Medizin

Schnelltest am Smartphone erkennt HIV und Syphilis in 15 Minuten

Donnerstag, 5. Februar 2015

New York – Ein miniaturisierter „Lab-on-a-chip“-Test, der seine Stromzufuhr aus dem Kopfhörerausgang eines Smartphones bezieht, kann innerhalb von 15 Minuten drei Antikörpertests durchführen. In einer ersten Feldstudie in Science Translational Medicine (2015; 7: 273re1) hat er sich als kostengünstiges Minilabor zur Diagnose von HIV und Syphilis erwiesen.

Die Labordiagnose von HIV und Syphilis erfolgt üblicherweise durch den Nachweis von Antikörpern im Serum. Sie sind beim HIV-Test direkt gegen das Virus gerichtet, während zur Diagnose der Syphilis neben Treponema-spezifischen Antikörpern auch nicht-treponemale Antikörper nachgewiesen werden. In der Summe ergibt dies drei Tests, die im Labor üblicherweise mit ELISAs durchgeführt werden.

Anzeige

Ein konventioneller ELISA weist die Antikörper in einer mehrphasigen Untersuchung durch eine enzymatische Farbreaktion nach. Die ELISA-Geräte sind relativ sperrig, kosten in der Anschaffung etwa 20.000 Euro und benötigen zum Betrieb Strom, was ihren Einsatz in abgelegenen Regionen Afrikas häufig erschwert. Durch den notwendigen Transport der Blutproben können Tage vergehen, bevor die Ergebnisse eintreffen.

Portable Lab-on-a-chip-Systeme: Hip oder Hype?

Als portable „Lab-on-a-chip“- Systeme (LOCs) werden funktionale Systeme bezeichnet, die verschiedene labordiagnostische Verfahren auf einem Chip integrieren und sich durch Miniaturisierung, Parallelisierung und Diversifizierung auszeichnen.

Ein „Lab-on-a-chip“-Test, den das Team um Samuel Sia von der Columbia Universität in New York und Mitarbeiter entwickelt hat, hat die Größe einer Kreditkarte und er verkürzt die Nachweiszeit auf etwa 15 Minuten. Kern des mChip („mobile microfluidic chip“) sind kleine Kapillaren, an deren Innenwänden im Prinzip ähnliche chemische Reaktionen wie beim ELISA ablaufen.

Die Kosten eines mChip betragen nur etwa 34 US-Dollar. Es handelt sich allerdings um einen Einmalartikel, während ein ELISA-Gerät mit neuen Chemikalien mehrfach verwendet werden kann und zudem gleichzeitig die Proben von vielen Probanden untersuchen kann.

Sia hatte den mChip bereits vor drei Jahren vorgestellt. Für den Einsatz in Ruanda wurde er jetzt noch einmal verfeinert. Um den Stromverbrauch zu minimieren, wird das Serum jetzt über ein "one-push vacuum" in die Kalilaren gesaugt. Die wenige Energie, die der mChip noch benötigt, bezieht er jetzt über den Kopfhörerausgang von einem Smartphone.

Da dieser „audio jack“ international genormt ist, kann das Gerät an allen Smartphones (iPhones und Androids) benutzt werden. Das Smartphone erleichtert über die Alarm­funktion auch die Bedienung des mChips. Es kann zudem die Ergebnisse speichern und bei Bedarf weiterleiten. Der von Sia entwickelte „Dongle“ kommt ohne weitere Strom­zufuhr aus und kann deshalb auch in Gegenden ohne Stromleitungen betrieben werden (solange der Akku des Smartphones geladen ist).

In einem ersten Feldtest in Ruanda erzielte der mChip beim Nachweis von HIV und Syphilis eine Sensitivität von 92 bis 100 Prozent und eine Spezifität von 79 bis 100 Prozent. Der Test erreicht damit nicht die Zuverlässigkeit eines ELISAs, er könnte sich jedoch zum Screening eignen. Die Anwendung ist einfach. Das Gesundheitspersonal in Ruanda benötigte nur eine Einweisung von 30 Minuten. Auch 97 der Getesteten meinten, dass sie den Test aufgrund des schnellen Ergebnisses und der einfachen Anwendung vorziehen würden. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Nachrichten zum Thema

05.12.16
HIV: Kassen gegen Finanzierung von Propylaxe-Medikament
Berlin – Das Medikament Truvada, das derzeit zur Behandlung von HIV eingesetzt wird, ist seit Mitte des Jahres auch als Prophylaxe zugelassen. Das Präparat soll das Risiko senken, sich mit HIV zu......
02.12.16
Mölndal – Computergestütze erweiterte Realitätswahrnehmungen könnten Phantomschmerzen von Menschen mit Amputationen lindern. Dafür bewegen Betroffene ihren amputierten Arm im virtuellen Raum,......
02.12.16
Berlin – Sollte die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) künftig – wie bei Impfungen – auch für die medikamentösen Prophylaxen aufkommen? Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) sieht sich derzeit für......
01.12.16
Weltaidstag: WHO ruft zu (in Deutschland nicht erlaubten) Selbsttests auf
Genf – Fast die Hälfte aller HIV-Infizierten weltweit wissen nicht, dass sie sich mit dem humanen Immundefizienz-Virus angesteckt haben, in Europa ist es noch jeder siebte. Da die Kenntnis der......
01.12.16
New York – Die Zahl der jährlich neuen HIV-Infektionen unter Jugendlichen könnte nach Schätzungen der Vereinten Nationen im Jahr 2030 bis zu 400.000 betragen. Das geht aus einem heute veröffentlichten......
30.11.16
Ärzte rufen zu Anstrengungen bei HIV-Prävention auf
Berlin – Die erfolgreiche Präventionsarbeit gegen die Ausbreitung von HIV in Deutschland muss weitergehen. Dazu hat die Vizepräsidentin der Bundesärztekammer (BÄK), Martina Wenker, aufgerufen. „Aids......
29.11.16
Stockholm – Die Zahl der neu diagnostizierten HIV-Infektionen in Europa ist stabil – doch viele wissen nichts von ihrer Erkrankung. Das geht aus einem Bericht hervor, den das Europäische Zentrum für......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige