Vermischtes

Fetales Alkoholsyndrom unterschätzt

Mittwoch, 14. Januar 2015

Berlin – „Drastisch unterschätzt“ wird das Ausmaß schwerer Schädigungen von Kindern durch den Alkoholkonsum von Frauen während der Schwangerschaft. Das berichteten Sachverständige heute im Gesundheitsausschuss des Bundestages. Die Experten forderten die Abgeordneten dazu auf, dieses Problem mit geeigneter Vorbeugung, Aufklärung, Diagnose und Behandlung systematisch anzugehen.

In Deutschland werden jedes Jahr im Schnitt 2.000 Kinder geboren, die alle Anzeichen eines fetalen Alkoholsyndroms (FAS) zeigen. Rund 10.000 Kinder haben einzelne Anzeichen des Syndroms.

Anzeige

Das FAS steht für die schwersten Formen der Schädigung eines Fötus durch Alkohol und umfasst körperliche, geistige sowie Verhaltensstörungen. Das gesamte Spektrum der vorgeburtlichen Alkoholschädigung wird mit dem Begriff Fetal Alcohol Spectrum Disorders (FASD) zusammengefasst. Die zahlreichen Formen dieser Schädigung sind nach Angaben der Experten ausgesprochen schwer zu diagnostizieren, weshalb auffällige Kinder oft einer anderen Krankheit oder Störung zugeordnet würden. Nur etwa ein Fünftel der Fälle werde überhaupt sofort erkannt, der Rest nicht oder erst mit Verzögerung.

Das FAS-Syndrom ist nach Aussage der Experten nicht auf einschlägige Milieus beschränkt. So sei das Trinkverhalten von Frauen mit einem hohen sozialen Status, guten Jobs und breiter Bildung oft ebenso problematisch wie das von Frauen aus sozial niedrigen Schichten. Das Ausmaß des Problems sei in den Kreisen von Kinder- und Frauenärzten, Psychologen, Erziehern und Lehrern noch genügend angekommen.

Die Experten sprachen von einem „absolut kritischen Zukunftsthema“, weshalb die Politik Einrichtungen schaffen sollte, wo Diagnose-Spezialisten ausgebildet und Behandlungen konzipiert werden könnten.

Kinder, die unter FAS oder FASD leiden, hätten große Schwierigkeiten, sich im Alltag zurechtzufinden und scheiterten oft im Leben. Es müsse davon ausgegangen werden, dass zahlreiche Betroffene „in die Psychiatrie abgeschoben würden oder im Gefängnis landeten, ohne jemals therapiert worden zu sein“, hieß es aus dem Gesund­heitsaus­schuss. © hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Vermischtes

Nachrichten zum Thema

06.04.16
Drogenaffinitäts­studie 2015: Rauschtrinken und Cannabis-Konsum bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen weiterhin ein Problem
Berlin – Der Konsum von Tabak und Alkohol bei jungen Menschen ist generell rückläufig. Bei den illegalen Drogen ist Cannabis nach wie vor die mit Abstand am meisten konsumierte Substanz. Das geht aus......
07.03.16
Mannheim – Alkoholiker, die entziehen und längere Zeit auf das Suchtmittel verzichten, haben in bestimmten Regionen des Gehirns erhöhte Dopaminspiegel. Das berichten Wissenschaftler um Natalie Hirth......
03.03.16
Cannabis-Konsumenten entwickeln häufiger ein Alkoholproblem
New York – Cannabis-Raucher könnten verglichen mit Nicht-Konsumenten ein fünffach erhöhtes Risiko besitzen, ein Alkoholproblem zu entwickeln. Forscher um Renee Goodwin an der Columbia University's......
03.03.16
Gefahr durch Alkohol immer noch unterschätzt
Düsseldorf – Auf die Gesundheitsrisiken durch Alkohol haben die die Ärztekammer Nordrhein (ÄkNo) und die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) hingewiesen. Ärzte und Suchthilfeexperten empfahlen......
12.02.16
San Diego – Ein langjähriger Alkoholkonsum fügt der Leber möglicherweise nicht nur toxische Schäden zu. Untersuchungen in Cell Host & Microbe (2016; 19; 227-239) zeigen, dass eine Schädigung der......
11.02.16
Boston – Eine Strafrechtsreform, die Alkoholsünder im Straßenverkehr zu einer permanenten Abstinenz verurteilt, hat im US-Staat South Dakota die Sterblichkeit von Erwachsenen gesenkt, wie aus einer......
08.02.16
Fetales Alkoholsyndrom: CDC rät sexuell aktiven Frauen zum Alkoholverzicht
Atlanta – Eine Studie, der zufolge 3,3 Millionen Frauen durch ihren Alkoholkonsum im Fall einer möglichen Schwangerschaft die Gesundheit ihres Kindes gefährden würden, veranlasst die Centers for......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige