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Genomprofil liefert Therapieziele bei Krebsleiden ohne Primärtumor

Mittwoch, 18. Februar 2015

Albany – In dem nicht so seltenen Fall, dass bei einem metastasierten Krebsleiden kein Primärtumor gefunden wird, könnte künftig eine Genomanalyse die Auswahl der richtigen Medikamente erleichtern. In einer retrospektiven Studie in JAMA Oncology (2015: doi: 10.1001/jamaoncol.2014.216) wurden in der Mehrzahl Angriffspunkte für zielgerichtete Medikamente identifiziert. In Einzelfällen kam es dann zu langfristigen Remissionen der Tumore. 

Trotz der verbesserten Diagnostik bleibt bei drei bis fünf Prozent aller Patienten, die sich mit einer metastasierten Krebserkrankung beim Onkologen vorstellen, die Suche nach dem Primärtumor erfolglos. Bei diesen Patienten mit CUP-Syndrom (für „Cancer of Unknown Primary“) ist die Wahl der Therapie schwierig, da die Histologie der Metastasen oft keine Hinweise gibt.

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In den letzten Jahren wurden bei einer Vielzahl von Tumoren Gendefekte gefunden, die sich für eine zielgerichtete Therapie mit Antikörpern, Kinase-Inhibitoren oder anderen Wirkstoffen eignen. Diese Therapieansätze könnten auch beim CUP-Syndrom effektiv sein, da aber der Primärtumor nicht bekannt ist, kann nicht gezielt nach den Gende­fekten gesucht werden. Jeffrey Ross vom Albany Medical College im US-Staat New York und Mitarbeiter haben sich deshalb bei 200 Patienten mit CUP-Syndrom für einen „Rundumschlag“ entschieden.

Mit einem von der Firma Foundation Medicine aus Cambridge/Massachusetts (deren Mitarbeiter Ross ist) entwickelten Verfahren wurde für die Tumore aller 200 Patienten ein Genomprofil erstellt. Es umfasste 3.769 Exone von 236 bekannten Krebsgenen sowie 47 Introne von 19 Genen, die durch Umlagerung im Genom das Krebswachstum fördern. In 192 CUP-Proben (96 Prozent) wurde wenigstens eine Genomveränderung gefunden. Pro Tumor waren es im Durchschnitt 4,2 Genomveränderungen. Bei 169 Patienten (85 Prozent) war darunter eine Variante, die Ansatzpunkt für eine Therapie ist.

Da die Studie retrospektiv war, konnten die Ergebnisse in den meisten Fällen nicht mehr für therapeutische Entscheidungen verwendet werden. Bei zwei Patienten konnte die Therapie durch das Genomprofil jedoch noch erfolgreich umgestellt werden. Die erste Patientin war nach der Entfernung einer Hirnmetastase, dessen Histologie auf ein Schilddrüsenkarzinom hindeutete, erfolglos mit Carboplatin plus Docetaxel behandelt worden.

Als dann die Ergebnisse des Genomprofils eine 16-fache Amplifikation im MET-Gen anzeigten, wechselten die Onkologen auf den Kinase-Hemmer Crizotinib. Es kam daraufhin zu einer kompletten Remission, die Ross zufolge seit drei Jahren anhält. Bei einem zweiten Patienten war eine Hautmetastase das erste Zeichen eines CUP-Syndroms.

In der Computertomographie wurde dann ein großer Tumor in der rechten Lunge entdeckt. Im Genomprofil erkannten Ross und Mitarbeiter eine Fusion der Gene EML4 und ALK, die ebenfalls auf eine Wirksamkeit von Crizotinib hindeutet. Unter der Therapie mit dem Kinase-Hemmer bildete sich der vermeintliche Primärtumor innerhalb eines Monats komplett zurück.

Für Ross zeigen die beiden Kasuistiken, dass das Genomprofiling einen großen therapeutischen Nutzten für einzelne Patienten hat. Davon ist auch der Schweizer Konzern Roche überzeugt, der im Januar für 780 Millionen US Dollar eine Aktienmehrheit bei Foundation Medicine erwarb.

© rme/aerzteblatt.de

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