Ärzteschaft

Ärztliche Versorgung zwischen Spezialisierung und Ganzheitlichkeit

Montag, 9. Februar 2015

Köln - Die Spezialisierung in der Medizin hat in Deutschland in den letzten Jahren immer mehr zugenommen. Das berichtete der Präsident der Bundesärztekammer, Frank-Ulrich Montgomery, am 6. Februar in Köln auf einem medizinethischen Symposium der Stiftung Allgemeinmedizin und der Melanchthon-Akademie. So habe es im Jahr 1924 in Deutschland 14 Gebiete gegeben, 1970 waren es 20, 1992/93 waren es 41, und in der gegenwärtigen Weiterbildungsordnung wären sogar 51 Facharztgebiete verzeichnet. Montgomery ist der Ansicht, dass der medizinische Fortschritt ohne die Spezialisierung nicht möglich gewesen wäre. „Wesentliche Argumente für eine Spezialisierung sind Fortschritt, Überschaubarkeit und eine Steigerung der Qualität“.

Spezialisierung führt zum Verlust der Ganzheitlichkeit
Auf der anderen Seite führe die Spezialisierung aber auch zu einem Verlust der Ganzheitlichkeit der medizinischen Versorgung. Im Jahr 1904 waren dem BÄK-Präsi­denten zufolge nur 17 Prozent der Ärzte in Deutschland Fachärzte, fünf Jahre später waren es schon 23 Prozent. Heute liege der Anteil der Fachärzte deutlich über dem der Allgemeinärzte. Dazu geben auch noch einen Trend zur zunehmenden Subspezia­lisierung.

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Dennoch hält es Montgomery für keine Lösung, den Grad der erreichten Spezialisierung zurückzunehmen. Er empfiehlt, den Patienten „zielgerichtet und koordiniert durch die Versorgungslandschaft zu leiten“. Eine zweite Antwort auf die Spezialisierung sei die Einführung von Fallbesprechungen und Tumorkonferenzen. Dort träfen sich Ärzte verschiedener Disziplinen, um gemeinsam die beste Therapie für den Patienten zu finden.

Tumorkonferenz ist ein sinnvoller Ausgangspunkt für eine interdisplinäre Behandlung
Tumorkonferenzen zum Beispiel hält der Präsident der Bundesärztekammer für einen sinnvollen Ausgangspunkt einer interdisziplinären Behandlung auch unter Hinzuziehung des Hausarztes. „Wir können viele Maßnahmen der Zusammenarbeit entwickeln“, sagte Montgomery abschließend. „Es gibt Leitlinien, interdisziplinäre Behandlungspfade und die Entwicklung fachübergreifender Kommunikationssysteme.“ Dabei könne man der Spezialisierung nicht ausweichen, eine zentrale Rolle spiele aber immer auch die Allgemeinmedizin. © Kli/aerzteblatt.de

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