Ärzteschaft

Ärzte und Krankenkasse warnen vor explodierenden Arzneimittelkosten

Dienstag, 3. Februar 2015

Stuttgart – Die Preisgestaltung einiger Unternehmen im Arzneimittelmarkt haben die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft und die AOK Baden-Württemberg kritisiert. Hintergrund sind die Kosten für das Hepatitis-C-Präparat Sovaldi. Die Kosten für eine 12- bis 24-wöchige Jahrestherapie belaufen sich auf bis zu 120.000 Euro pro Patient.

„Es kann nicht sein, dass pharmazeutische Unternehmen mit einer nicht nach­vollzieh­baren Preispolitik das Gesundheitssystem ausbeuten und damit seine Stabilität und Leistungsfähigkeit gefährden“, sagte Christopher Hermann, Vorstandschef der AOK Baden-Württemberg, im Rahmen der Veranstaltung „AOK Baden-Württemberg im Dialog – Arzneimittelmarkt aus dem Gleichgewicht? Wer sorgt für Balance?“ gestern Abend in Stuttgart.

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Sovaldi sei nur der Anfang einer neuen Welle von hochpreisigen Medikamenten, warnte der AOK-Chef. Dabei gehe es nicht um die Frage des Nutzens eines Arzneimittels allein – „auch bei Medikamenten, die einen Mehrnutzen bringen, muss die Finanzierbarkeit für die Versichertengemeinschaft erhalten bleiben“, so Hermann.

Er fordert daher eine Nachbesserung des Arzneimittelneuordnungsgesetzes von 2011, damit eine Preisan­passung ab dem ersten Tag der Zulassung für ein neues Medikament möglich ist – derzeit kann der Hersteller nach eigenem Belieben jeden Preis festsetzen, bis die Krankenkassen nach einem Jahr einen Erstattungspreis mit dem Hersteller vereinbart haben. Hermann fordert außerdem, mehr Entscheidungsautonomie für Krankenkassen vor Ort und die Möglichkeit dezentraler Verhandlungen.

Kritik an der Preisgestaltung der Industrie übte auch der Vorstandsvorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Wolf Dieter Ludwig. „Kosten für Forschung und Entwicklung, einschließlich klinischer Studien vor der Zulassung, rechtfertigen in den meisten Fällen nicht den Preis für neue Wirkstoffe“, sagte er auf der Veranstaltung. © hil/aerzteblatt.de

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