Ausland

Bonuszahlungen für britische Ärzte in der Kritik

Dienstag, 3. Februar 2015

London – Krankenhauskonzerne in Großbritannien bezahlen offenbar private Praxis­inhaber, damit diese ihre Patienten in die privaten Kliniken überweisen. Fiona Godlee, Chefredakteurin des British Medical Journal (BMJ) und Kollegen berichten im BMJ über Zahlungen und andere Boni, die die niedergelassenen Ärzte erhalten haben sollen. Sie kritisieren in diesem Zusammenhang die Rolle des General Medical Council, der trotz Kenntnis der Sachlage keine Maßnahmen ergriffen habe (doi:10.1136/bmj.h474).

Die Zahlung von Boni, die Ärzte in ihren medizinischen Entscheidungen beeinflussen könnten, sind in Großbritannien nicht erlaubt. Bereits 2011 wurde der britischen Ärztekammer, dem General Medical Council (GMC), bekannt, dass insbesondere in London viele niedergelassene Ärzte dennoch Gelder von privaten Klinikketten erhielten. Beträge bis zu mehreren hunderttausend Pfund sollen an einige Ärzte gezahlt worden sein. Im Gegenzug überwiesen die Ärzte ihre Patienten an die Kliniken.

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Einer der größten britischen Versicherungsanbieter deckte die Zahlung der Gelder auf und trug die Informationen an den General Medical Council heran. Aufgefallen war der Umstand, weil die niedergelassenen Ärzte ihre Praxisräumlichkeiten oft in Häusern unterhielten, die Eigentum der privaten Krankenhauskonzerne waren.

Das britische Kartellamt, die Competition and Markets Authority, schloss infolge dessen 2012 durch eine Reihe von Gesetzen finanzielle Schlupflöcher, um die Zahlung weiterer Geld zu unterbinden. Der Versicherer, der die Untersuchungen führte, forderte den General Medical Council auf, Position gegen die Zahlung der Gelder zu beziehen. Dies ist jedoch laut den BMJ-Autoren bisher nicht geschehen. Der GMC wies die Vorwürfe zurück und lehnte eine weitere Untersuchung ab, da ohne offizielle Beschwerden, beispielsweise von Patientenseite, keine Maßnahmen möglich seien. 

Die BMJ-Autoren halten diese Entwicklung jedoch für problematisch. Vergleichbare Vorfälle hätten beispielsweise in den USA am Sacred Heart Hospital Chicago dazu geführt, dass Ärzte für finanzielle Boni medizinisch nicht indizierte Eingriffe an Patienten durchführten. Ähnliche Entwicklungen solle es in Großbritannien nicht geben, so die Autoren.

Finanzielle Interessenkonflikte sollen nach Regelung des GMC von Ärzten dann angegeben werden, wenn es die Situation erfordert. Diese Formulierung schaffe jedoch gegenwärtig einen Graubereich für Ärzte, in denen sie die Zahlungen der Klinikkonzerne verschweigen könnten. 

Die Autoren der Studie fordern daher, dass künftig für Patienten eine größere Transparenz über die finanziellen Interessenkonflikte von Ärzten geschaffen werden soll. Dies müsse vor allem das General Medical Council als offizielle Instanz initiieren.

© hil/aerzteblatt.de

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