einer Wohlstandserkrankung der reicheren Länder zunehmend zu einem Gesundheitsproblem in ärmeren Regionen entwickelt.......
02.11.16
Hypertonie: Wie eine Elektro-Akupunktur den Blutdruck senken kann
Orange – Die Aktivierung natürlicher Opiate im Gehirn könnte erklären, warum eine Elektroakupunktur bei einigen Menschen mit stressbedingter Hypertonie den Blutdruck senkt. Dies zeigen......
11.10.16
Hypertonie: Schwere Depressionen unter Betablockern und Kalziumantagonisten häufiger
Glasgow – Patienten mit einer arteriellen Hypertonie wurden in einer Langzeitstudie in Hypertension (2016; doi: 10.1161/HYPERTENSIONAHA.116.08188) zweimal häufiger wegen einer Depression oder anderer......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige