Politik

Altenpfleger werden schlechter bezahlt als Krankenpfleger

Dienstag, 27. Januar 2015

Berlin – Fachkräfte und Helfer in der Altenpflege verdienen nicht nur weniger als ihre Kollegen in der Krankenpflege, sondern auch weniger als Fachkräfte anderer Berufe. Das geht aus der Studie „Viel Varianz. Was man in den Pflegeberufen in Deutschland verdient“ hervor, die das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundes­agentur für Arbeit (IAB) im Auftrag des Pflegebeauftragten der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann, erstellt hat. Demnach verdient eine Fachkraft in der Altenpflege in Ostdeutschland im Mittel 1.945 Euro brutto pro Monat und damit fast ein Drittel weniger als eine Fachkraft in der Krankenpflege, die 2.738 Euro erhält. In Westdeutschland beträgt die Differenz etwa ein Fünftel: Fachkräfte in der Altenpflege verdienen hier 2.568 Euro, Fachkräfte in der Krankenpflege 3.139 Euro.

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Mit 1.495 Euro pro Monat im Mittel verdienen Helfer in der Altenpflege in Ostdeutschland zudem 19 Prozent weniger als Helfer in der Krankenpflege (1.854 Euro). In West­deutschland liegt die Diskrepanz bei 25 Prozent: 1.855 Euro gegenüber 2.470 Euro.

Altenpfleger in Baden-Württemberg verdienen 1.000 Euro mehr als in Sachsen-Anhalt
Auch die regionalen Unterschiede in der Vergütung von Pflegekräften sind groß. Während Fachkräfte in der Altenpflege in Baden-Württemberg 2.735 Euro brutto verdienen und in Bayern 2.709 Euro, sind es in Sachsen lediglich 1.784 Euro und in Sachsen-Anhalt 1.743 Euro. Neben einem deutlichen West-Ost-Gefälle gibt es hier auch ein Süd-Nord-Gefälle.

Etwas weniger drastisch sind die regionalen Unterschiede in der Krankenpflege. Hier verdienen Fachkräfte im Saarland 3.293 Euro, in Bremen 3.240 Euro. Ein Süd-Nord-Gefälle gibt es hier nicht, dafür ein West-Ost-Gefälle: Die unteren sechs Plätze werden alle von den Bundesländern im Osten belegt, Schlusslichter sind Brandenburg mit 2.647 Euro und Mecklenburg-Vorpommern mit 2.636 Euro. Insgesamt verdienen in allen 16 Ländern Fachkräfte in der Altenpflege zum Teil deutlich weniger als der Durchschnitt aller Fachkräfte.

Laumann fordert faire Löhne in der Pflege
„Ich kritisiere nicht, dass Fachkräfte in Bayern mehr verdienen als in Sachsen-Anhalt“, sagte Laumann heute bei der Vorstellung der Studie in Berlin. Denn die Löhne müssten ja mit denen anderer Fachkräfte in der Region vergleichbar sein. „Wenn in allen Bundes­ländern die Fachkräfte der Altenpflege gegenüber vergleichbaren anderen Fachkräften bis zu 19 Prozent weniger verdienen, läuft aber etwas falsch“, meinte er. Laumann erklärte jedoch zugleich, dass eine Erhöhung der Löhne nicht Sache der Politik sei, sondern der Tarifvertragspartner: „Wir brauchen in der Altenpflege endlich flächen­deckend faire und angemessene Löhne, die von den Sozialpartnern in Tarifverträgen vereinbart werden.“ Sonst werde es immer schwieriger, junge Menschen für Pflegeberufe zu begeistern.

Er stellte allerdings klar, dass seiner Ansicht nach „das Problem nicht mit Mindestlöhnen in der Pflege gelöst werden kann“. In der sozialen Marktwirtschaft werde die Entlohnung von den Tarifvertragsparteien entschieden. Und dort gehöre die Entscheidung auch hin.

Kranken- und Altenpflege: „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“
Die hohe Lohnschere zwischen Fachkräften in der Kranken- und in der Altenpflege sei „nicht vernünftig zu begründen“, so Laumann weiter. „Um diesen unhaltbaren Zustand zu beenden, brauchen wir endlich die generalistische Pflegeausbildung. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – dieser Grundsatz muss auch für den Pflegeberuf insgesamt gelten.“

Im vergangenen Jahr hatte Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) erklärt, Anfang 2015 ein Gesetz zur Vereinheitlichung der Pflegeausbildung auf den Weg bringen zu wollen. Darin sollen die Ausbildungen in der Gesundheits- und Kranken­pflege, der Kinderkrankenpflege und der Altenpflege zusammengeführt werden. Zudem soll die Ausbildung künftig kostenfrei sein.

Hohe Teilzeitquote in der Pflege
Untersucht wurde in der Studie auch der Anteil der Teilzeitkräfte in Pflegeberufen. In der Krankenpflege stehen dabei 293.400 vollzeitbeschäftigten Fachkräften 283.500 Fachkräfte gegenüber, die in Teilzeit arbeiten. In der Altenpflege arbeiten 103.200 Fachkräfte in Vollzeit und 116.100 in Teilzeit. Noch höher ist die Teilzeitquote bei den Pflegehelfern: In der Krankenpflege liegt sie bei 61 Prozent (48.800 Vollzeitstellen stehen hier 77.000 Teilzeitstellen gegenüber) und in der Altenpflege bei 71 Prozent (56.200 Vollzeitbeschäftigte gegenüber 135.900 Teilzeitbeschäftigten).

Die Gründe dafür sind in Ost- und Westdeutschland unterschiedlich. In Ostdeutschland beantwortete die Mehrzahl der Studienteilnehmer die Frage, weshalb sie in Teilzeit arbeiteten, damit, dass sie keine Vollzeittätigkeit gefunden hätten. In Westdeutschland begründete es die Mehrzahl der Befragten mit ihrer persönlichen oder finanziellen Situation.

„Unfreiwillige Teilzeit passt nicht mit der Klage über den Fachkräftemangel zusammen“, kommentierte Laumann. „Dem kann man schon dadurch ein Stück weit entgegentreten, indem mehr Teilzeit- in Vollzeitstellen umgewandelt werden.“ Er räumte jedoch ein, dass es nicht immer leicht sei, die Pflegearbeit ausschließlich mit Vollzeitkräften zu organisieren. „Die Betreiber von Pflegeheimen sagen mir, wir können den Tagesablauf nur mit Teilzeitkräften organisieren, weil zum Beispiel morgens ein höherer Bedarf an Pflegearbeit besteht. Wir müssen einmal schauen, wie es gelingen kann, die Arbeit stärker mit Vollzeitkräften zu organisieren.“ © fos/aerzteblatt.de

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Hekla
am Mittwoch, 28. Januar 2015, 11:24

Hohe Teilzeitquote in der Pflege

Als Pflegedienstleiterin einer ambulanten Einrichtung folgende Anmerkung: viele Pflegefachkräfte wollen aus privaten Gründen häufig nur eine Teilzeitanstellung und dem kommen wir den Wünschen entsprechend auch nach. Zudem ist eine Vollzeitstelle nur möglich, wenn der Mitarbeiter bereit ist fast täglich geteilt zu arbeiten um auf die erforderliche Stundenzahl zu kommen, was wenig lukrativ ist. Die Wünsche der Klienten betreffend der Einsätze in der ambulanten Pflege haben sich in den letzten Jahren sehr verändert, die Ansprüche sind gestiegen, Klienten wollen bevorzugt zu bestimmten Zeiten versorgt werden, was lange Touren für Vollzeitkräfte schlecht umsetzbar macht. Faszit: Wir versuchen sowohl den Einsatzzeiten von Klienten gerecht zu werden und gleichzeitig den Wünschen von Mitarbeitern auf Teilzeitanstellung. Eine Anstellung auf Vollzeit würde vielen Mitarbeiterwünschen entgegen sprechen. Wir müssen akzeptieren, dass nicht jeder Arbeitnehmer in Vollzeit beschäftigt werden will und dies auch in den Statistiken berücksichtigen.
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