Politik

RKI-Bericht: Nach wie vor zu wenig Hygienefachpersonal in den Krankenhäusern

Donnerstag, 15. Januar 2015

Berlin – Die Maßnahmen zum Schutz vor mehrfach gegen Antibiotika resistenten Erregern (MRE) wurden in deutschen Krankenhäusern dreieinhalb Jahre nach Inkrafttreten des Infektionsschutzänderungsgesetzes verbessert; dennoch gibt es noch viel zu tun. Das ist das  Fazit des „Berichtes der Bundesregierung über nosokomiale Infektionen und Erreger mit speziellen Resistenzen und Multiresistenzen“, den das Robert Koch-Institut (RKI) verfasst hat.

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Die im Infektionsschutzänderungsgesetz vorgegebenen Regelungen seien heute weitgehend erfüllt, heißt es in dem Bericht. So lägen seit Ende des Jahres 2012 in allen Bundesländern Medizinische Hygieneverordnungen vor. Der Bewertungsausschuss habe eine vertragsärztliche Vergütungsvereinbarung für die diagnostische Untersuchung von Risikopatienten und die ambulante Sanierung von Patienten beschlossen, die mit Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) infiziert sind. Und der Gemein­same Bundesausschuss habe das AQUA-Institut mit der Entwicklung zweier sektoren­übergreifender Qualitätssicherungsverfahren zur Vermeidung nosokomialer Infektionen beauftragt. Beide Verfahren lägen vor.

Sechs von zehn Krankenhäusern haben Antibiotikaleitlinien
Mit einem Fragenkatalog hat das RKI bei den Obersten Landesgesundheitsbehörden Informationen über die Hygienestandards in den Bundesländern eingeholt. Ergebnis: 97 Prozent der Krankenhäuser verfügen im Mittel über eine aktive Hygienekommission. In 94 Prozent der Häuser wurde der Hygieneplan im Jahr 2013 auf Aktualität überprüft. In 71 Prozent entspricht die Betreuung durch einen Krankenhaushygieniker dem Bedarf. Und in 58 Prozent liegen einrichtungsspezifische Antibiotikaleitlinien unter Berück­sichtigung der Resistenzstatistik vor.

Das RKI weist jedoch darauf hin, dass die Angaben zur Zahl des Hygienefachpersonals teilweise lückenhaft waren. Auch sei die Zahl der in Fort- und Weiterbildung befindlichen Hygienefachkräfte nicht sicher zu erheben gewesen. In jedem Fall entspreche die Ausstattung der Krankenhäuser mit Hygienefachpersonal nach wie vor nicht dem Bedarf.

In jedem Fall besteht aus Sicht der Gesundheitsämter weiterhin ein Optimierungsbedarf. Als Problem wurde zum Beispiel die mangelhafte Qualität der Reinigungsleistungen durch externe Reinigungsfirmen genannt. Auch erschwerten beengte Räumlichkeiten ein hygienisch korrektes Arbeiten. Zudem sei ein Antibiotikamanagement in den Kranken­häusern heute weitgehend noch nicht etabliert.

Erfreuliche Trends bei MRSA, aber Sorge wegen MRGN
„Obwohl Deutschland im internationalen Vergleich keine hohen und in den zurück­liegenden Jahren weitgehend konstante nosokomiale Infektionsraten aufweist, sind diese Infektionen weiterhin ein relevantes Problem im Gesundheitswesen, und Maßnahmen zu ihrer weiteren Reduktion sollten weiter eine hohe Priorität haben“, erklärt das RKI zusammen­fassend.  

Insgesamt ergebe sich bei der Verbreitung von multiresistenten Erregern in der statio­nären Versorgung in dem Fünf-Jahres-Zeitraum von 2008 bis 2012 kein einheitliches Bild. Zwar seien erfreuliche Trends bei MRSA zu beobachten. Die Entwicklung bei mehrfachresistenten Gram-negativen Bakterien (MRGN) gebe jedoch Anlass zur Sorge.

Auch sollte die hohe Prävalenz der Clostridium difficile Infektionen (CDI) dazu führen, national die Aufmerksamkeit für dieses Thema zu verstärken, es intensiver zu untersuchen und entsprechende Präventionsmaßnahmen zu fördern, fordern die Experten des RKI.  

Breitspektrum-Antibiotika werden noch immer zu häufig eingesetzt
Sie kritisieren, dass der Anteil von Breitspektrum-Antibiotika, insbesondere Fluor­chinolonen und Cephalosporinen der 3. Generation, an den zum Einsatz kommenden Antibiotika noch immer zu hoch sei. Hier sollten die Angebote zu einem sachgerechten Einsatz von Antibiotika weiter ausgebaut werden; die Wartezeit für die entsprechenden Kurse sei hoch.

„Etwa 85 Prozent der Antibiotika in der Humanmedizin werden im ambulanten Bereich verschrieben“, so das RKI weiter. „Hier sollten die niedergelassenen Ärzte hinsichtlich des Umgangs mit Antibiotika sowie mit Patienten, die mit MRE besiedelt oder infiziert sind, durch niederschwellige Informationsangebote unterstützt werden.“

RKI fordert: Hygiene, Surveillance und kontrollierter Umgang mit Antibiotika
Positiv sei zu vermerken, dass die meisten deutschen Krankenhäuser die Forderungen des Infektionsschutzgesetzes zur Surveillance durch Teilnahme am Krankenhaus­nfektions-Surveillance-System (KISS) umsetzten. „Die sehr positive Entwicklung in Bezug auf die Durchführung der Surveillance und die Nutzung der Daten für das interne Qualitätsmanagement ist ein kontinuierlicher Prozess seit Inkrafttreten des Infektions­schutzgesetzes 2001“, heißt es in dem Bericht. „Hierbei konnte gezeigt werden, dass Krankenhäuser, die über mehrere Jahre und konsequent an KISS teilnehmen, auch eine Senkung von Infektionsraten objektivieren können.“

Ein wichtiger Indikator für ein zunehmendes Problembewusstsein sei zudem die Teilnahme an der „Aktion saubere Hände“. Diese Zahl sowie die Transparenz über die Teilnahme nähmen erfreulich zu. 

„Die effektivsten Maßnahmen zur Reduzierung nosokomialer Infektionen sind eine jederzeit und konsequent eingehaltene (Basis-)Hygiene, eine aussagekräftige Surveillance und der gezielte und kontrollierte Umgang mit Antibiotika“, fasst das RKI abschließend zusammen. Ohne eine ausreichende Zahl gut ausgebildeter und motivierter Mitarbeiter seien Maßnahmen der Infektionsprävention allerdings nicht sachgerecht umsetzbar.

© fos/aerzteblatt.de

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