Politik

Medizinischer Dienst: Qualität der Pflege verbessert

Mittwoch, 14. Januar 2015

Berlin – Die Qualität der stationären und ambulanten Pflege in Deutschland hat sich leicht verbessert. Das geht aus dem vierten Pflege-Qualitätsbericht des Medizinischen Dienstes des GKV-Spitzenverbandes (MDS) hervor, der heute in Berlin veröffentlicht wurde. Er basiert auf Untersuchungen von etwa 12.000 Pflegeheimen und etwa 11.000 ambulanten Pflegediensten, die der MDS im Jahr 2013 durchgeführt hat.

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Verbessert hat sich demnach insbesondere die Dekubitusprophylaxe. So erhielten drei Viertel der Heimbewohner mit einem Dekubitusrisiko Prophylaxen wie Lagerungswechsel. 2012 waren es noch 60 Prozent gewesen. In der ambulanten Versorgung erfolgte bei 86 Prozent der Menschen mit chronischen Wunden oder einem Dekubitus die Wundver­sorgung nach dem aktuellen Wissensstand. 2012 waren es noch 79 Prozent gewesen.

Weniger freiheitsentziehende Maßnahmen
Verbesserungen gab es zudem bei der Vermeidung von freiheitsentziehenden Maßnah­men wie Bettgittern oder Gurten. Wurden solche Maßnahmen im Jahr 2012 noch bei jedem fünften Heimpatienten eingesetzt, geschah dies im Jahr 2013 nur noch bei etwa jedem siebten. In 92 Prozent der Fälle lagen richterliche Genehmigungen für den Einsatz freiheitsentziehender Maßnahmen vor. 2012 war dies in 89 Prozent der Fall gewesen.

„Der Bericht zeigt, dass sich die Pflegequalität in den letzten zehn Jahren deutlich verbessert hat“, kommentierte der Vorstand des GKV-Spitzenverbandes, Gernot Kiefer, die Ergebnisse des Qualitätsberichts. „Ich bin besonders froh, dass die Häufigkeit der freiheitseinschränkenden Maßnahmen fast halbiert wurde. Da müssen die Pflege­einrichtungen dran bleiben, denn solche Maßnahmen dürfen wirklich nur das allerletzte Mittel sein, um einen Pflegebedürftigen vor Schaden zu bewahren.“

GKV-Spitzenverband: Schmerzmanagement muss noch besser werden
Der Bericht zeige aber auch, dass noch viel zu tun sei. Mit einem modernen Schmerz­management könne pflegebedürftigen Menschen viel Leid erspart werden, doch hier werde in vielen Pflegeeinrichtungen noch nicht genug getan, sagte Kiefer. Dem MDS zufolge war bei 37 Prozent der untersuchten Heimbewohner eine Schmerzerfassung notwendig. Bei 80 Prozent dieser Patienten sei vom Pflegepersonal eine Schmerz­einschätzung durchgeführt worden. Dies sei zwar ein deutlicher Anstieg im Vergleich zum Vorjahr, in dem bei nur 55 Prozent eine Schmerzerfassung erfolgt sei. Doch auch im Jahr 2013 sei bei jedem fünften Schmerzpatienten keine Schmerzeinschätzung vorgenommen worden, sodass wichtige Informationen für eine Anpassung der Schmerzmedikation fehlten.

Im ambulanten Bereich hatte der Pflegedienst bei 70 Prozent der Schmerzpatienten eine Schmerzerfassung vorgenommen; im Jahr 2012 war dies bei 62 Prozent dieser Patienten geschehen.

Mehr Heimbewohner benötigen eine Inkontinenzversorgung
„Seit Beginn der MDK-Prüfungen hat sich die Versorgungsqualität in den Heimen und ambulanten Diensten Schritt für Schritt verbessert“, befand der Geschäftsführer des MDS, Peter Pick. Für die Verbesserungen verdienten die Pflegeeinrichtungen Aner­kennung. Aber auch die Qualitätsprüfungen und die Pflegetransparenz hätten dazu beigetragen. Auf der anderen Seite bestehe neben dem Schmerzmanagement auch bei der Inkontinenzversorgung noch Verbesserungsbedarf.

So erhielten im Jahr 2013 77 Prozent der Heimbewohner eine Inkontinenzversorgung – zehn Prozent mehr als im vorangegangenen Jahr. Zugleich nahm der Anteil der Bewoh­ner mit einem Katheter leicht von 9,1 Prozent auf 10,6 Prozent zu. „Die Einrichtungen sollten stärker darauf achten, die Selbstständigkeit beim Toilettengang zu fördern“, forderte Pick. „Zu oft werden pflegebedürftige Menschen mit Windeln oder Kathetern versorgt, obwohl es nicht nötig wäre.“

Einer der Autoren des Qualitätsberichts, Jürgen Brüggemann vom MDS, betonte abschließend den Zusammenhang zwischen Prozessqualität und Ergebnisqualität: „Wir stellen insgesamt einen klaren Zusammenhang zwischen dem Pflegeprozess und den Ergebnissen fest. Dort wo qualifizierte Pflege erbracht wird, stimmt auch die Ergebnisqualität.“ © fos/aerzteblatt.de

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