Medizin

Super-Agers: Was das Gehirn im Alter geistig fit hält

Mittwoch, 4. Februar 2015

Chicago – Das Geheimnis der Super-Agers, die im hohen Alter die episodischen Gedächtnisleistungen von 20 bis 30 Jahre jüngeren Menschen haben, vermuten US-Hirnforscher im anterioren Gyrus cinguli, einer wichtigen Kontrollinstanz des Gehirns. Ihre jüngste Studie im Journal of Neuroscience (2015; 35: 1781-1791) zeigt, dass die hochintelligenten Senioren hier eine spezielle Hirnsignatur aufweisen.

Seit sieben Jahren untersucht ein Team um Changiz Geula von der Feinberg School of Medicine in Chicago eine Gruppe von über 80-Jährigen, die in kognitiven Tests gleich gute Ergebnisse erzielt hatten wie andere Menschen im Alter von 50 bis 60 Jahren. Frühere Untersuchungen mit der Kernspintomographie hatten bereits auf Besonder­heiten im anterioren Gyrus cinguli (anterior cingulate cortex, ACC) hingewiesen. Diese Region ist bei den Super-Agers nicht nur größer als bei anderen über 80-Jährigen. Sie übertrafen hier auch die Gehirne von 30 Jahre jüngeren Menschen.

Anzeige

Bisher konnten die Forscher die Gehirne von fünf Studienteilnehmern untersuchen, die inzwischen gestorben sind. Die histologischen Befunde bestätigen die Ergebnisse der radiologischen Bildgebung. Die Super-Agers wiesen 87 Prozent weniger neurofibrilläre Ablagerungen auf, die ein Kennzeichen degenerativer Hirnveränderungen wie beim Morbus Alzheimer sind. Der Unterschied zu Personen mit leichten kognitiven Störungen betrug 92 Prozent.

Ein weiterer Unterschied war eine drei bis fünffach höhere Zahl sogenannter von Economo-Neuronen. Es handelt sich dabei um ungewöhnlich große spindelförmige Neuronen, die es nur im Gehirn von Menschen und anderen Hominiden gibt und die auf den ACC und die Inselrinde beschränkt sind. Kürzlich wurden sie auch im dorsolateralen präfrontalen Cortex nachgewiesen.

Ihre genaue Funktion ist nicht bekannt, die Beschränkung auf intelligente Spezies und die Lokalisierung in höheren kortikalen Regionen reizt die Hirnforscher jedoch zu Spekulationen, nach denen die von Economo-Neuronen an kognitiven Prozessen beteiligt sind.

Der ACC selbst ist Teil des limbischen Systems, einer evolutionär älteren Region des Cortex. Hirnforscher sehen in ihm eine Kontrollinstanz, die Informationen auf ihre logische Plausibilität prüft. Der ACC soll beispielsweise auf den Stroop-Effekt reagieren, der das Gehirn bei Farbwörtern mit abweichender Druckerfarbe der Buchstaben reizt.

© rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Nachrichten zum Thema

08.11.16
Calgary – Ein speziell entwickelter Neurochip könnte die Aktivität einzelner zentraler Neurone über Wochen aufzeichnen. Dies könnte Neurowissenschaftlern dabei helfen, das Gehirn und seine......
28.09.16
Das Gehirn kann sich beim Lernen selbst belohnen
Marburg/Barcelona – Das menschliche Gehirn kann mittels eines eigenen Signals fehlende äußere Belohnung ersetzen und so das Erlernen neuer Informationen selbstgesteuert verstärken. Das berichten......
12.09.16
Das menschliche Ortsgedächtnis ist fragmentiert
Tübingen – Das menschliche Ortsgedächtnis besteht aus vielen Einzelkarten. Das berichten Marianne Strickrodt und Tobias Meilinger vom Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen in der......
09.09.16
Oxord – Die somatosensorische Repräsentation der Hand im Neokortex bleibt auch erhalten, wenn Patienten bereits vor Jahren die Hand amputiert wurde. Die Erkenntnisse der Forscher um Tamar Makin an der......
08.09.16
Lancaster – In Verbrennungsmotoren, aber auch beim Bremsen entstehen magnetische Nanopartikel, die vermutlich über die Nase das Gehirn erreichen, wo sie britische Forscher laut einer Studie in den......
02.09.16
Warum Schlafentzug das Gedächtnis beeinträchtigen könnte
Pennsylvania – Zu wenig Schlaf schadet dem Gedächtnis. Dies legen zumindest Versuche an Mäusen nahe, die eine Verschlechterung der hippocampalen Konnektivität unter Schlafentzug zeigten. Über ihre......
29.08.16
Schlaf reduziert die Übertragung zwischen Nervenzellen
Freiburg – Im Schlaf reduzieren Nervenzellen ihre synaptische Aktivität. „Die meisten Verbindungen werden geschwächt, manche sogar ganz abgebaut“, berichten Forscher um Christoph Nissen, Ärztlicher......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige