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Grippewelle: Starke Schwankungen der Exzess-Mortalität

Dienstag, 20. Januar 2015

Berlin - Die Zahl der durch die saisonale Grippe bedingten Mortalität schwankt von Jahr zu Jahr erheblich. Auf Jahre mit wenigen Todesfällen folgen solche mit einer hohen Exzess-Mortalität, wie eine Untersuchung im Epidemiologischen Bulletin (2015; 3: 17-10) zeigt. Ein wesentlicher Risikofaktor ist der Virustyp.

Die Diagnose Influenza wird selten auf den Todesbescheinigungen notiert. Häufig sterben die Patienten an einer sekundären Pneumonie, oder die Virusinfektion führt bei Patienten mit kardialem Leiden einen vorzeitigen Tod herbei. Auf dem Totenschein wird dann die Lungenentzündung oder das Herzleiden vermerkt, aber nicht notwendigerweise die Influenza.

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Die Zahl der durch die Influenza bedingten zusätzlichen Todesfälle, die Exzess-Mortalität, ist eine statistische Größe. Das Robert Koch-Institut (RKI) errechnet sie, indem sie die Monatsdaten des Statistischen Bundesamtes zur Gesamtmortalität der Bevölkerung mit den Daten der Arbeitsgemeinschaft Influenza zum Verlauf der Grippewelle in Beziehung setzt. Da es sich um eine Schätzung mit Unsicherheitsfaktoren handelt, wird neben dem normalen Ergebnis eine vorsichtigere konservative Zahl zur Exzess-Mortalität veröffent­licht.

Die jetzt veröffentlichten Zahlen zu den Jahren 1984/85 bis 2012/13 (zur letztjährigen Grippewelle gibt es noch keine Auswertung) zeigen, dass die Exzess-Mortalität sehr stark schwankt. Die schlimmste Grippewelle gab es 1995/96, als es zu 29.000 (nach konser­vativer Schätzung 24.900) zusätzlichen Todesfällen kam. An zweiter Stelle folgte die Saison 2011/12 mit 28.900 (20.600) Exzess-Todesfällen. Die wenigsten Todesfälle gab es in den Saisons 2000/01 und 2009/10, als es nach den Berechnungen des RKI überhaupt keine Exzess-Mortalität gab.

Die Saison 2009/10 war die erste, die durch das pandemische Virus A(H1N1)pdm09 (Schweinegrippe) ausgelöst wurde. Das RKI gibt die Zahl der Exzess-Todesfälle mit Null an, in der ebenfalls durch das Virus A(H1N1)pdm09 dominierten Saison 2010/2011 waren es nur etwa 1.000 zusätzliche Todesfälle. Zur Saison 2009/10 gibt es allerdings eine weitere Berechnung aufgrund eines von anderen Jahren abweichenden mathema­tischen Modells. Dieses gab die Zahl der Exzess-Todesfälle für Deutschland mit 348 an. Das RKI gibt zu bedenken, dass das Durchschnittsalter der Patienten in jenem Jahr mit 47 Jahren relativ jung war. Normalerweise entfallen 90 Prozent der Todesfälle auf über 60-Jährige. Dennoch war die Schweinegrippe ungewöhnlich milde.

Ein Grund könnte in dem Virusstamm liegen, der zum H1-Typ gehörte.  Auch in anderen Jahren waren die Exzess-Mortalitäten minimal, wenn die Grippe-Welle von H1-Viren getragen wurde. Bei einer Dominanz von Influenza B- oder Influenza H3-Viren steigt die Zahl der Todesfälle rapide an.

Das kann als schlechtes Omen für die aktuelle Grippe-Saison gedeutet werden. Erste Typisierungen des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) deuten darauf hin, dass in diesem Jahr erneut die H3-Viren dominieren. Hinzu kommt, dass sich die zirkulierenden Viren offenbar von den Impfstoff­viren unterscheiden. © rme/aerzteblatt.de

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